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Klage von Epic Games So will Apple seine Macht über den App Store verteidigen

Im Prozess Epic Games gegen Apple geht es um Milliarden und Marktmacht: Der iPhone-Konzern wirft dem Fortnite-Entwickler einen PR-Stunt aus Profitgier vor.
08.04.2021 - 09:00 Uhr Kommentieren
Apple hat ein Monopol über Apps auf seinen eigenen Geräten. Quelle: dpa
Apple – App Store

Apple hat ein Monopol über Apps auf seinen eigenen Geräten.

(Foto: dpa)

San Francisco Der Prozess zwischen Epic Games und Apple könnte die Regeln des Internets neu definieren und dem wertvollsten Konzern der Welt einen Dämpfer verpassen. Bei der Klage des „Fortnite“-Entwicklers gegen den iPhone-Konzern geht es nur vordergründig um ein Computerspiel.

Fortnite ist eines der populärsten Spiele der Welt: Spieler kämpfen in einer offenen Welt gegeneinander und können ihrem Avatar mit der Spielwährung V-Bucks virtuelle Gegenstände kaufen. Epic Games protestiert dagegen, dass es von dem Umsatz mit V-Bucks auf iOS-Geräten 30 Prozent an Apple abführen muss, was sich wegen Fortnites Popularität auf viele Millionen Dollar pro Jahr belaufen dürfte. 

Epic zielt mit der Klage aber nicht auf Schadensersatz, sondern will Apples Monopol über Apps auf seinen eigenen Geräten brechen. Der Entwickler will den Konzern zwingen, andere App-Stores zuzulassen, wie es Google auf Android bereits tut. Allerdings strengt Epic weltweit auch ähnliche Verfahren gegen Google an, das zusammen mit Apple die milliardenschwere App-Ökonomie auf Mobilgeräten kontrolliert.

Apple bläst derweil zum Gegenangriff: In seiner am Donnerstag beim Bezirksgericht im kalifornischen Oakland eingereichten Verteidigungsschrift zitieren Apples Anwälte interne E-Mails von Epic Games, die zeigen sollen, wie der Spieleentwickler absichtlich die App-Store-Regeln brach, um einen Showdown zu provozieren.

Apple versucht zu beweisen, dass es Epics sogenanntem „Project Liberty“ nicht um die Freiheit kleiner Entwickler ging, sondern um Profit. Weil ab 2018 Fortnites Nutzer- und Umsatzzahlen gesunken seien, habe Epic sich mit einer Anwaltskanzlei und einer PR-Firma eine Strategie zurechtgelegt und noch im Juni 2020 von Apple einen Sonderrabatt bei den App-Store-Gebühren gefordert. Erst als das nicht aufging, habe Epic auf Konfrontation umgeschaltet.

„Die Schlacht beginnt. Das wird ein Spaß“

Ein Mail-Ausschnitt legt Epics Plan dar, eine alternative Bezahloption in ein Update zu schmuggeln und seinen Nutzern günstigere V-Bucks anzubieten. Das sei „der effektivste Weg, Apple und Google zum Einlenken zu bringen, ohne dass wir wie die Bösen aussehen“. In einer anderen Mail heißt es: „Die Schlacht beginnt. Das wird ein Spaß.“

Weil das Update klar gegen die Regeln beider App-Stores verstoßen werde, plante Epic bereits mit einem Rauswurf: „Wir legen den Schalter erst um, wenn wir wissen, dass wir etwa drei Wochen ohne Update auskommen.“

Zumindest die Hoffnung auf einen schnellen Sieg ist nicht aufgegangen. Seit Epic die Kampagne im vergangenen August startete, ist das Spiel nicht in die App-Stores zurückgekehrt – stattdessen wirbt unter dem Suchbegriff „Fortnite“ nun dessen Konkurrent Roblox.

Allerdings scheint der Kampf mit den Giganten Epic bislang nicht sehr geschadet zu haben: Laut „Sky News“ soll das Unternehmen, das mehrheitlich seinem Gründer und Chef Tim Sweeney gehört, über ein Investment verhandeln, das Epics Bewertung auf 28 Milliarden Dollar nahezu verdoppeln würde. Mit dem chinesischen Spielekonzern Tencent und Sony hat Epic kapitalkräftige Investoren im Rücken.

Dass Epic die Eskalation geplant hat, ist nichts Neues: Schließlich verbreitete das Unternehmen zur gleichen Zeit ein Video, in dem ein Fortnite-Charakter einen Bildschirm mit einem wurmstichigen Apfel zerschmettert – eine Anspielung auf Apples berühmte Anti-IBM-Werbung von 1984.

Epic versucht, Apple als den arroganten Giganten darzustellen, der Entwicklern übertriebene Gebühren abpresst. Dieser Vorwurf ist auch der Kern von Spotifys Klage gegen Apple bei der EU-Kommission und den Beschwerden zahlreicher anderer Entwickler. Auch Epic hat zusätzlich in Brüssel Beschwerde gegen Apple eingelegt.

Apple betont dagegen, der 2008 eingeführte eigene „App Store“ habe deren Geschäft erst möglich gemacht und verschaffe so Millionen von Entwicklern Jobs. Die 30-Prozent-Gebühr sei Industriestandard und nie erhöht worden. Zuletzt haben Apple und Google die Gebühren für Entwickler mit weniger als einer Million Dollar Umsatz halbiert – offenbar als Reaktion auf den öffentlichen Druck.

In Epics eigenem Store für Computerspiele nimmt das Unternehmen aus North Carolina allerdings nur zwölf Prozent – ein Grund, warum Epic Apple vorwirft, Monopol-Renditen zu verdienen.

Auch mit Google liegt Epic über Kreuz

Alternative App-Stores sind laut Apple aber nicht nur verwirrend für Nutzer, sondern machten iPhones und iPads auch anfälliger für Viren. Durch Apples enge Kontrolle und die technische Prüfung der Apps vor Veröffentlichung traten weniger als ein Prozent der Infektionen mit Malware auf iOS-Geräten auf, aber fast die Hälfte auf Android-Geräten.

Dass Google alternative Apps erlaubt, hat Epic auch nicht befriedet. Nachdem Fortnite auf Android ab 2018 außerhalb des „Google Play“-Stores und ohne die 30-Prozent-Gebühr verfügbar war, holte Epic sein Spiel im April 2020 in den Store zurück.

Google benachteilige Software außerhalb des Play-Stores, hieß es damals von Epic, etwa „durch gefährlich klingende, sich wiederholende Sicherheitshinweise oder restriktive Vereinbarungen mit Smartphone- und Netzanbietern“. Epic wirft Google unter anderem vor, eine Vorinstallation des „Epic Game Store“ auf OnePlus- und LG-Smartphones verhindert zu haben.

In dem Kampf geht es um Marktmacht und die Frage, wie stark die Plattformen der großen Tech-Konzerne reguliert werden müssen. Apple argumentiert, dass Fortnite-Spieler viele Alternativen zum „App Store“ haben – neben Android auch Desktop-Computer oder Spielekonsolen.

Die zentrale Frage des Prozesses wird sein, wie der Markt, in dem Epic sein Spiel anbietet, abgegrenzt wird – und folglich, wie viel Macht Apple hat, Entwicklern seine Bedingungen aufzuzwingen.

Der Prozess, der ab dem 3. Mai im kalifornischen Oakland verhandelt wird, verspricht ein Spektakel. Apple-Chef Tim Cook und Epic-Gründer Tim Sweeney werden dabei sein. Außerdem Apples Softwarevorstand Craig Federighi und Matt Fischer, der für den „App Store“ zuständig ist. Bis Ende Mai will Richterin Yvonne Gonzales Rogers ein Urteil sprechen – in jedem Fall mit weitreichenden Folgen für die digitale Weltwirtschaft.

Mehr: Fortnite-Entwickler Epic Games zieht gegen Apple vor EU-Kommission

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