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Halbleiterbranche Doris Hsu: Diese Frau gibt vier Milliarden Euro in München aus

Die Chefin von Global Wafers kauft Siltronic und will so zu einem unverzichtbaren Lieferanten der Chipbranche werden. Sie setzt dabei auf ihre Erfahrung.
12.12.2020 - 11:55 Uhr Kommentieren
Die Taiwanerin gehört zu den ganz wenigen Top-Managerinnen der Chipbranche. Beim Siltronic-Deal kommt es jetzt vor allem darauf an, die Behörden zu überzeugen. Quelle: Global Wafers
Doris Hsu

Die Taiwanerin gehört zu den ganz wenigen Top-Managerinnen der Chipbranche. Beim Siltronic-Deal kommt es jetzt vor allem darauf an, die Behörden zu überzeugen.

(Foto: Global Wafers)

München Lange Arbeitstage sind für Doris Hsu nicht ungewöhnlich. Aber der vergangene Donnerstag war selbst für eine gestandene Managerin wie Hsu aufreibend. Um fünf Uhr morgens unterzeichnete die Chefin von Global Wafers den Vertrag über den Kauf des deutschen Rivalen Siltronic. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, da hielt die Taiwanerin in ihrem Hauptquartier in Hsin-chu schon eine Pressekonferenz ab. Es folgte ein Termin nach dem anderen. Es war bereits zehn Uhr abends, da gab die Informatikerin immer noch Interviews.

Die 57-Jährige ist eine der wenigen Frauen, die es in der Halbleiterbranche ins Top-Management geschafft haben. Der Milliardendeal mit dem Münchner MDax-Konzern Siltronic zeigt, warum: Sie ist risikofreudig und besitzt einen unbändigen Willen, voranzukommen.

„Wir werden von vielen Kunden gedrängt, unsere Kapazitäten zu erweitern“, sagte Hsu dem Handelsblatt. Eigene Werke zu bauen, hätte viel zu lange gedauert. Wafer sind Scheiben aus Silizium, auf denen Chips entstehen. Also nimmt sie knapp vier Milliarden Euro in die Hand, um Siltronic zu schlucken – und das in der größten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit. Das entspricht in etwa dem 25-Fachen des Gewinns, den Siltronic dieses Jahr vermutlich erwirtschaften wird.

Natürlich sei das teuer, meint Hsu. Sie verspricht aber, dass sie Synergien hebt, die den hohen Preis rechtfertigen. Schließlich habe sie schon mehrere derartige grenzüberschreitende Deals gemanagt. Auch das künftig breitere Angebot sei ein Pfund.

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    Wobei es diesmal schon ganz speziell sei, das gibt auch Hsu zu. Wegen Corona konnte sie im Vorfeld weder das Management von Siltronic treffen noch einen Blick in die Werke der Deutschen werfen.

    Dabei wäre sie in München ganz sicher mit offenen Armen empfangen worden. Denn beim Großaktionär Wacker sind sie heilfroh, mit Hsu endlich eine Käuferin für Siltronic gefunden zu haben. „Die wissen, dass sie kein besseres Angebot bekommen werden“, urteilte der Finanz-Nachrichtendienst Bloomberg in einen Kommentar. Wacker gehören knapp 31 Prozent der Anteile, der Chemiekonzern kassiert daher mehr als eine Milliarde Euro von Global Wafers. Die Bayern versuchen schon seit Jahren, sich aus dem Geschäft zu verabschieden.

    Größenvorteile: Global Wafers hofft auf Synergien mit dem MDax-Konzern Siltronic. Quelle: Reuters
    Wafer

    Größenvorteile: Global Wafers hofft auf Synergien mit dem MDax-Konzern Siltronic.

    (Foto: Reuters)

    Hsu indes hat sich noch nie gescheut, Verantwortung zu übernehmen. So führt sie auch gleichzeitig und in Personalunion Sino-American Silicon Products, ein Waferhersteller für die Solarindustrie und der Mutterkonzern von Global Wafers.

    Dass sie es überhaupt an die Spitze eines Chipkonzerns geschafft hat, ist außergewöhnlich. Mit AMD-Chefin Lisa Su führt nur eine einzige weitere Frau einen der großen, bekannten Namen der Halbleiterindustrie. Wie Hsu ist auch Su gebürtige Taiwanerin, allerdings lebt sie in den USA. Und auch Su hat mit AMD gerade erst eine Milliardenübernahme angekündigt: Für 35 Milliarden Dollar will sie den Wettbewerber Xilinx kaufen und so Weltmarktführer Intel Konkurrenz machen.

    In vielen Vorständen der Industrie sitzt nach wie vor keine einzige Dame, so auch bei Deutschlands größtem Chiphersteller Infineon. Und auch in den Vorständen von Siltronic sowie von Großaktionär Wacker sind die Männer unter sich. Immerhin, bei Wacker wird nun eine Frau das Personalressort im Vorstand übernehmen.

    Wenn alles so klappt, wie Hsu sich das vorstellt, wird der fusionierte Konzern 20 Fabriken in zehn Ländern umfassen. Sie würde dann 10.500 Mitarbeitern vorstehen und könnte einen Umsatz von rund 3,3 Milliarden Dollar verbuchen.

    Die Investoren hoffen auf einen Aufschlag

    Noch aber kann sich Hsu nicht sicher sein. Damit die Übernahme tatsächlich zustande kommt, muss sie mit ihrem Übernahmeangebot Zugriff auf 65 Prozent an dem bayerischen Rivalen bekommen. Zuletzt lag der Kurs ganz deutlich über den 125 Euro, die Hsu pro Aktie zahlen will. Das heißt: Die Investoren spekulieren auf einen kräftigen Aufschlag. Ein Hedgefonds hat sich bereits beklagt, dass der von Global Wafers gebotene Preis zu niedrig sei.

    Zudem gilt es, die Behörden zu überzeugen. Es ist keineswegs selbstverständlich, dass die Bundesregierung zustimmt. Denn weiteres Technologie-Know-how fällt in ausländische Hände. „Wir haben das natürlich vorab untersuchen lassen. Die Antworten unserer Berater machen uns zuversichtlich, dass wir die Transaktion im zweiten Halbjahr 2021 abschließen können“, sagt Hsu.

    Wenn die Pandemie abklingt, werde sie auf jeden Fall zu den neuen Kollegen nach Bayern reisen, verspricht Hsu: „Wenn es wieder möglich ist, dann fliege ich nach München. Denn es ist wichtig, dass wir uns kennenlernen.“
    Mehr: Luxusprobleme in der Chipindustrie: NXP kommt mit den Lieferungen nicht hinterher

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