1. Startseite
  2. Technologie
  3. IT + Telekommunikation
  4. Kinexon: BMW & Deutsche Telekom steigen bei Start-up ein

Industrie 4.0BMW und Deutsche Telekom steigen beim Automatisierungs-Spezialisten Kinexon ein

Das Start-up hat seine bisher größte Finanzierungsrunde abgeschlossen. Nun will Kinexon die Entwicklung seiner Automatisierungstechnologie beschleunigen.Axel Höpner 25.04.2022 - 19:15 Uhr Artikel anhören

Gemeinsam mit den Partnern Telekom und BMW will das Start-up hier neue Standrads setzen.

Foto: Kinexon

München. Das Münchener Start-up Kinexon hat die Deutsche Telekom und BMW als strategische Investoren gewonnen und will das Geschäft mit der Automatisierung der Industrie massiv ausbauen. „Es gibt ein gigantisches Marktpotenzial, das wir gemeinsam erschließen wollen“, sagte Kinexon-Mitgründer Oliver Trinchera dem Handelsblatt.

In seiner bislang größten Finanzierungsrunde hat Kinexon jetzt weitere 130 Millionen Dollar eingesammelt. Angeführt wird die Runde von der Private-Equity-Firma Thomas H. Lee Partners (THL). Neu als Investoren an Bord sind außerdem die Venture-Capital-Gesellschaften von BMW und Telekom.

Kinexon liefert Cloud-Software in Kombination mit Sensorik und vernetzten Geräten, die Prozesse in Produktion, Logistik und Sport erfassen, optimieren und automatisieren. Größere Bekanntschaft erlangte das Unternehmen jüngst durch eine Partnerschaft mit dem Fußball-Weltverband Fifa rund um Analysesoftware und smarte Sensoren.

Die Chips von Kinexon können zum Beispiel in Trikots integriert werden. Die Technologie liefert dann Trainern und TV-Sendern Informationen in Echtzeit mithilfe von Analyse-Software. So könnten diese dann Informationen etwa über die Laufwege der Spieler erhalten.

In der portugiesischen Fußballliga kommt ab Mai auch ein neuer Spielball mit eingebautem Chip von Kinexon zum Einsatz. Der Sensor überträgt Daten über die Schussgeschwindigkeit, Passwege und die Flughöhe. Zu den Kunden des Start-ups gehören auch Fußballklubs wie Bayer Leverkusen und RB Leipzig und zahlreiche Vereine der US-Profiligen NFL und NBA.

Doch noch größer ist das Industriesegment von Kinexon. Zum einen lässt sich auch hier die Sensorik einsetzen. So kann in einer Produktion bestimmt werden, wo sich zum Beispiel ein Gabelstapler befindet, und es können Roboter und fahrerlose Transportfahrzeuge gesteuert werden.

Vor allem aber hat das Unternehmen ein Cloud-basiertes „Internet der Dinge“-Betriebssystem entwickelt. Daran können alle Maschinen und Dinge, die sich bewegen, angeschlossen werden.

Die Fertigung kann in einem sogenannten digitalen Zwilling dargestellt und optimiert werden. Microservices und leicht programmierbare Apps ermöglichen es, die Prozesse sichtbar zu machen, zu optimieren und zu automatisieren.

Die Fertigung kann in einem sogenannten digitalen Zwilling dargestellt und optimiert werden

Foto: Kinexon

Damit tritt Kinexon in Teilbereichen gegen Industrie-Automatisierer wie Siemens mit seiner Plattform Mindsphere, Bosch IoT oder PTC Thingworx an. „Das smarteste Ökosystem wird gewinnen“, sagt Kinexion-Mitgründer Oliver Trinchera.

BMW und Telekom kooperieren bereits mit Kinexon

BMW ist – wie zum Beispiel auch Continental – schon lange Kunde und Entwicklungspartner der Firma. Der Autobauer hat das System als Standard in allen seinen Fabriken etabliert. „Mit der Beteiligung an Kinexon intensivieren wir nun unsere langjährige und gut etablierte Partnerschaft“, sagte BMW-Produktionsvorstand Milan Nedeljković. Kinexon bilde „das Rückgrat für die vollständige Digitalisierung der Produktion“. Gemeinsam wolle man „neue Maßstäbe in der digitalen Produktionssteuerung setzen“.

Auch mit der Telekom hatte Kinexon bereits Kooperationen. In Corona-Zeiten entwickelte man gemeinsam ein Anti-Covid-Armband, das beim Sport oder am Arbeitsplatz den Abstand kontrollierte. Auch bei der Automatisierung gibt es zahlreiche Möglichkeiten der Zusammenarbeit in den Werkshallen.

„Die strategische Investition der Deutschen Telekom in Kinexon stärkt die IoT-Partnerschaft zwischen unseren beiden Unternehmen“, sagte Dennis Nikles, der das Geschäft der Telekom mit „Internet der Dinge“-Anwendungen (IoT) leitet. Gerade die 5G-Kompetenzen des Dax-Konzerns eröffneten neue Entwicklungsmöglichkeiten.

Kinexon, das 2012 von Trinchera und Alexander Hüttenbrink gegründet wurde, galt schon bislang als eines der hoffnungsvollsten deutschen Start-ups. Bei einer Finanzierungsrunde 2018 wurde das Unternehmen bereits mit einem dreistelligen Millionenbetrag bewertet – die Umsätze lagen damals gerade einmal im einstelligen Millionenbereich.

Inzwischen dürfte Kinexon laut Branchenschätzung auf dreistellige Millionenumsätze zusteuern. „Wir wachsen sowohl im Sport- als auch im Industriebereich sehr stark“, sagt Trinchera dazu lediglich.

Ihre Firma Kinexion galt schon bislang als eines der hoffnungsvollsten deutschen Start-ups.

Foto: Kinexon

In der neuen Finanzierungsrunde steigt der Investor THL über seinen Automation-Fund bei Kinexon ein. Nach eigenen Angaben ist es der erste Private-Equity-Fonds, der sich auf automatisierungsbezogene Unternehmen spezialisiert hat. Michael Kaczmarek und Jim Carlisle werden für THL in den Kinexon-Verwaltungsrat einziehen. Dort sitzen bereits unter anderem Ex-BMW-Vorstand Carl-Peter Forster und Michael Süß, Präsident des Oerlikon-Verwaltungsrats.

Michael K. Kaczmarek, Managing Director bei THL, sagte: „Unsere Investition wird dazu beitragen, dass das Unternehmen in der Lage ist, das Geschäft weltweit zu skalieren und die Nachfrage nach intelligenten Automatisierungslösungen sowohl bei Industrieunternehmen als auch im Sport zu decken.“ Kinexon sei ein „innovatives Unternehmen mit enormem globalem Marktpotenzial“.

Experten sagen hohe Wachstumsraten voraus

Mit dem Erlös aus der Finanzierungsrunde will Kinexon die Entwicklung seiner Automatisierungstechnologie beschleunigen und die Expansion in Nordamerika und Europa vorantreiben. „Wir haben die Chance, aus Deutschland heraus einen führenden globalen Player in der Industrie-Automatisierung zu formen“, sagte Trinchera.

Experten sagen im Markt für Industrie-Automatisierung für die kommenden Jahre hohe Wachstumsraten voraus. So dürfte etwa der Bereich mit entsprechender Software laut den Analysten von Mordor Intelligence bis 2026 um im Schnitt jährlich mehr als acht Prozent zulegen. Laut einer Befragung des IT-Verbands Bitkom nutzen bereits 43 Prozent der deutschen Unternehmen eine IoT-Plattform in der Produktion. 32 Prozent planen dies – der Anteil ist in der Pandemie gestiegen.

Dies liegt auch daran, dass Firmen angesichts der unterbrochenen Lieferketten in Coronazeiten und der globalen Verwerfungen verstärkt darüber nachdenken, Produktion wieder näher an die Heimat zu holen. „Das geht wegen der hohen Personalkosten und des Fachkräftemangels“, sagt Trinchera, „nur mit einer stärkeren Automatisierung.“

Verwandte Themen
BMW
Deutsche Telekom
Fifa
Industrie 4.0
Europa

Diese sei zudem ein wesentlicher Hebel für mehr Nachhaltigkeit. „Schon heute ersetzen unsere Kunden Tonnen von Papier mit E-Paper-Displays und Apps für automatisierten Materialfluss. Drucker und Papier gehören damit der Vergangenheit an“, sagt Trinchera.

Kinexon will nun gemeinsam mit BMW Standards für die Fertigung setzen. Dabei will es eigenständig bleiben. „Unsere Mission ist noch nicht erfüllt“, sagt Kinexon-Mitgründer Alexander Hüttenbrink.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt