Netzausrüster: Umsatz-Flaute zwingt Nokia zum Sparen – bis zu 14.000 Jobs sollen wegfallen
Der finnische Konzern reagiert mit einem gewaltigen Stellenabbau auf seine Umsatz-Flaute.
Foto: ReutersStockholm, Espoo. Der Mobilfunkausrüster Nokia muss wegen schwacher Umsätze sparen und will deswegen bis zu 14.000 Arbeitsplätze streichen. Der Nettoumsatz auf vergleichbarer Basis fiel im dritten Quartal auf 4,98 Milliarden Euro von 6,24 Milliarden Euro im Vorjahr, wie der finnische Konzern am Donnerstag mitteilte. Von LSEG befragte Analysten hatten mit 5,67 Milliarden Euro gerechnet.
Vor allem der Verkauf von Ausrüstung für den Mobilfunkstandard 5G sei in Märkten wie Nordamerika schleppend gelaufen. Auf dem wichtigsten Markt des Unternehmens zeigte sich die Abwärtsspirale besonders deutlich. In Nordamerika sei der Nettoumsatz um 40 Prozent eingebrochen, räumte Nokia-Chef Lundmark ein.
„Während unsere Umsätze im dritten Quartal belastet waren von der anhaltenden Unsicherheit, rechnen wir für das vierte Quartal mit einer normaleren saisonalen Verbesserung für unser Netzwerkgeschäft“, sagte der Manager.
Wegen ausgebliebener Geschäfte rechnet Nokia nur noch mit dem Minimum seiner Umsatzjahresziels. „Wir peilen das untere Ende unserer Umsatzspanne für 2023 an“, sagte Lundmark. Bislang will Nokia 23,2 bis 24,6 Milliarden Euro erlösen. Die bereinigte operative Marge – ein wichtiger Indikator für die Profitabilität – dürfte durch die derzeitigen Sparmaßnahmen in der Mitte der angepeilten Spanne von 11,5 bis 13,0 Prozent liegen.
Nokia will bis zu 1,2 Milliarden Euro einsparen
Bereits zum ersten Halbjahr hatte Nokia seine Jahresziele gesenkt. Erst zum Wochenbeginn hatte der schwedische Konkurrent Ericsson einen Milliardenverlust im dritten Quartal gemeldet und vor einer weiterhin gedämpften Investitionsbereitschaft von Kunden gewarnt.
Bis 2026 will die Firma nun zwischen 800 Millionen und 1,2 Milliarden Euro sparen, um das Langfristziel einer operativen Marge von 14 Prozent zu schaffen, wie das Unternehmen am Donnerstag in Espoo bei Helsinki mitteilte.. „Nokia geht davon aus, dass das Programm schnell umgesetzt wird mit Einsparungen von mindestens 400 Millionen Euro 2024 und weiteren 300 Millionen Euro 2025“, erklärte der Konzern.
Die Einsparungen sollten dazu führen, dass Nokia dann statt der bisher 86.000 Mitarbeiter nur noch zwischen 72.000 und 77.000 Beschäftigte habe. So will Nokia die Personalkosten um 10 bis 15 Prozent senken.
Lundmark lehnte es ab, weitere Details zu den bevorstehenden Stellenstreichungen zu nennen. Das Management müsse zunächst die Arbeitnehmervertreter konsultieren. Er wolle jedoch die Bereiche Forschung und Entwicklung schützen.
Trotz der Maßnahmen hält der Nokia-Chef am Ausblick für das Gesamtjahr fest. „Wir glauben weiterhin an den mittel- bis langfristigen Markt, aber wir werden nicht abwarten und beten, dass sich der Markt in absehbarer Zeit erholen wird“, sagte er. Knackpunkt sei ein Mangel an schnelleren Mid-Band-Geräten. Nur ein Viertel aller 5G-Basisstationen außerhalb Chinas verfügten derzeit über diese Technologie. Damit sich der Markt erholen könne, müsse die Branche in diesen Bereich investieren, um den wachsenden Datenverkehr bewältigen zu können.