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Hung DangFrisches Geld für Software-Start-up Y42: „Ein Daten-Tool in Europa bauen, das die Welt so noch nicht gesehen hat“

Seine erste Gründung hat Hung Dang an CTS Eventim verkauft. Mit Y42 hat der Sohn vietnamesischer Einwanderer große Pläne. Zwei prominente Geldgeber scheinen überzeugt.Christoph Kapalschinski 25.10.2021 - 16:51 Uhr Artikel anhören

„Wir könnten in Europa ein Daten-Tool bauen, das die Welt so noch nicht gesehen hat“, sagt Dang.

Foto: Y42

Hamburg. Jay Gatsby steht für Ausschweifungen, Luxus und die Flucht aus der ländlichen Armut. Dennoch brachte ausgerechnet die von F. Scott Fitzgerald erdachte Romanfigur den Berliner Start-up-Gründer Hung Dang zum trockenen Thema Datenanalyse. Denn im Studium fand Dang als Mitgründer zur Event-Reihe „Party like Gatsby“, die in mehreren Metropolen weltweit das Flair der 1920er-Jahre verbreitet.

Dangs Aufgabe bei dem Event-Start-up war, über die Analyse von Daten zur Besucherzufriedenheit und Kartenverkäufen die Party zu verbessern, die Werbung effektiver zu machen und so den Profit zu steigern. Die Marge sei dadurch von sieben auf zehn Prozent gestiegen, berichtet Dang heute, rund sechs Jahre später.

Und inzwischen hat Dang weitaus mehr aus dem Thema Datenanalyse gemacht: Mit seiner aktuellen Gründung Y42 hat er die Aufmerksamkeit zweier weltweit renommierter Wagniskapitalgeber erregt. Atomico, die Londoner Investment-Firma von Skype-Gründer Niklas Zennström, und der New Yorker Investor Insight Partners führen die erste Wachstumsrunde des Start-ups an. Mit rund 26,6 Millionen Euro ist es einer der größten Series-A-Runden für ein Software-Start-up in Deutschland.

Dangs Anspruch ist groß: „Wir könnten in Europa ein Daten-Tool bauen, das die Welt so noch nicht gesehen hat“, sagt der 30-Jährige.

Y42 verspricht seinen ersten Unternehmenskunden, Daten aus verschiedenen Quellen zusammenzuführen – ohne dass dafür größere Programmierkenntnisse erforderlich sind. So können etwa Onlinehändler Daten aus Plattformen wie Amazon, Shopify und eigenen Läden zusammenführen, um Kundenbedürfnisse gesammelt analysieren zu können. Dafür verbindet sich Y42 mit den Schnittstellen der Anbieter oder zieht Daten aus vorhandenen Datenbanken und Dateien. „Y42 behebt den Engpass an Dateningenieuren und demokratisiert den Zugang zu Datentools. Damit schaffen sie eine gänzlich neue Kategorie“, erklärt Irina Haivas, Partnerin bei Atomico.

Investoren setzen auf „low code“

Solche „no code“ oder „low code“ genannten Lösungen sind derzeit bei Anwendern und Investoren populär. Sie sind eine Antwort auf den Mangel an Programmierern, der viele Unternehmen bei der effizienten Auswertung etwa von großen Datenmengen bremst. Sie sollen es auch Mitarbeitern ohne Informatikkenntnisse ermöglichen, etwa mit Daten zu arbeiten oder kleine Programme zu bauen.

So hat etwa vergangene Woche das Münchener Start-up Bleenco eine No-Code-Plattform für Künstliche Intelligenz angekündigt. Der Investor Frank Thelen hat Anfang des Monats als Seed-Investor Geld in das schwäbische Start-up Build.One gesteckt, das per Low-Code umfangreiche Business-Applikationen ermöglichen will. Kurz zuvor führte der Berliner Frühphaseninvestor Project A eine gut fünf Millionen Euro schweren Runde für die Hamburger Gründung Heyflow an, bei der etwa Marketingleute bei Versicherern ohne Programmierkenntnisse Kundendialoge für ihre Websites erstellen können.

Bereits im Frühjahr übernahm das Münchener Software-Unternehmen Celonis die tschechische Low-Code-Lösung Integromat, die die Analyse von unternehmensinternen Daten ermöglicht.

Y42-Gründer Dang hilft beim Aufbau seines Unternehmens, das inzwischen 65 Menschen beschäftigt, ein starkes Netzwerk. Er hat am Münchener Center for Digital Technology and Management (CDTM) studiert – in einem Jahrgang mit späteren Gründern von Trade Republic und Personio.

„Ich war der Jüngste in einer Klasse von 25 Leuten, aus der mehrere Unicorns hervorgegangen sind“, erzählt Dang. Unicorns ist der Szenejargon für Start-ups, die von Geldgebern mit über einer Milliarde Dollar bewertet worden sind.

Solche Kontakte halfen Dang bei der Suche nach ersten Geldgebern: So hat der Personio-Mitgründer Ignaz Forstmeier nicht nur investiert, sondern war operativ beim Aufbau dabei. „Ein Business-Angel, der neun Monate Vollzeit mithilft, ist nicht der Normalfall“, lobt Dang seinen Geschäftspartner.

Zu den frühen Investoren gehören auch Foodspring-Mitgründer Tobias Schüle, der Fonds La Famiglia von Jeannette zu Fürstenberg und der Habsburg-Spross Severin Meister.

Aus Vietnam an die Business-School

Für Dang war das Institut der beiden Münchener Universitäten nicht nur Kontakthof, sondern der entscheidende Schritt ins Gründer-Leben. Hier fand er zu dem Start-up hinter der Gatsby-Party. „Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass sie mich dabei unterstützt haben“, sagt Dang. Selbstverständlich sei das nicht: „Ich bin nicht sehr wohlhabend in Vietnam aufgewachsen und erst mit neun Jahren nach Deutschland gekommen“, sagt er. Seine Eltern waren zuvor als Studenten in die Bundesrepublik gegangen.

„In der ersten Generation von Immigranten geht es oft sehr um Sicherheit. Da liegt es meist näher, ein Medizin-Studium zu unterstützen als den Schritt ins Unternehmertum“, sagt Dang. Entsprechend sei es ihm zunächst wichtig gewesen, seine Familie in Deutschland und Vietnam finanziell absichern zu können: „Das ist mit meinem ersten Start-up gelungen.“

Diese Gründung, Mitra, verkaufte Dang 2018 an den Veranstaltungskonzern CTS Eventim. Auch damals ging es um Datenanalyse – speziell abgestimmt auf Events. Dang nennt ein plastisches Beispiel: Aus Kundenzufriedenheitsumfragen und Wiederkaufsraten sei etwa klar geworden, dass sich zwar viele Besucher über schlechte Toiletten bei Festivals ärgern, das aber kaum zur Gesamtzufriedenheit beitrage. Wirtschaftlich gesehen ergebe es also wenig Sinn, Geld für zusätzliche Dixie-Toiletten auszugeben.

Mit dem ersten erfolgreichen Exit mit Mitra im Rücken gehe es ihm nun stärker um Selbstverwirklichung und den Aufbau eines großen Unternehmens, sagt Dang. Nach dem ersten Jahr der Produktentwicklung will er nun stärker in den Vertrieb einsteigen. Noch ist dabei meist persönliche Überzeugungsarbeit und Einarbeitung nötig.

Einer der Kunden ist der Öko-Waschmittelhersteller Everdrop. „Y42 ist sehr erleichternd im Arbeitsalltag“, sagt Everdrop-Datenspezialistin Charlotte Veitner auf Anfrage. „Per Drag-Drop Interface können innerhalb von kürzester Zeit neue Datenquellen integriert und moderiert werden.“ So helfe die Lösung dabei, den Erfolg von Marketing-Maßnahmen bei den Verkaufszahlen zu analysieren. Allerdings zeige sich das frühe Produktstadium noch in vielen größeren Änderungen.

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Dass das 2020 gegründete Y42 noch in der Anfangsphase steckt, zeigt sich auch in Kundenbewertungen. So erhält Y42 auf den Bewertungsprotal „OMR Reviews“ für B2B-Software zwar im Schnitt sehr gute Kritiken von den Nutzern. Allerdings bemängeln einige, anfangs sei es schwierig, die Software zu verstehen. Zudem fehlten noch einige Visualisierungsmöglichkeiten.

Dang will mit dem frischen Geld schnell vorankommen: In einem halben Jahr soll Y42 so weit sein, dass Kunden die Software in einem Freemium-Modell auf eigene Faust testen können. Bis dahin will Dang Vertriebsteams nicht nur in Europa, sondern auch den USA aufbauen. In einem Jahr könnten so 120 bis über 200 Leute für Y42 arbeiten, hofft der Berliner Gründer.

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