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Cloud-Sparte AWS Wie sich Amazon in der Digitalwirtschaft unverzichtbar machen will

Helfer für das Homeoffice haben Sonderkonjunktur. Und Amazon verdient fast immer mit: Der Cloud-Dienst Amazon Web Services vermietet Slack, Zoom und Co. die notwendige Infrastruktur.
19.06.2020 - 18:07 Uhr Kommentieren
Ob für die Arbeit, die Schule oder einen Plausch mit Freunden: Videokonferenzen boomen - und verschaffen auch den Cloud-Anbietern zusätzliche Nachfrage. Quelle: Reuters
Unterricht per Videokonferenz

Ob für die Arbeit, die Schule oder einen Plausch mit Freunden: Videokonferenzen boomen - und verschaffen auch den Cloud-Anbietern zusätzliche Nachfrage.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Die Coronakrise hat in den vergangenen Monaten viele Menschen dazu gezwungen, zu Hause zu bleiben. Das hat Unternehmen wie Zoom, Slack und Netflix, die die Arbeit im Homeoffice erleichtern oder Ausgangsbeschränkungen erträglich machen, eine Sonderkonjunktur beschert. Die Nutzung derartiger Dienste liegt im ersten Halbjahr auf einem Rekordniveau, die Aktien dieser „Stay at home“-Kategorie – wie es im Börsenjargon heißt – sind so gefragt wie nie zuvor.

Mindestens genauso profitiert aber Amazon Web Services (AWS) von dieser Entwicklung. Die Cloud-Sparte des US-Handelsriesen bietet IT-Leistungen wie Speicher, Rechenleistung und Software aus den Rechenzentren in aller Welt an, verfügbar nach Bedarf und zu bezahlen nach Nutzung.

In der Ausnahmesituation machen viele Kunden davon Gebrauch: Die Ausgaben fürs Cloud-Computing werden in diesem Jahr um 19 Prozent wachsen, wie das Analysehaus Gartner prognostiziert. Davon profitiert auch der Marktführer massiv.

Werner Vogels, Technikchef von Amazon, sieht darin kein vorübergehendes Phänomen, sondern einen unumkehrbaren Trend. Durch die Coronakrise werde der Zugang zu digitalen Dienstleistungen „für jeden absolut notwendig“, sagte er dem Handelsblatt am Rande der virtuellen Kundenkonferenz AWS Summit, die diese Woche stattfand: Bei den Kunden sei eine „signifikante Verschiebung“ zur Cloud zu beobachten. Für AWS ist das eine Chance, sich unabdingbar zu machen.

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    Amazon ist ein Pionier des Cloud-Computings. Das Management des Onlinehändlers stellte fest, dass Teams im eigenen Haus bei der Entwicklung neuer Dienste viel Zeit damit verbrachten, die IT-Infrastruktur aufzubauen. Also entwickelte die Firma einige Elemente, auf die alle Mitarbeiter zugreifen konnten.

    2006 begann der Konzern, diese Dienstleistungen unter dem Namen Amazon Web Services auch externen Kunden anzubieten. Mit großem Erfolg: Heute ist AWS der Marktführer, der im ersten Quartal mehr als zehn Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaftete.

    Skalieren auf Knopfdruck

    Die Verkaufsargumente lauten seither immer gleich: Anstatt selbst in teure Infrastruktur zu investieren, so das Versprechen, bekommen Kunden IT-Dienstleistungen auf Knopfdruck. Allerdings gewinnen sie derzeit an Gewicht, etwa wenn es um die Skalierung geht, wie das einfache Hoch- und Runterfahren von Kapazitäten in der IT-Branche genannt wird. „Wir sehen derzeit beides: Kunden, die viele zusätzliche Kapazitäten brauchen, und Kunden, die die Kosten drastisch kürzen müssen“, sagt Vogels.

    Einerseits ist da zum Beispiel Zoom: Als zahlreiche Unternehmen ins Homeoffice umzogen und auch Yogatrainer und Gitarrenlehrer plötzlich Alternativen für den persönlichen Kontakt benötigten, wuchs die Auslastung des Videokonferenzdienstes um den Faktor 20. Es sei ein „gewaltiges Unterfangen“ gewesen, die Kapazitäten dafür zu schaffen, berichtete Konzernchef Eric Yuan kürzlich. AWS habe den Großteil der neuen Server zur Verfügung gestellt, teils mehrere Tausend pro Tag.

    Zoom hat inzwischen einen umfangreichen Vertrag mit Oracle abgeschlossen, um die eigenen Serverkapazitäten auszubauen, will aber auch künftig AWS nutzen. Auch andere Unternehmen verlassen sich auf den Cloud-Dienstleister, Netflix, Disney und Hulu etwa, obwohl sie mit ihren Videodiensten in Konkurrenz zu Amazon Prime stehen, oder die Spieleanbieter Epic Games und Sony, um nur einige zu nennen. Chancen sieht Technikchef Vogels auch im E-Commerce, im Gesundheitssektor oder in der Medien- und Unterhaltungsindustrie.

    „Wir sehen derzeit beides: Kunden, die viele zusätzliche Kapazitäten brauchen, und Kunden, die die Kosten drastisch kürzen müssen“, Quelle: picture alliance / Picture Allia
    Amazon-Technikchef Werner Vogels

    „Wir sehen derzeit beides: Kunden, die viele zusätzliche Kapazitäten brauchen, und Kunden, die die Kosten drastisch kürzen müssen“,

    (Foto: picture alliance / Picture Allia)

    Andererseits ist da Tui: Das Geschäft des Reisekonzerns brach durch die massiven Beschränkungen des öffentlichen Lebens ein, erst langsam normalisiert es sich wieder. Die IT-Abteilung, die bereits zuvor mit AWS zusammengearbeitet hatte, passte daraufhin die Infrastruktur an und erzielte damit nach eigenen Angaben Kosteneinsparungen von mehr als 50 Prozent.

    Auch andere Unternehmen der Tourismusbranche wie Airbnb und Expedia könnten davon profitieren, sagt Vogels: „Sie haben die komplette Kontrolle über ihre Infrastruktur“, verspricht er.

    Eigene Produkte für den Umgang mit der Pandemie entwickle AWS nicht, sagt Vogels. Das Unternehmen helfe aber Kunden bei der Einführung von Services. Es handelt sich um Fälle, über die das Unternehmen gerne redet, etwa wenn eine Stadt in der Lombardei ein Callcenter auf der Infrastruktur laufen lässt, um Fragen zum Coronavirus zu beantworten.

    Die Cloud-Plattformen beherrschen immer mehr komplexe Aufgaben. Waren sie früher wie Lagerhallen für Daten, sind sie heute Fabriken. AWS bietet neben der Software für Callcenter auch eine virtuelle Arbeitsumgebung und eine Videokonferenzlösung an. Die Vision brachte AWS-Chef Andy Jassy gegenüber dem Handelsblatt einmal so auf den Punkt: Das meiste der IT „wird in die Cloud gehen“. Womit sein Unternehmen Teil der Geschäftsprozesse würde – und somit nicht mehr wegzudenken.

    Die Chance besteht. „Die Corona-Situation hat bei vielen Entscheidern bisher vorherrschende Einwände gegenüber Cloud-Computing im Allgemeinen und AWS im Besonderen einfach weggewischt“, beobachtet Axel Oppermann vom Analyse- und Beratungsunternehmen Avispador in Kassel.

    Bedenken wegen Kosten, Sicherheit oder Funktionalitäten stünden nicht mehr im Vordergrund, so der Analyst. Hauptsache, das Rechenzentrum und die Software laufen weiter – „business continuity“ lautet das Schlagwort. Und Hauptsache, es gelingt, schnell neue Technologien einzuführen, die den Umgang mit der Pandemie erleichtern.

    Die Krise sei daher „ein langfristiger Treiber“ für AWS wie auch für die anderen Hyperscaler, sagt Oppermann, also die anderen großen Cloud-Dienstleister Microsoft, Google und Alibaba.

    Microsoft Teams hat 75 Millionen Nutzer

    Die Konkurrenz wächst jedoch. Microsoft hat mit der Plattform Azure den Abstand zu Marktführer AWS verringert und kürzlich auch noch einen prestige- und umsatzträchtigen Auftrag des Pentagons gewonnen. Gerade bei Lösungen fürs Homeoffice ist der Konzern, der einst mit Software wie Windows und Office groß geworden ist, sehr stark.

    Im April vermeldete er 75 Millionen tägliche Nutzer bei seinem Kollaborationsdienst Teams, doppelt so viele wie im März. Die Coronakrise haben in zwei Monaten so viel Digitalisierung gebracht wie vorher in zwei Jahren, sagte Microsoft-Chef Satya Nadella.

    Die Cloud-Sparte von Amazon erwirtschaftet einen Großteil der Profite. Quelle: Reuters
    Logo von AWS

    Die Cloud-Sparte von Amazon erwirtschaftet einen Großteil der Profite.

    (Foto: Reuters)

    Microsoft habe die Vormachtstellung mit der Produktivitätslösung Office auf die Cloud übertragen, sagt Avispador-Analyst Oppermann. Mit dem Service „Microsoft 365“ und Virtualisierungslösungen, um beispielsweise die Arbeitsumgebung über die Cloud zu nutzen, werde der Konzern auch große Bereiche des „Working from Home“-Marktes beherrschen.

    Ein Deal mit Slack soll AWS helfen, den Abstand zu verringern. Der Kommunikationsdienst für Unternehmen profitiert von der Verlagerung der Arbeit ins Homeoffice. Trotzdem steht er unter Druck: Microsoft vermarktet seine Software Teams als Alternative, die auch Videokonferenzen und Sprachanrufe beherrscht, oft als kostenlose Dreingabe zu einem Softwarepaket.

    Um mithalten zu können, hat sich Slack mit AWS verbündet. Der Kommunikationsdienst nutzt künftig Chime, die Technologie für Sprach- und Videokonferenzen, um selbst ein vollständiges Paket anbieten zu können. Es ist ein prestigeträchtiger Deal für beide Seiten.

    Zur Konkurrenz äußert sich Amazon in der Regel zurückhaltend. Auch Werner Vogels will sich auf diese Diskussion nicht einlassen. „Vom ersten Tag an wussten wir, dass es im Cloud-Geschäft nicht nur einen Gewinner geben wird“, sagt er. Es gebe weiterhin viel Potenzial: „Die IT-Branche hat noch einen langen Weg vor sich.“

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