Coronakrise: Erste Länder setzen auf digitalen Impfausweis
Digitale Impfausweise könnten etwa bei Flügen zum Einsatz kommen.
Foto: dpaBerlin. Während die EU-Kommission die Einführung eines einheitlichen Corona-Impfnachweises diskutiert, preschen zahlreiche europäische Länder, Regionen und Unternehmen mit eigenen digitalen Lösungen vor. So kündigten Schweden und Dänemark an, ein Zertifikat mit Impfdaten einzuführen.
Mit ihm verbinden Länder die Hoffnung, Einschränkungen für Reisen, das öffentliche Leben und im Job für Geimpfte schrittweise zurückfahren zu können. „Mit einer digitalen Impfbescheinigung wird es schnell und einfach, durchgeführte Impfungen vorzuweisen“, sagte Schwedens Digitalisierungsminister Anders Ygeman.
Ziel sei es, dass die digitale Infrastruktur für die Nachweise bis zum Juni steht. Schwedens Regierung wies darauf hin, dass solche Impfnachweise künftig von manchen Ländern bei der Einreise oder bei Kultur- und Sportveranstaltungen gefordert werden könnten. Gleichzeitig wolle man die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beim Aufbau digitaler Corona-Impfnachweise unterstützen und sich auf EU-Ebene für einen solchen Pass einsetzen.
Auch Schwedens südlicher Nachbar Dänemark hatte vergangene Woche angekündigt, einen digitalen Corona-Pass mit Impfdaten auf den Weg zu bringen. Dieser soll zunächst Dienstreisenden das Leben erleichtern. Die Regierung in Kopenhagen plant, dass der Pass auf dem Smartphone gespeichert werden kann.
Deutsche Vorhaben weniger zielgerichtet
Mit dem Vorpreschen der EU-Kommission und der anderen europäischen Länder, der steigenden Zahl der Corona-Impfungen und der Aussicht auf die neue Reisesaison steigt der Druck, einen solchen Impfnachweis auch in Deutschland einzuführen. Dieser wird hierzulande aber kritisch gesehen. Bisher deute wenig darauf hin, dass ein Geimpfter das Virus nicht weitertragen könne, sagte die Ethikrat-Vorsitzende Alena Buyx.
Zudem könne niemandem zugemutet werden, im öffentlichen Raum, zum Beispiel in einer U-Bahn, zu kontrollieren, ob jemand einen Impfpass dabei hat. Schon im Sommer hat sich der Ethikrat gegen einen Immunitätsnachweis ausgesprochen, nachdem ihn Bundesgesundheitsminister Jens Spahn als mögliches Mittel im Kampf gegen die Coronakrise ins Spiel gebracht hatte.
Zudem plant die Bundesregierung keine vorzeitige Einführung des digitalen Impfpasses. Diese Möglichkeit hätte mit der Einführung der elektronischen Patientenakte Anfang des Jahres bestanden. Er soll aber wie vorgesehen erst im Jahr 2022 starten.
Stattdessen gibt es regionale Initiativen, etwa im Landkreis Altötting. Dort erhalten Geimpfte eine Impfkarte mit QR-Code. Erfasst werden darauf Name, Geburtsdatum, Wohnort, Fotos des Geimpften, Impfstoff und die beiden Impftermine. Scannt der Geimpfte den Code, kann er die Daten auf dem Smartphone hinterlegen. Das Vorgehen sei nicht mit dem Bundesgesundheitsministerium abgestimmt worden. „Wir haben das völlig eigenständig umgesetzt“, sagte ein Sprecher des Landkreises.
Darüber hinaus gibt es auch privatwirtschaftliche Initiativen, die an einem Impfnachweis arbeiten. Die Lufthansa etwa ist an zwei App-Projekten für die Luftfahrtbranche beteiligt. Der „IATA Travel Pass“ des Welt-Airline-Verbandes IATA soll von Etihad zunächst auf ausgewählten Flügen aus Abu Dhabi getestet werden. Grundsätzlich will IATA die Technologie sämtlichen Fluggesellschaften zur Verfügung stellen.
Ein ähnliches Ziel verfolgt die Initiative Commonpass, die unter anderem vom Weltwirtschaftsforum gegründet wurde. Deren App wird gerade auf Flügen zwischen London und New York erprobt. An ihr sollen Labore und Gesundheitsorganisationen aus aller Welt angeschlossen werden. Passagiere sollen ihr Corona-Testergebnis oder ihren Impfstatus in der App hochladen können. Bei der Einreise vergleicht das System die Daten mit den Bestimmungen in dem jeweiligen Land und zeigt dem Airlinepersonal oder Grenzbeamten ein positives Signal, wenn alles übereinstimmt.