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Halbleiter Die Milliardendeals in der Chipbranche sind zurück

Der US-Hersteller Analog schluckt den Rivalen Maxim für 21 Milliarden Dollar. Das ist viel Geld in der Krise und dennoch ein günstiger Kauf.
13.07.2020 - 17:02 Uhr Kommentieren
In der Halbleiterindustrie sind die Fusions-Phantasien zurück. Quelle: mauritius images
Silizium-Wafer

In der Halbleiterindustrie sind die Fusions-Phantasien zurück.

(Foto: mauritius images)

München Es geht wieder rund in der Chipindustrie. Der US-Halbleiterhersteller Analog Devices übernimmt den Rivalen Maxim Integrated Products für knapp 21 Milliarden Dollar in Aktien. Das teilten die Unternehmen am Montag mit.

In den vergangenen Monaten hatten sich die Chipproduzenten mit Milliardendeals zurückgehalten. Nun nimmt die seit Jahren andauernde Konsolidierung der Branche aber wieder Fahrt auf. Die Anteilseigner von Maxim bekommen für jede ihrer Aktien 0,63 Papiere von Analog. Das entspricht einem Aufschlag von 22 Prozent auf den Schlusskurs von Maxim vom vergangenen Freitag.

Das ist günstig verglichen mit dem Kauf von Cypress durch den Dax-Konzern Infineon. Die Münchener brachten die Übernahme des US-Konkurrenten in diesem Frühjahr unter Dach und Fach. Den Vertrag ausgehandelt hatten sie aber schon vergangenes Jahr. So legten die Bayern knapp die Hälfte mehr hin, als die Kalifornier vor Bekanntgabe der Übernahmeabsichten an der Börse wert waren.

Nvidia wiederum kam zuletzt günstiger davon. Der Chiphersteller überwies im Frühjahr 6,8 Milliarden Dollar für den israelischen Konkurrenten Mellanox. Das entsprach einem Aufschlag von knapp 14 Prozent auf den Schlusskurs im Vorfeld des Deals.

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    Analog werde nach der Übernahme mit 68 Milliarden Dollar bewertet, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Den bisherigen Aktionären des Konzerns gehören künftig gut zwei Drittel aller Anteile. „Das ist der nächste Schritt in unserer Vision, die physischen und digitalen Welten zu verbinden“, sagte Analog-CEO Vincent Roche.

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    Mit dem Kauf erweitere der Konzern sein Portfolio und könne noch mehr hochmoderne Lösungen anbieten. Die Firma wird gut acht Milliarden Dollar Umsatz erzielen. Damit ist das Unternehmen ungefähr so groß wie Infineon vor dem Kauf von Cypress.

    Durch die Übernahme greift der Konzern insbesondere Texas Instruments (TI) an. Beide Konzerne produzieren sogenannte Analog-Chips, wie sie in unzählige elektrische Geräte eingebaut werden, vom Computer über den Geldautomaten bis zu Waschmaschinen. Auch die Autohersteller sind wichtige Kunden. TI ist führend in diesem Geschäft und mehr als doppelt so groß wie Analog. Rund 13 Prozent vom Halbleiterumsatz weltweit entfallen auf diese Art von elektronischen Bauteilen.

    Es ist kein Zufall, dass es gerade in der Chipindustrie jetzt zu solch einer gewaltigen Übernahme kommt. Die Branche ist bislang vergleichsweise glimpflich durch die Wirtschaftskrise gekommen. „Der Mikroelektronikmarkt bleibt stabil“, sagt Sven Baumann, Marktexperte beim deutschen Branchenverband ZVEI. Bis Ende April seien die Umsätze trotz Corona weltweit leicht gestiegen. Neuere Zahlen liegen noch nicht vor.

    „Es wird mehr Elektronik verbraucht“, begründete Baumann die überraschende Entwicklung. Das liege wiederum daran, dass die Menschen rund um den Globus angesichts der Pandemie zu Hause arbeiten würden und sich dafür mit dem nötigen Equipment eindecken.

    Auch bei Maxim läuft es besser als erwartet. Für das jüngste Quartal rechnet die Firma mit Erlösen von 545 Millionen Dollar, fünf Millionen mehr, als das Unternehmen bisher im besten Fall in Aussicht gestellt hatte. Analog wiederum erwartet einen Quartalsumsatz von 1,45 Milliarden Dollar, gut 100 Millionen mehr als prognostiziert. Auch unterm Strich bleibe deutlich mehr übrig als vorhergesagt.

    Das liege nicht zuletzt daran, dass die Kunden trotz der Seuche weniger Aufträge storniert hätten als befürchtet, teilte der Konzern am Montag mit. Vergangene Woche hatte bereits Samsung über ein ausgezeichnetes Geschäft seiner Halbleitersparte berichtet. Die Koreaner sind der weltgrößte Speicherchiphersteller.

    Dass sich zwei US-Konzerne zusammenschließen, ist wenig überraschend. So ist China zwar schon seit Jahren der weltgrößte Markt der Halbleiterhersteller. Gut ein Drittel vom Umsatz erzielt die Branche in der Volksrepublik. Allerdings machen das Geschäft nach wie vor größtenteils die US-Konzerne. Sie stehen dem ZVEI zufolge für gut die Hälfte aller Erlöse der Industrie.

    Vergangenes Jahr erwirtschaftete die Branche global 412 Milliarden Dollar. Sechs der zehn größten Chipproduzenten stammten 2019 aus den USA, so die Marktforscher von Gartner.

    Halbleiter als politische Waffe

    Übernahmen in der Halbleiterindustrie sind indes stets auch ein Politikum. Mobilfunknetze und Halbleiter sind entscheidend für die nationale Sicherheit. Für US-Präsident Donald Trump steht der Schutz der einheimischen Hochtechnologie ganz oben auf der Agenda.

    So vereitelte der Politiker vor zwei Jahren den größten Deal aller Zeiten in der Chipbranche. Trump untersagte dem damals noch asiatischen Anbieter Broadcom den Kauf des US-Konzerns Qualcomm. 117 Milliarden Dollar wollte Broadcom zahlen, um den weltweit führenden Handychip-Spezialisten aus Kalifornien zu schlucken. Zuvor schon war Infineon verboten worden, den kleinen US-Wettbewerber Wolfspeed zu schlucken.

    Infineons Cypress-Deal hatten die US-Behörden ein Jahr lang unter die Lupe genommen. Sogar noch länger brüteten die Bürokraten in China über den Unterlagen, bevor sie der Firmenehe mit Infineon zustimmten. Auch Nvidia musste monatelang auf den Segen aus Peking für den Zukauf in Israel warten. Für die Chinesen ist es schlecht, wenn Chipfirmen in amerikanische Hände fallen. Denn Trump nutzt Halbleiter als politische Waffe. Den chinesischen Technologiekonzern Huawei dürfen Halbleiterhersteller nicht mehr beliefern, wenn sie auch nur US-Fertigungstechnik einsetzen.

    China lässt daher mitunter ebenfalls die Muskeln spielen. So wollte der US-Chipriese Qualcomm den niederländischen Infineon-Rivalen NXP für 44 Milliarden Dollar übernehmen. Die Behörden weltweit hatten zugestimmt, nur Peking zögerte. Qualcomm gab die Akquisition nach monatelangem Warten im Sommer vor zwei Jahren schließlich entnervt auf.

    Auf gute Beziehungen zu China sind aber alle Chiphersteller angewiesen. Denn der Trend scheint unaufhaltsam: „China rennt allen davon“, so ZVEI-Experte Baumann. Im vergangenen Jahr erzielten die Halbleiterhersteller dort 35 Prozent ihres weltweiten Umsatzes – gut einen Prozentpunkt mehr als 2018.

    China ist der mit Abstand wichtigste Markt für die Produzenten, und er wird jedes Jahr bedeutsamer. Zudem spielen die einheimischen Hersteller im Moment noch keine große Rolle, so Baumann. Ihr Anteil an der Welthalbleiterproduktion liegt bei nur fünf Prozent.

    Mehr: So will Infineon die Blutdruckmessung mit Radartechnologie ermöglichen

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