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TechnologieDie Chipindustrie wächst kräftig – nur nicht in Deutschland

Die Branche koppelt sich von der schwachen Weltwirtschaft ab. In ganz Europa jedoch brechen die Umsätze ein. Aber die Prognosen werden besser.Joachim Hofer 03.12.2020 - 14:45 Uhr Artikel anhören

Das Halbleitergeschäft läuft rund, der Umsatz der Branche steigt dieses Jahr. In Deutschland und Europa hingegen gehen die Erlöse zurück.

Foto: Bloomberg via Getty Images

München. Die Chipindustrie wächst 2020 gegen den gesamtwirtschaftlichen Trend. Um gut vier Prozent auf 428 Milliarden Dollar steige der Umsatz dieses Jahr, schätzt der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI). „Der globale Halbleitermarkt hat sich von der weltweiten Konjunktur abgekoppelt“, sagte ZVEI-Experte Stephan zur Verth am Donnerstag. Die Weltwirtschaft wird dem Zusammenschluss der Elektroindustrie zufolge dagegen um mehr als vier Prozent schrumpfen.

Der Aufschwung der Halbleiterindustrie geht allerdings an Deutschland vorbei. Hierzulande werde das Geschäft zwischen zehn und 14 Prozent auf etwa zwölf Milliarden Dollar zurückgehen, erklärte zur Verth. Europaweit werde das Minus wohl bei acht Prozent liegen. Der Grund: Rund 60 Prozent aller Chips in Europa kaufen Autohersteller und Industriebetriebe. Die hat die Corona-Pandemie stark getroffen.

Weltweit wird das Geschäft von Speicherchips getrieben, wie sie in PCs und Notebooks eingebaut werden. Vor allem mobile Computer sind dieses Jahr wegen des Booms der Heimarbeit stark gefragt. In Europa sitzt allerdings kein einziger Speicherchiphersteller. Der letzte namhafte Anbieter, die frühere Infineon-Tochter Qimonda, ging vor elf Jahren pleite. Das Geschäft beherrschen Produzenten aus Korea, den USA und Japan. Auch die Kunden finden sich größtenteils in Asien.

Behält der ZVEI recht, wird sich der Aufwärtstrend nächstes Jahr fortsetzen – und dann auch Europa und Deutschland erfassen. Weltweit rechnen die Marktbeobachter mit einem Umsatzplus von acht bis zehn Prozent. In Europa dürfte das Geschäft zwischen fünf und neun Prozent zulegen, schätzt der Branchenverband.

Die „Edge“ verschlingt Massen an Chips

Ein Wachstumsbringer ist demnach, dass immer mehr Rechenleistung in elektronischen Geräten selbst gefragt sei. Fachleuchte sprechen von der „Edge“. Dabei werden Chips in unzählige Apparate eingebaut, in smarte Lautsprecher zum Beispiel, moderne Thermostate, in Roboter und natürlich auch in Autos. „Es finden Echtzeitanalysen vor Ort statt“, erläuterte zur Verth. Das sei der große Trend der nächsten Jahre, denn das verringere den Datenverkehr, verbrauche weniger Energie und sei sicherer.

Ob und wie stark Europa tatsächlich davon profitiert, ist offen. Der Kontinent verliert weiter an Gewicht im weltweiten Halbleitergeschäft. Die Branche setzt nicht einmal mehr jeden zehnten Dollar in Europa um. Der ZVEI sieht das mit Sorge, denn Europa ist damit abhängig vom Ausland.

US-Präsident Donald Trump nutzt Halbleiter seit Monaten, um Druck auf China auszuüben. So etwas, so die Befürchtung, könnte auch Europa passieren. Um selbst Verhandlungsmacht aufzubauen, müsse Europa auf „mindestens 20, besser auf 30 Prozent Marktanteil kommen“, unterstrich zur Verth.

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Einfach wird das nicht. Denn auch China hat sich darangemacht, in der Chipindustrie Fuß zu fassen. Bislang spielen chinesische Wettbewerber praktisch keine Rolle auf dem Weltmarkt. Aber das wird sich dem ZVEI zufolge ändern: „China wird es schaffen, seine Großprojekte umzusetzen“, unterstrich zur Verth. Die spannende Frage sei lediglich: wann.

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