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TechnologieUS-Sanktionen kosten Huawei Milliardenumsatz – Chinesischer Konzern hofft auf Geschäft mit Autoindustrie

Das Technologie-Unternehmen kann den Umsatzeinbruch im Smartphonegeschäft nicht kompensieren. Huawei wird schrumpfen, will aber in Zukunftsgeschäfte investieren.Sabine Gusbeth 24.09.2021 - 16:37 Uhr Artikel anhören

Experten gehen davon aus, dass sich die Aussichten weiter verschlechtern dürften, wenn das Unternehmen seinen Vorrat an hochmodernen Halbleitern aufgebraucht hat.

Foto: AP

Düsseldorf. Dem umstrittenen chinesischen Telekommunikationsausrüster Huawei machen die US-Sanktionen schwer zu schaffen. „Wir versuchen zu überleben“, sagte der amtierende CEO Eric Xu vor Journalisten. Er könne nur hoffen, dass Huawei in den nächsten fünf bis zehn Jahren noch existiere. Wie das Unternehmen dann aussehe, darüber wollte Xu keine Prognose abgeben.

Allerdings sei keiner der verbliebenen Geschäftsbereiche auf absehbare Zeit in der Lage den Umsatzeinbruch im Smartphonegeschäft zu kompensieren. Xu bezifferte die Einbußen auf 30 bis 40 Milliarden Dollar. „Es wird ziemlich lange dauern, diese Einbußen zu kompensieren“, gestand er ein.

Im Mai 2019 hatte der damalige US-Präsident Donald Trump Huawei auf eine rote Liste setzen lassen. Seitdem ist es in den USA tätigen Unternehmen verboten, mit dem Konzern zusammenzuarbeiten. Dadurch ist er von der Versorgung mit Hochleistungshalbleitern weitgehend abgeschnitten. Zudem darf das Unternehmen auf seinen Smartphones das Google-Betriebssystem Android nicht mehr installieren.

Huawei hat deshalb im November seine Smartphone-Tochter Honor verkauft. Auf diese Weise sollte die Marke als eigenständiges Unternehmen wieder Zugang zu US-Technologien erhalten. Zugleich soll der Verkauf dem Unternehmen mehr als zehn Milliarden Dollar eingebracht haben, schätzen Experten. Geld, das Huawei brauchen kann, um eigene Technologien zu entwickeln und sich unabhängiger von internationalen Zulieferern zu machen.

Der Umsatz des Konzerns war im ersten Halbjahr um gut 29 Prozent auf umgerechnet 42 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurückgegangen. Die Erlöse aus dem wichtigen Smartphonegeschäft, auch infolge des Honor-Verkaufs, fielen um fast 50 Prozent.

Chipmangel belastet Huawei zusätzlich

Experten gehen davon aus, dass sich die Aussichten für Huawei weiter verschlechtern dürften, wenn das Unternehmen seinen Vorrat an hochmodernen Halbleitern aufgebraucht hat. Diese hatte es sich gesichert, bevor es auf die US-Sanktionsliste gesetzt worden war.

Am Donnerstag kündigte US-Handelsministerin Gina Raimondo an, die Regierung von Präsident Joe Biden werde gegebenenfalls weitere Maßnahmen gegen Huawei ergreifen.

Um zu überleben will der Konzern jedoch nicht nur schrumpfen, sondern auch in vielversprechende Bereiche wie das Cloud-Geschäft und Künstliche Intelligenz investieren, sagte Xu. Der Fokus liege dabei auf Bereichen, in denen das Unternehmen nicht von internationalen Halbleiterlieferketten abhängig sei.

Die chinesische Halbleiterindustrie habe sich zwar besser entwickelt als viele erwartet hätten, so der Huawei-Manager. Dennoch dürfte es noch eine „eher lange Zeit brauchen“, bis alle Lieferprobleme behoben werden.

Im August hatte der Unternehmensgründer und Vorstandsvorsitzende Ren Zhengfei angekündigt, den Fokus auf Softwareentwicklung zu legen, einschließlich der Stärkung des schnell wachsenden Cloud-Computing-Geschäfts. „Wir müssen es wagen, die Welt im reinen Softwarebereich anzuführen“, erklärte Ren damals. In Bereichen, in denen sich Software und Hardware überschneiden, sollte das Unternehmen sich darauf konzentrieren, die Software zu optimieren, um die Hardware zu ergänzen.

Huawei setzt auf Software für Elektroautos

Große Hoffnungen setzt Huawei dabei auf die Automobilindustrie. Eigenen Angaben zufolge hat Huawei eine Milliarde Dollar in Software für Elektroautos investiert. Auf der Automesse IAA stellte der Konzern intelligente Automobillösungen und -komponenten vor, um „europäische OEMs bei der Entwicklung zukunftssicherer intelligenter Fahrzeuge zu unterstützen“.

Bereits im Juli hatte sich Huawei einen Patentdeal mit einem Volkswagen-Zulieferer gesichert und verdient künftig an der Vernetzung von Volkswagen-Fahrzeugen mithilfe von Mobilfunktechnik mit. Laut Huawei sei es der bisher größte eigene Lizenzvertrag mit der Autobranche. Man erwarte, dass mit bestehenden Vereinbarungen mehr als 30 Millionen Fahrzeuge lizenziert werden. Experten taxieren das Dealvolumen auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag.

Doch auch das dürfte auf absehbare Zeit nicht ausreichen, um die Umsatzeinbrüche infolge der US-Sanktionen auszugleichen. Unabhängig von den Verboten der US-Regierung verzichten viele Länder darauf, Huawei-Technologie beim Ausbau sensibler Telekommunikationsinfrastruktur wie etwa den 5G-Mobilfunknetzen zu verwenden. Die USA und andere westliche Staaten werfen dem Unternehmen vor, Hintertüren und Abschalteinrichtungen in die sensible Technologie einzubauen. Huawei hat dies stets dementiert.

Dem Unternehmen wird eine Nähe zur herrschenden Kommunistischen Partei nachgesagt. Gründer Ren Zhengfei war Mitglied einer auf IT spezialisierten Einheit der Volksbefreiungsarmee bevor er Huawei gründete. Dem „Wall Street Journal zufolge hat Huawei in der Vergangenheit mehr als 75 Milliarden US-Dollar Subventionen erhalten, um zum führenden Telekommunikationskonzern der Welt aufzusteigen. Huawei hatte diese Zahl dementiert.

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