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Mobilfunk-Ausrüster Huawei sichert sich Patentdeal mit Volkswagen-Zulieferer

Es soll sich um den größten Lizenzvertrag von Huawei in der Autobranche handeln. Bei dem Deal geht es um Patente, die zum Grundstock des Mobilfunks gehören.
07.07.2021 Update: 13.07.2021 - 17:39 Uhr Kommentieren
Für Huawei ist die Vereinbarung mit dem VW-Zulieferer ein besonders wichtiger Erfolg. Quelle: dpa
Huawei-Plakat in Barcelona

Für Huawei ist die Vereinbarung mit dem VW-Zulieferer ein besonders wichtiger Erfolg.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Der chinesische Telekommunikationsriese Huawei verdient künftig an der Vernetzung von Volkswagen-Autos mit. In den Fahrzeugen steckt teilweise Technik, deren Grundlagen von dem Konzern aus Shenzhen stammen. Huawei – bekannt vor allem für seine Smartphones und Mobilfunk-Infrastruktur – gab am Mittwoch den Abschluss eines Lizenzvertrags mit einem Lieferanten der Wolfsburger bekannt.

Um welches Unternehmen es sich handelt, wollten beide Seiten nicht sagen. VW erklärte, hierzu sei zunächst Vertraulichkeit vereinbart worden. Es gehe um Zulieferungen für die Kernsparte Volkswagen Pkw. Aus Industriekreisen heißt es, dass dahinter Rolling Wireless stecke, einer der führenden Zulieferer für 4G- und 5G-Netzwerktechnologie im Autobereich. Das in Luxemburg ansässige Unternehmen kommentiert die Gerüchte nicht.

Die Basisplattform von Huawei wird auch in mehreren anderen Konzernmarken der weltweit zweitgrößten Autogruppe eingesetzt. Allgemein hieß es von Volkswagen zu dem Huawei-Deal: „Wir begrüßen, dass ein führendes Unternehmen der Informations- und Kommunikationstechnologie (ITK) unserem Zulieferer eine Lizenz an standardessenziellen Mobilfunk-Patenten gewährt hat.“ Dies zeige „modellhaft, wie die immer enger werdende Zusammenarbeit zwischen Mobilitätsindustrie und ITK-Industrie gelingen kann“.

Nach Angaben von Huawei drehen sich die Patente um technische Grundlagen des LTE-Datenfunks. Es sei der bisher größte eigene Lizenzvertrag mit der Autobranche – man erwarte, dass mit bestehenden Vereinbarungen so mehr als 30 Millionen Fahrzeuge lizenziert werden.

In der Regel beläuft sich der Preis der Lizenz pro Fahrzeug laut Patentexperten auf einem niedrigen zweistelligen Euro-Betrag. Hochgerechnet auf die 30 Millionen Fahrzeuge dürfte der Deal Huawei einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag einbringen. Volkswagen dürfte die Technik von Huawei vor allem in seinen neuen Elektromodellen einsetzen.

Patentexperte Florian Müller sieht darin einen großen Erfolg für Huawei. „Das ist ein bemerkenswerter Deal, da er sich auf ein großes Fahrzeugvolumen bezieht“, sagt er dem Handelsblatt. Es sei zudem zu erwarten, dass Huawei für 5G-Lizenzen weitere Gebühren einnehmen werde, da zunehmend auch 5G-fähige Telekommunikationseinheiten in Fahrzeugen verbaut würden. Im Auto soll die 4G-Technik, also LTE, in den kommenden Jahren noch eine bedeutende Rolle spielen.

Wie es ergänzend aus Industriekreisen hieß, soll Volkswagen nicht nur mit Huawei über die Nutzung mobiler Patentrechte sprechen, sondern auch mit anderen großen Anbietern aus der Branche. Zu der Vereinbarung mit Huawei habe es keine Alternative gegeben. Entscheidend sei, wer über die benötigten Patentrechte verfüge. „Da kann man sich den Rechteinhaber nicht aussuchen“, hieß es in Wolfsburg.

Hohe VW-Stückzahlen hilfreich

Seitdem Autohersteller ihre Fahrzeuge verstärkt mit Mobilfunk-Modulen ausstatten müssen, sind Patentlizenzen für die entsprechenden Technologien zu einem brennenden Thema geworden. Netzwerk-Ausrüster wie Nokia und Huawei halten viele Patente für grundlegende technische Lösungen – und wollen dafür Geld sehen. Die Lizenzvergabe von standardessenziellen Patenten sorgt daher immer wieder für Auseinandersetzungen zwischen der Auto- und der Telekommunikationsindustrie.

Bis zu einer Einigung Anfang Juni hatten sich jahrelang Daimler und Nokia bezüglich der Lizenzvergabe für Patente in Telekommunikationseinheiten prozessiert. Im Mittelpunkt des Streits steht, an wen Firmen wie Nokia oder Huawei ihre Lizenzen vergeben. Nokia will seine Lizenzen direkt an den Autohersteller vertreiben. Der Preis für die Lizenzen orientiert sich am Mehrwert, der durch eine dadurch ermöglichte Konnektivitätsfunktion entsteht. Nokia zufolge würden Autohersteller für Sicherheits-, Informations- und Unterhaltungsfunktionen Preisaufschläge von ihren Kunden verlangen. Autobauer und Zulieferer hingegen verlangen eine Lizenzvergabe an den Zulieferer, wobei sich der Preis der Lizenz dann an der jeweiligen Komponente orientieren soll. Zum einen wäre der Preis pro Lizenz hier geringer. Zum anderen könnten Zulieferer mit einem Lizenzvertrag mehrere Autohersteller beliefern.

Für Autohersteller wie Volkswagen ist die Vereinbarung mit Huawei extrem wichtig, weil sie für Rechtssicherheit sorgt. Der VW-Konzern muss dadurch nicht mehr fürchten, später wegen einer möglichen Verletzung von Patentrechten auf Schadensersatz verklagt zu werden. Rolling Wireless darf die Patentrechte ausdrücklich mit Zustimmung von Huawei für Volkswagen verwenden. Vor drei Jahren waren die Wolfsburger vom US-Halbleiterhersteller Broadcom wegen einer vermeintlichen Patentrechtsverletzung auf einen Schadensersatz von einer Milliarde Dollar verklagt worden.

Dass ein Zulieferer dem Angebot von Huawei zugestimmt hat, obwohl der Zulieferer letztlich nur Automarken aus dem VW-Konzern beliefern kann, hat Florian Müller zufolge auch mit der Größe von VW zu tun. „Dank der hohen Stückzahlen von Volkswagen kann ein Zulieferer so eine Lizenzvereinbarung mit einem Patentinhaber wie Huawei wirtschaftlich abbilden. Hier entstehen Skaleneffekte, die ein kleinerer Autobauer mit geringerer Stückzahl Zulieferern nicht bieten kann.“

Autobauer auf Technologie angewiesen

Autohersteller mit geringeren Stückzahlen wären demnach im Nachteil. Denn auch die Bildung von Kooperationen mehrerer Automarken, die dann zusammen im Pool von einem Zulieferer mit Telekommunikationseinheiten beliefert werden, ist kartellrechtlich in der Europäischen Union problematisch. Laut Müller müssten solche „horizontalen Kooperationen“ über eine sogenannte „Gruppenfreistellung“ im jeweiligen Fall vorher genehmigt werden.

Für Huawei ist die Vereinbarung mit dem anonymen Volkswagen-Zulieferer ein besonders wichtiger Erfolg: Der chinesische Konzern war durch US-Sanktionen zuletzt schwer unter Druck geraten. In westlichen Smartphone-Märkten hat die einstige weltweite Nummer zwei stark an Boden verloren, weil die Geräte ohne Google-Dienste auskommen müssen.

Für VW und andere Autohersteller ist der Zugriff auf patentgeschützte Mobilfunk-Technologie wichtig. Parallel dazu investieren die Konzerne aber auch in mehr eigenproduzierte Software und Steuerungstechnik. Datenvernetzung, die immer höhere Austauschraten und komplexere Anwendungen ermöglicht, ist unerlässlich, wenn die Erweiterung des Geschäftsmodells vom reinen Autobauen zum Anbieten personalisierter Dienste und zum autonomen Fahren gelingen soll.

Mehr: Patentstreit: Broadcom will eine Milliarde Dollar von VW.

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