Ländervergleich: Wie viele Studien führen Pharmaunternehmen durch?
Mit klinischen Studien beweisen Pharmaunternehmen die Wirksamkeit ihrer Arzneimittel.
Foto: IMAGO / ShotshopKöln. Deutschland verliert als Forschungsstandort für Pharmaunternehmen an Attraktivität. Das bereitet auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) Sorgen. Bei der Vorstellung seiner Digitalstrategie vor wenigen Wochen bedauerte der Minister, dass das Mainzer Unternehmen Biontech seine klinische Forschung wegen fehlender Patientendaten von Deutschland nach Großbritannien verlagert. Ein Gesundheitsdatengesetz, dessen Entwurf bald vorliegen dürfte, soll die Arzneimittelforschung in Deutschland verbessern.
Lauterbach nannte bei der Vorstellung der Digitalstrategie auch eine konkrete Zahl: Bis Ende 2026 sollen in Deutschland 300 Forschungsprojekte mit elektronischen Patientendaten durchgeführt werden. Die Daten sollen pseudonymisiert über das Forschungsdatenzentrum abrufbar sein. Name und andere Merkmale werden durch ein Pseudonym ersetzt, so dass sie nicht mehr einer bestimmten Person zugeordnet werden können. Anträge für Forschungsvorhaben können von Unternehmen bei einer Kommission gestellt werden, die über die Freigabe entscheidet.
Die öffentlich zugängliche US-amerikanische Datenbank ClinicalTrials.gov bestätigt Lauterbachs Sorgen: Die Zahl der klinischen Studien von Pharmaunternehmen in Deutschland sinkt. Während im Jahr 2012 noch 717 Studien durchgeführt wurden, waren es im Jahr 2021 nur noch 589. In anderen europäischen Ländern wie Spanien und Großbritannien ist die Zahl der durchgeführten Studien im gleichen Zeitraum gestiegen. Den stärksten Anstieg verzeichnet China mit 1139 Studien im Jahr 2021. Die Vereinigten Staaten liegen mit 2749 Studien weit vorne.