Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Innovation So will Infineon die Blutdruckmessung mit Radartechnologie ermöglichen

Der Chipkonzern kooperiert mit dem kalifornischen Start-up Blumio. Sensoren sollen die heute bei der Blutdruckmessung übliche Manschette ersetzen.
05.07.2020 - 12:39 Uhr Kommentieren
Das elektronische Bauteil ist nicht viel größer als der Kopf eines Streichholzes. Quelle: Infineon
Infineon-Chip

Das elektronische Bauteil ist nicht viel größer als der Kopf eines Streichholzes.

(Foto: Infineon)

München Üblicherweise messen Ärzte den Blutdruck ihrer Patienten, indem sie ihnen eine Manschette um den Arm wickeln. Das könnte bald Geschichte sein. Zumindest wenn die Pläne von Infineon und Blumio aufgehen. Der Chipkonzern und das Start-up aus Kalifornien wollen den Blutdruck mit der Radartechnologie ermitteln – und das äußerst zuverlässig mit einem winzigen elektronischen Bauteil, das nicht viel größer ist als der Kopf eines Streichholzes. Es könnte bereits 2022 in Serie genutzt werden, zum Beispiel in Computeruhren.

Die beiden Firmen kooperieren schon länger, haben zuletzt ihre Partnerschaft aber erweitert. Das sechsköpfige Team von Blümio wird nun vom Zukunftslabor des Dax-Konzerns in Kalifornien intensiv unterstützt. „Ziel ist es, mit der Lösung so schnell wie möglich auf den Markt zu kommen“, sagt Adrian Mikolajczak, Leiter des Silicon-Valley-Innovationszentrums der Sparte Power & Sensor & Systems, dem Handelsblatt.

Fünf Jahre tüftelt Catherine Liao schon an ihrem System. Nun sieht sich die Mitbegründerin von Blumio kurz vor dem Ziel. Anfang kommenden Jahres will die Ex-Mitarbeiterin der Weltgesundheitsorganisation WHO sogenannte Entwicklungs-Kits unter Elektronikherstellern verteilen, damit diese ihre Lösung dann bei der Entwicklung neuer Geräte berücksichtigen.

Infineon stellt dafür einen Sensor zur Verfügung, der den Blutdruck per Radar misst – und zwar mit einer Frequenz von 60 Gigahertz. Radar ist ein Verfahren, das auf Funkwellen beruht. Infineon nutzt es bislang vor allem in seiner Autosparte. „Mit Blumio können wir auch in den Gesundheitsbereich vordringen“, so Mikolajczak. Mit den Chips von Infineon sei es erstmals möglich, den Blutdruck kontinuierlich und gleichzeitig präzise ohne Kabel zu erfassen. Infineon liefert dabei im Wesentlichen die Hardware, die Software stammt von den US-Amerikanern.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Hinter der Idee von Blumio steckt das Konzept der sogenannten Pulswellengeschwindigkeit. Es beschreibt die Druckwelle, die sich bei jedem Herzschlag in der Arterie einer Person ausbreitet. Die Geschwindigkeit dieser Druckwelle hängt davon ab, wie steif die Arterie ist. Je härter die Arterie etwa wegen des Alters ist, desto schwerer muss das Herz pumpen und desto schneller ist die Pulswelle. Die Geschwindigkeit dieser Pulswelle korreliert eng mit dem Blutdruck. Genau das misst Blumio mit dem Radar von Infineon.

    Weitere Einsatzgebiete für Radartechnologie

    Blumio könne auf die Ingenieure von Infineon zurückgreifen, aber auch auf deren Labore, die Fabriken und die Vertriebsteams, teilten beide Seiten mit. Die Münchener beliefern praktisch alle großen Elektronikhersteller – von Apple über Google bis Samsung. Damit haben sie einen Kundenzugang, mit dem sich Blumio womöglich schwertäte.

    Zwei Abnehmer hat Blumio bereits gefunden. Der Schweizer Pharmariese Roche arbeitet CEO Liao zufolge an einem entsprechenden Produkt – genauso wie CardieX, eine Medizintechnikfirma aus Australien. Infineon und Blumio beziffern den Markt für tragbare Herz-Kreislauf-Monitoring-Geräte mit 45 Milliarden US-Dollar.

    Infineon nutzt die Radartechnologie auch für andere innovative Anwendungen, zum Beispiel in Geräten, die sich mit Sprachbefehlen steuern lassen. „Kameras will niemand im Raum haben. Unsere Radarchips sind dazu eine echte Alternative. Denn sie sehen nicht die individuelle Person, sondern erkennen nur die Bewegungsveränderung, messen Abstände oder Geschwindigkeiten“, sagt Andreas Urschitz, Chef der Infineon-Sparte Power & Sensor & Systems (PSS).

    Die Nutzer können damit künftig auf Schlüsselwörter wie „Alexa“ verzichten, wenn sie mit den Maschinen reden. Denn die Apparate wissen, wenn sie angesprochen werden. Die Radarchips erfassen auch Gesten. Damit lässt sich heute schon der Wecker am Handy ausschalten, ohne es auch nur anzufassen. Eine Funktion, die Infineon-Chips unter anderem im Smartphone Pixel 4 von Google ermöglichen.

    Zu den wichtigsten Wettbewerbern auf diesem Feld gehören der französisch-italienische Halbleiterhersteller ST Microelectronics sowie die Chipsparte des Autozulieferers Bosch.

    Derzeit werde getestet, wie zuverlässig der Sensor von Blumio sei, unterstreicht Liao. Dazu würden die Daten mit denen von anderen Geräten verglichen. Die Corona-Pandemie habe die Entwicklung nicht verzögert, im Gegenteil. „Wir sind schneller als zuvor“, sagt die Unternehmerin. Schließlich geht praktisch niemand mehr auf Dienstreise – und alle Ansprechpartner bei Infineon sind stets zu erreichen.

    Mehr: Trump gegen China: Der Kampf um die Chipindustrie.

    Startseite
    Mehr zu: Innovation - So will Infineon die Blutdruckmessung mit Radartechnologie ermöglichen
    0 Kommentare zu "Innovation: So will Infineon die Blutdruckmessung mit Radartechnologie ermöglichen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%