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SoftwareherstellerWieder Vorstandsumbau bei SAP – Julia White kommt von Microsoft

Die Topmanagerin gilt als gut vernetzt und soll das Marketing neu ausrichten. Für den Dax-Konzern gilt es auch, die Kundenzufriedenheit zu steigern.Christof Kerkmann 15.01.2021 - 15:33 Uhr Artikel anhören

Die Amerikanerin wechselt von Microsoft zu SAP und soll dort das Marketing neu ausrichten.

Foto: Getty Images for Microsoft

Düsseldorf. Der Vorstand von SAP hat in den vergangenen Jahren bereits einen großen Umbruch hinter sich, nun stehen weitere Veränderungen im Führungsgremium an. Der Softwarehersteller richtet ein neues Ressort mit dem Schwerpunkt Marketing ein, für das er die Topmanagerin Julia White (47) von Microsoft abwirbt.

Zudem verlässt Vertriebschefin Adaire-Fox Martin (57), die seit 2017 im Vorstand war, Ende des Monats den Konzern. Ihr folgt Scott Russell (47), der bisher Präsident der Region Asien-Pazifik-Japan (APJ) ist und dort den Vertrieb leitet.

Die Ernennung Julia Whites sei „ein sehr wichtiger Puzzlestein in der neuen Strategie“, sagte SAP-Chef Christian Klein dem Handelsblatt. Die US-Amerikanerin habe mit ihrem Vorstandsbereich die Aufgabe, das Portfolio des Softwareherstellers gegenüber den Unternehmen besser darzustellen, besonders die Cloud-Lösungen: „Es geht darum, die Brücke von den Produkten zu Kunden zu schlagen, und deren Feedback wieder in die Entwicklung zu geben.“

Es ist ein weiterer Schritt, mit dem SAP-Chef Klein die Kundenzufriedenheit steigern will. Die ist in den vergangenen Jahren zwischenzeitlich deutlich gesunken, die Kritik unter Anwendern immer lauter geworden. Und es ist eine weitere Abkehr vom Kurs seines Vorgängers Bill McDermott, der mit dem Marketing vor allem die Marke stärken wollte, aber wenig Produktkommunikation betrieb.

Seit 2010 hat SAP zahlreiche Cloud-Spezialisten übernommen, von Success Factors bis Qualtrics. Diese verschafften dem Softwarehersteller viel Geschäft und eine neue Wachstumsstory. Auch im vierten Quartal, für das SAP Donnerstagabend vorläufige Zahlen vorgelegt hat, war das Cloud-Geschäft entscheidend, um die Erwartungen der Analysten zu erfüllen. Unternehmen monierten aber die mangelhafte Integration der vielen Lösungen ebenso wie die ungenaue Kommunikation. Der Net Promoter Score (NPS), der die Weiterempfehlungsbereitschaft beschreibt, sank 2019 auf minus 6.

Christian Klein hat seit seinem Antritt als SAP-Chef im Oktober 2019 als oberste Priorität ausgegeben, die Kundenzufriedenheit zu steigern, auch auf Kosten der Marge. Um den Wandel zum Cloud-Computing zu beschleunigen, plant das Unternehmen einen zusätzlichen dreistelligen Millionenbetrag ein.

Es gebe erste Erfolge dieser Anstrengungen, betont Klein: „Erstmals seit vielen Jahren ist der ‚Net Promoter Score‘ wieder positiv“ – es habe einen Anstieg um zehn Punkte gegeben.

Verbindung zwischen Produktentwicklung und Kunden

Julia White soll mit ihrem Vorstandsbereich die Verbindung zwischen Produktentwicklung und Kunden stärken. Einerseits ist ihre Aufgabe, das Marketing neu zu organisieren. „Wir haben viele differenzierende Innovationen“, sagt Klein. Im Weihnachtsgeschäft eröffneten beispielsweise viele Einzelhändler mit SAP-Hilfe Onlineshops, um trotz des Lockdowns die wichtigste Saison des Jahres nutzen zu können. „Julia wird eine wichtige Rolle spielen, diese Stärken zu kommunizieren“, sagt Klein.

In den vergangenen Jahren setzte SAP auf das „Brand Marketing“ – der Softwarehersteller ist dadurch zur wertvollsten deutschen Marke geworden. Allerdings zeigen Umfragen, dass sich ein Teil der Kundschaft nicht ausreichend über Strategie und Produktplanung informiert fühlt. Die bisherige Marketingchefin Alicia Tillman wird nach Handelsblatt-Informationen im Zuge der Neuausrichtung den Konzern verlassen.

Andererseits besteht die Aufgabe von Julia White darin, die Bedürfnisse der Kunden zu erforschen und an die Produktentwicklung weiterzugeben, für die Thomas Saueressig und Jürgen Müller die Verantwortung tragen. „Gerade im Cloud-Geschäft ist die Zufriedenheit wichtig“, betont Klein. Die Erwägung: Wenn Kunden ihre IT mieten, können sie schnell zu einem anderen Anbieter wechseln – jeder Prozentpunkt Kundenzufriedenheit macht sich in der Akquise bezahlt.

Die Managerin übernimmt ein mächtiges Ressort, verantwortet Marketing und Kommunikation, zudem den Bereich Government Relations. Das richtige Profil für diese Aufgabe dürfte sie haben. Bei Microsoft verantwortete sie zuletzt das Produktmarketing für die Plattform Azure und hatte somit direkt mit dem Cloud-Geschäft zu tun. In der Branche ist sie für ihren exzellenten öffentlichen Auftritt sowie ihr gutes Netzwerk bekannt. Ihr Vertrag läuft zunächst für drei Jahre.

Mit der Berufung schafft SAP ein weiteres Problem aus der Welt: Seit dem Abschied von Jennifer Morgan hat der deutsche Konzern kein amerikanisches Vorstandsmitglied – dabei sind die USA der wichtigste Einzelmarkt.

Überraschender Abschied

In Adaire Fox-Martin verliert SAP indes erneut eine erfahrene Managerin. Sie arbeitete seit 2008 bei SAP, seit 2017 gehörte sie dem Vorstand an, wo sie mit Vertrieb und Service praktisch alle Einheiten verantwortete, die gegenüber Kunden auftreten.

„Customer Success“ heißt dieses Großressort seit einer Umstrukturierung Anfang 2020. Der Vertrag der Managerin mit irischer und australischer Staatsangehörigkeit läuft noch bis 2025, der Abschied ist daher eine Überraschung.

Fox-Martin habe bei SAP bei eine „unheimlich anspruchsvolle Aufgabe erledigt“ sagte Klein. Einerseits stand sie „an vorderster Front im Vertrieb“, andererseits organisierte sie den Vorstandsbereich mit rund 40.000 Mitarbeitern neu. „Da ist nur verständlich, wenn sie jetzt nächste Herausforderung angehen will.“ In Unternehmenskreisen heißt es, es sei für die Managerin mit 57 Jahren die letzte Gelegenheit, außerhalb von SAP noch einmal etwas anderes zu machen.

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Ihr Nachfolger Scott Russell leitet derzeit als Präsident das Geschäft in Asien, wo SAP in den vergangenen drei Jahren überdurchschnittlich wuchs. Er bringt Erfahrungen in Vertrieb und Beratung mit, die beide zum Ressort gehören. Ihm obliegt nun die Aufgabe, die Zusammenführung abzuschließen.

Es sind nicht die einzigen Veränderungen im Management: Allein im vergangenen Jahr verabschiedeten sich Co-Chefin Jennifer Morgan, Personaldirektor Stefan Ries und Servicechef Michael Kleinemeier. Und erst am Jahresanfang trat Sabine Bendiek – lange Deutschlandchefin Microsofts – als neue Personalchefin an. Dabei soll es bleiben: „Ein Unternehmen wie SAP mit über 100.000 Mitarbeitern hat mit sieben Vorstandsmitgliedern eine gute Größe“, sagt Klein. Zumal das Gremium „top besetzt“ sei: „Die Aufstellung zeigt, dass bei SAP der Kundenerfolg jetzt an erster Stelle steht.“

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