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Yvonne Gonzalez-Rogers Die Richterin, die den Apple-Chef in die Zange nimmt

Yvonne Gonzalez-Rogers könnte dem iPhone-Konzern im Epic-Prozess einen Dämpfer verpassen. Die kalifornische Richterin gilt als unabhängiger Geist.
24.05.2021 - 23:19 Uhr Kommentieren
Der Apple-Chef im Gericht in Oakland, Kalifornien. Quelle: Bloomberg
Tim Cook

Der Apple-Chef im Gericht in Oakland, Kalifornien.

(Foto: Bloomberg)

San Francisco Apple-Chef Tim Cook lässt sich selten aus der Ruhe bringen. Der 60-Jährige mit dem gemütlichen Südstaaten-Akzent hat unzählige Interviews und vergangenen Juli eine mehrstündige Kongressanhörung ohne größere Blessuren überstanden.

Als Cook vergangenen Freitag im Prozess zwischen Apple und dem Spieleentwickler Epic Games aussagte, traf er jedoch auf ein Gegenüber mit präzisen, kritischen Fragen, das gut mit den Details von Apples Geschäftspraktiken vertraut ist: Richterin Yvonne Gonzalez-Rogers.

Die Bundesrichterin am Bezirksgericht in Oakland, eine Autostunde nördlich von Apples Campus in Cupertino, hat die Möglichkeit, dem Silicon-Valley-Konzern einen Dämpfer zu verpassen.

Der Prozess soll klären, ob Apple seine Kontrolle über sein Betriebssystem auf iPhones und iPads missbraucht, um dem Entwickler des populären Computerspiels „Fortnite“ überhöhte Gebühren abzupressen und unbotmäßige Regeln aufzuzwingen.

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    Epic Games will mit der Klage dafür sorgen, dass Apple die Installation alternativer App-Stores auf seinen Geräten zulassen muss. Diese könnten dem App-Store Konkurrenz machen und dessen bis zu 30-prozentige Umsatzgebühr für Entwickler drücken. Apple lehnt das mit dem Verweis ab, dass die hohe Sicherheit vor Malware und Viren dann nicht mehr garantiert wäre. Für den wertvollsten Konzern der Welt geht es aber auch um viele Milliarden und seine Wachstumsstory.

    In der Befragung des Zeugen Cook nimmt Rogers dagegen Apples Geschäftsmodell auseinander: Warum Apple Entwicklern verbiete, in ihrer App Links zu setzen, wo Spieler Abos oder Spielwährung günstiger kaufen? Apple würde damit die Chance aufgeben, eine Rendite mit dem App-Store zu verdienen, antwortet Cook.

    Weder Apple noch Epic überzeugen Rogers

    Apples Regeln träfen aber gerade die Spieleindustrie, wendet Gonzalez-Rogers ein, während die App einer Großbank dagegen gar keine Gebühren an Apple anführe, weil ihre Transaktionen von Apples Regeln ausgenommen sind: „Computerspieler subventionieren Wells Fargo“, schließt die Richterin mit Blick auf die in San Francisco ansässige drittgrößte Bank der USA.

    Trotzdem ist das Urteil, das Rogers frühestens in einigen Wochen fällen will, nicht vorgezeichnet. Epics Anwalt warf Rogers während der Schlussplädoyers am Montag entgegen, sie sei „besorgt über den Unwillen ihres Klienten, Apple für den Zugang zu iOS-Nutzern zu bezahlen.“ Epic-Chef Tim Sweeney überraschte sie mit der Frage, was sein Plan B sei, wenn sein Unternehmen den Prozess verliere.

    Der Prozess hat bisher 4500 Seiten Protokoll produziert. Quelle: AFP
    Gericht

    Der Prozess hat bisher 4500 Seiten Protokoll produziert.

    (Foto: AFP)

    Weil Rogers’ Gerichtsbezirk das Silicon Valley einschließt, landeten schon viele Klagen von oder gegen die großen Tech-Konzerne bei ihr. Apple hat mehrere Prozesse, die Gonzalez-Rogers leitete, gewonnen – etwa 2017 den um eine Sammelklage, die Apple und dem Telekom-Konzern AT&T ein Koppelgeschäft aus iPhone und Handyvertrag nachträglich verbieten wollte.

    Daraus dürfe man aber nicht schließen, dass die Richterin den iPhone-Konzern bevorzugt, sagte Chris Sagers, Kartellexperte an der Cleveland State University dem „Wall Street Journal“. Beim AT&T-Prozess etwa hatte Gonzalez-Rogers zuvor Versuche Apples, die Klage direkt abzuweisen, widerstanden und viele Argumente der Apple-Anwälte deutlich zurückgewiesen. Die Richterin ist ein unabhängiger Geist, der sich weder auf Apples noch Epics Argumente voll einzulassen scheint.

    Das spiegelt sich in ihrer Karriere: Auf ihren vorherigen Posten als Richterin des Landkreisgerichts von Alameda County berief sie 2008 der ehemalige kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger, ein Republikaner. Für ihre jetzige Position am Bundesgericht nominierte die gebürtige Texanerin 2011 der damalige demokratische US-Präsident Barack Obama. Der US-Senat bestätigte sie mit überwältigender Mehrheit aus beiden Parteien.

    So ist es auch unwahrscheinlich, dass Rogers sich in ihrem Urteil am Ende voll auf Apple oder Epics Seite schlagen wird. Kompromisse sind denkbar: Etwa dass Apple zwar weiterhin den einzigen App-Store auf iOS-Geräten betreiben darf, Entwickler in ihren Apps aber auf alternative und günstigere Bezahlmöglichkeiten auf einer Website hinweisen dürfen.

    Diese Kompromisslinie hat Rogers in ihrer Befragung von Cook bereits vorgezeichnet: „Ich verstehe das Argument, dass Apple die Nutzer zu den Entwicklern bringt“, sagte sie am Freitag. Nach dieser ersten Interaktion seien es aber die App-Entwickler, die die Nutzer bei Laune hielten. „Mir scheint, von Apples Seite ist es da nur noch Geldmacherei.“  

    Ob sich diese Haltung aber im Urteil noch widerspiegelt, ist schwer zu sagen. In den kommenden Monaten muss Rogers erst nochmal die 4500 Seiten Protokoll durcharbeiten, die der Prozess produziert hat.

    Mehr: In dem Rechtsstreit ab heute geht es um „Fortnite“ – doch das Geschäftsmodell des App-Store wird gleich mitverhandelt. Das kann für Apple gefährlich werden

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