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Interview mit Lisa JacksonApple-Nachhaltigkeitschefin: „Wir unterstützen Lieferanten auch in Gesprächen mit ihren Regierungen“

Der iPhone-Konzern verpflichtet seine Lieferanten, bis 2030 klimaneutral zu werden. Dabei kann sich der Konzern vorstellen, auch mit Investments zu unterstützen.Kevin Knitterscheidt 27.10.2021 - 15:33 Uhr Artikel anhören

Die Apple-Nachhaltigkeitschefin sagt: „Bei 90 Prozent der Lieferanten, mit denen wir zusammenarbeiten, geht es um den direkten Einkauf von sauberer Energie.“

Foto: Bloomberg via Getty Images

San Francisco. Der Technologiekonzern Apple meldet einen Zwischenstand auf dem Weg zur Dekarbonisierung seiner Lieferkette: Insgesamt hat das Projekt, bei dem der Technologiekonzern aus Cupertino seine Lieferanten bis 2030 zu klimaneutralen Produktionsverfahren verpflichten will, die Zahl der Partner auf 175 verdoppelt. Das teilte das Unternehmen am Mittwoch mit.

Die neu gewonnenen Lieferanten hätten sich verpflichtet, dafür zu sorgen, dass insgesamt neun Gigawatt an neuen Produktionskapazitäten für erneuerbare Energien entstehen, so der Konzern. Im Gespräch mit dem Handelsblatt sagte Lisa Jackson, Apples Vizepräsidentin für Umwelt, Politik und soziale Initiativen, es blieben zwar immer noch Hunderte übrig. „Aber wir haben eine Mischung aus großen und kleineren Unternehmen für das Programm gewinnen können.“ So seien etwa alle Firmen abgedeckt, die für den iPhone-Hersteller die Endmontage der aktuellen Produktreihen übernehmen. Klimaneutralität wird für Apple zum Ausschlusskriterium. „Dabei geht es auch um Wettbewerb“, so Jackson.

Durch die zusätzlichen Partner sollen weltweit insgesamt 18 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden, teilte Apple mit. Das entspricht etwa den Emissionen von vier Millionen Pkw pro Jahr. Dabei arbeitet Apple in seiner eigenen Produktion schon länger emissionsfrei.

Lesen Sie hier das gesamte Interview:

Frau Jackson, Apple hat am Mittwoch bekannt gegeben, dass sich mittlerweile 175 Lieferanten dazu verpflichtet haben, ihren Energieverbrauch bis 2030 aus sauberen Energiequellen zu decken. Wie viele fehlen Ihnen noch?
Wir haben wahrscheinlich noch Hunderte, die übrig bleiben. Aber wir haben eine Mischung aus großen und kleineren Unternehmen für das Programm gewinnen können. Alle Firmen, die beispielsweise unsere Endmontage übernehmen, sind darunter. Dabei geht es um alle Produkte, die wir zuletzt angekündigt haben. Wir haben Hunderte große Lieferanten und viele, viele kleine. Die wollen wir alle erreichen.

Vita Lisa Jackson
Die 59-Jährige US-Amerikanerin ist Chemieingenieurin und Parteimitglied der US-Demokraten. Zwischen 2009 und 2013 leitete sie die amerikanische Umweltschutzbehörde Environmental Protection Agency (EPA), was sie zur Quasi-Umweltministerin der USA machte. Seitdem arbeitet sie für Apple als Vizepräsidentin für Umwelt, Politik und soziale Initiativen. Dort ist sie dafür zuständig, den CO2-Ausstoß des Konzerns zu reduzieren.
Der Tech-Gigant aus dem Silicon Valley war zeitweise für einen CO2-Ausstoß verantwortlich, der den von Staaten wie Irland oder Neuseeland übersteigt. Das soll sich ändern: Seit April 2020 ist Apples operatives Geschäft klimaneutral, und bis 2030 soll auch die Lieferkette netto kein CO2 mehr verursachen.

Wie wollen Sie das machen? Müssen sich einige Ihrer Lieferanten in Zukunft nach einem anderen Kunden umsehen?
Wir sind da sehr transparent. Bis 2030 wollen wir unsere Lieferkette komplett auf saubere Energie umgestellt haben. Da wollen wir hin. Dabei geht es auch um Wettbewerb – wir fällen tagtäglich Entscheidungen über unsere Supply Chain. Jetzt im Moment arbeiten wir mit unseren Lieferanten zusammen.

In der Vergangenheit haben sich viele Unternehmen einfach nicht damit beschäftigt, wie man saubere Energie im Einkauf behandelt. Sie haben sich um ihr Geschäft gekümmert. Deshalb freuen wir uns, sie auf ihrem Weg zu unterstützen, beispielsweise auch in Gesprächen mit ihren Regierungen.

Welche Rolle werden dabei Kompensationsmaßnahmen wie das Abfangen und Speichern von CO2 unter der Erde oder Aufforstung spielen, um beispielsweise die Schäden von Kohlestrom auszugleichen?
Das ist kein Eckpfeiler unserer Strategie. Es geht wirklich um den Zugang zu Energie. Bei 90 Prozent der Lieferanten, mit denen wir zusammenarbeiten, geht es um den direkten Einkauf von sauberer Energie. Die gehen zu ihrem Versorger und sagen: „Ich möchte saubere Energie kaufen.“ Manche von ihnen haben auch eigene Anlagen auf ihrem Werksgelände installiert.

Später gibt es noch genügend Raum, um über Kompensationsmaßnahmen zu sprechen, etwa für Emissionen, die nicht durch die Nutzung von grüner Energie vermieden werden können. Zum Beispiel in der Logistik und in der Schifffahrt, wo es derzeit noch keine Alternative gibt. Aber das gilt nicht für Fälle wie das Stromnetz, in denen wir wissen, wie wir dekarbonisieren können.

Es gibt bereits Unternehmen in Deutschland, die mangels erneuerbarer Energien selbst in Windparks investieren, um die eigene Versorgung sicherzustellen. Bis zu welchem Grad will Apple seinen Lieferanten hier helfen?
Als Erstes können wir aufklären und mit Informationen unterstützen. Wir haben es gemacht: Wir haben unsere eigenen Clean-Energy-Projekte durchgeführt und andere finanziert. Wir wissen, wie man saubere Energie ans Netz bekommt. Wir können mit unseren Lieferanten zusammen auch an Politikreformen arbeiten. Die meisten von ihnen freuen sich darüber, bei den eigenen Regierungen dafür zu werben, Anreize zum Beispiel für den Einkauf grüner Energie zu schaffen.

Saubere Energie sollte dabei gegenüber konventionellen Formen zumindest wettbewerbsfähig oder sogar günstiger sein, weil die Betriebskosten sehr niedrig sind. Es gibt daneben aber auch Fälle, wie beispielsweise unseren Clean-Energie-Fonds in China, in denen wir gemeinsam mit unseren Lieferanten in Projekte für die Erzeugung sauberer Energie investieren.

Welcher Teil davon spielt die größte Rolle?
Vielleicht ist es überraschend, aber der Teil mit der Aufklärung und den Informationen spielt für die meisten unserer Lieferanten die wichtigste Rolle. Ihnen fehlt die Expertise. Sie wollen sicherstellen, dass jedes Investment, das in saubere Energien geht, wirklich dazu führt, dass neue Energie ins Netz eingespeist wird. Das ist sehr wichtig für die meisten – und für uns natürlich auch.

Es gibt dabei viele Faktoren, die die Unternehmen selbst nicht direkt beeinflussen können.
Es geht auch um Politikbarrieren. Das Stromnetz ist nicht sauber, und die Unternehmen haben keine Möglichkeit, neue Kapazitäten hinzuzufügen. In diesem Fall schätzen es einige Lieferanten, wenn wir sie bei der Ansprache ihrer Regierungen unterstützen.

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Dabei können wir etwa deutlich machen, dass der Zugang zu sauberer Energie für die dortigen Unternehmen eines der Kriterien ist, das uns vielleicht in dem jeweiligen Land stärker investieren lässt. Damit sind wir in einigen Ländern sehr erfolgreich.

Vielen Dank für das Interview.

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