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IT-Branche Das Coronavirus bremst die Chipindustrie

Nach dem schwachen Vorjahr rechnen viele Konzerne für 2020 mit einem deutlich besseren Geschäft. Die Folgen der Epidemie könnten das aber verhindern.
19.02.2020 - 15:12 Uhr Kommentieren
Deutschlands größter Chiphersteller geht von fünf Prozent Umsatzplus für das laufende Geschäftsjahr aus. Quelle: Imago
Infineon

Deutschlands größter Chiphersteller geht von fünf Prozent Umsatzplus für das laufende Geschäftsjahr aus.

(Foto: Imago)

München Die Chipindustrie ist reihenweise mit positiven Prognosen äußerst zuversichtlich in das Jahr gestartet. „Wir glauben, dass wir dieses Jahr in unserem Halbleitergeschäft ein starkes, zweistelliges Wachstum erzielen können“, sagte Gary Dickerson, Chef von Applied Materials, vergangene Woche.

Der US-Konzern ist der weltgrößte Lieferant von Maschinen für die Industrie und damit ein Gradmesser für den Zustand der gesamten Branche. Denn nur wenn die Hersteller genügend Aufträge in Aussicht haben, bestellen sie neues Equipment.

So wie Applied Materials rechneten viele Chipfirmen bislang mit einem ausgesprochen guten Jahr. Der amerikanische Prozessorhersteller AMD etwa versprach jüngst ein Umsatzplus zwischen 28 und 30 Prozent. Lange Zeit tat sich der Konkurrent von Weltmarktführer Intel schwer. Nun aber profitiert die Firma aus dem Silicon Valley von einer starken Nachfrage nach Chips für Netzwerkrechner, die sogenannten Server.

Ob sich die Vorhersagen allerdings noch lange halten lassen, ist fraglich. Denn die Folgen des Coronavirus dürfte die Industrie bald zu spüren bekommen. Bei iPhones gebe es Lieferengpässe, warnte Apple zu Wochenbeginn, weil die Produktion in China langsamer hochgefahren werde als geplant. Das ist gravierend, denn der Konzern aus dem Silicon Valley ist der weltgrößte Käufer von Halbleitern.

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    Den Marktforschern von Gartner zufolge steht Apple für knapp neun Prozent vom gesamten Branchenumsatz, das entspricht rund 36 Milliarden Dollar Einkaufsvolumen. Wenn Apple weniger Chips abnimmt, dann spüren das zahllose Hersteller: vom Dax-Konzern Infineon bis zum weltgrößten Auftragsfertiger TSMC.

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    Besonders betroffen ist der im TecDax notierte britisch-schwäbische Lieferant Dialog Semiconductor, der einen wesentlichen Teil seines Umsatzes mit den Kaliforniern erzielt. China ist von überragender Bedeutung für die Halbleiterhersteller, allerdings weniger als Produktionsstandort. Dagegen umso mehr im Vertrieb: In den Elektronikfabriken des Landes werden massenhaft Chips verbaut.

    Rund ein Drittel vom Umsatz erzielt die Industrie in der Volksrepublik. Sollten die Werke der Kunden für längere Zeit schließen oder auf Sparflamme produzieren, müssten die Halbleiterhersteller deutliche Einbußen hinnehmen. Chinesische Chiphersteller selbst spielen weltweit kaum eine Rolle, ausländische Anbieter hingegen unterhalten einige Werke in dem Land.

    Silizium-Mikrofone besonders gefragt

    Ihre modernsten Fabriken betreiben die global führenden Produzenten jedoch außerhalb der Volksrepublik. Zu groß ist die Angst, dass wertvolles Know-how abfließt. So auch bei Infineon: Die kritischen Standorte sind in Deutschland, Österreich und Malaysia. Derzeit erweist sich das als Glücksfall. Wenn aber die chinesischen Kunden nichts kaufen, hilft das wenig.

    Infineon bestätigte jüngst seine Prognose für das bis Ende September dauernde Geschäftsjahr. Deutschlands größter Chiphersteller geht von fünf Prozent Umsatzplus aus. „Unser gut diversifiziertes Geschäft präsentiert sich zu Jahresbeginn robust“, erklärte Infineon-Chef Reinhard Ploss. Gefragt seien insbesondere Silizium-Mikrofone, die in drahtlose Kopfhörer eingebaut werden. Hier beliefert Infineon unter anderem Apple.

    Darüber hinaus spürten auch die Münchener, dass Server gefragt seien. Der Dax-Konzern stellt hierfür Chips zur Stromversorgung her. Er gehe davon aus, dass die Umsätze von April an stärker anziehen würden, erläuterte Ingenieur Ploss.

    Allerdings wies der Infineon-Chef zuletzt auch auf das größte Risiko für die gesamte Chipbranche hin: China. Denn den Aufschwung gefährden könnte vor allem das Coronavirus. Seine Prognose gelte nur unter der Bedingung, dass die Krankheit sich nicht wesentlich aufs Geschäft auswirke, so Ploss.

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    So wie Infineon gaben sich zuletzt die allermeisten Chiphersteller zuversichtlich. Branchenprimus Intel erwartet für 2020 zwar lediglich zwei Prozent höhere Erlöse. Angesichts der enormen Größe des Konzerns entspricht das aber immerhin 1,5 Milliarden Dollar (1,4 Milliarden Euro). Mehr noch: Mit der Prognose für die ersten drei Monate lag Konzernchef Bob Swan zuletzt ganz deutlich über den Erwartungen der Analysten.

    Sollte sich dieser Aufschwung fortsetzen, wäre es eine Trendwende. Denn vergangenes Jahr ist der Umsatz der Industrie Gartner zufolge um knapp zwölf Prozent geschrumpft. Das lag vor allem daran, dass die Preise für Speicherchips um fast ein Drittel einbrachen. Nun seien die Lager leer, und die Kunden bestellten wieder, urteilten die Experten die Experten im Januar. Daher sei 2020 mit einem Plus zu rechnen.

    Gute Aussichten begeistern die Wall Street

    Reihenweise haben die Chipfirmen in jüngster Zeit die Annahmen der Analysten mit ihren Prognosen übertroffen. So kündigte Nvidia an, der Umsatz im ersten Quartal des Geschäftsjahrs, das am 27. Januar begann, werde rund drei Milliarden Dollar erreichen. Das sind etwa 160 Millionen Dollar mehr, als die Banker vorhergesagt hatten. Dabei hatte der Konzern schon einen Ausfall von 100 Millionen Dollar infolge des Virus berücksichtigt.

    Auch Nvidia profitiert eigenen Angaben zufolge davon, dass die Betreiber von Rechenzentren investieren und neue Server ordern. Die guten Aussichten begeisterten die Wall Street: In New York schoss der Aktienkurs am vergangenen Freitag um sieben Prozent in die Höhe. Dabei hatte Nvidia binnen Jahresfrist auf dem Parkett schon gut drei Viertel an Wert gewonnen.

    Es gibt neben China noch ein weiteres Problem in der Chipbranche. So hat Qualcomm die Investoren Anfang des Monats mit seiner Prognose enttäuscht. Niemand liefert so viele Chips für Mobiltelefone weltweit wie die Firma aus San Diego. Qualcomms Finanzchef Akash Palkhivala allerdings warnte, dass die Konsumenten bislang nur wenige Smartphones für den neuen Standard 5G kaufen würden.

    Dies werde sich wohl kaum ändern, bis die neuen Modelle im Herbst in die Läden kämen. Daher werde auch das Geschäft von Qualcomm erst zum Jahresende anziehen. Die neue Mobilfunkgeneration ist für die gesamte Halbleiterbranche enorm wichtig, denn die Smartphone-Hersteller gehören zu den wichtigsten Kunden.

    Vergangenes Jahr haben die Marken gut zwei Prozent weniger Geräte ausgeliefert als 2018, so die Marktforscher von IHS. 5G könnte dafür sorgen, dass sich die Konsumenten wieder mehr und vor allem teurere Geräte zulegen.

    Allerdings könnte sich auch in diesem Geschäft das Coronavirus bemerkbar machen, warnt IHS. So dürften die Chinesen weniger Apparate kaufen, zudem könnte es zu Lieferengpässen der Fabriken in dem Land kommen. Kein Wunder, dass die Investoren inzwischen skeptisch geworden sind. Nach einem kräftigen Kursanstieg zu Jahresbeginn bröckelten die Kurse vieler Halbleiterhersteller im Verlauf dieser Woche ab.

    Mehr: Der Umsatz der Branche ist 2019 stark zurückgegangen. Allein der Speichermarkt ist fast um ein Drittel eingebrochen.

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