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Stephan NollerEin Internet-Unternehmer mit Vorliebe für Sicherheit

Der CEO des Kölner Start-ups Ubirch steckt derzeit im größten Projekt seiner Karriere: Er ist zentral an der Entwicklung des digitalen Impfnachweises beteiligt.Julian Olk 30.07.2021 - 18:10 Uhr Artikel anhören

Auf den ersten Blick ist er der klassische Seriengründer aus der Digitalbranche, doch der Ubirch-CEO hebt sich von der Masse ab.

Foto: Ubirch

Berlin. Der Name von Stephan Nollers Unternehmen Ubirch kommt aus seinem Vorgarten. Seine Frau brachte einst Weihnachtsbeleuchtung mit nach Hause, Noller sollte sie an der Birke – zu Englisch ‚birch‘ – vor der Haustür anbringen.

„Da habe ich gesagt: In Ordnung, aber nur, wenn ich sie mit dem Internet verbinden darf“, erzählt er. Seither hat die Birke einen eigenen Twitter-Account und immer, wenn jemand diesen erwähnt, blinkt die Beleuchtung auf.

Für Noller ist das mehr als nur eine Spielerei. Für ihn ist seine Birke ein Symbol dafür, wie die Digitalisierung jeden Parameter unseres Lebens beeinflussen kann – selbst gewöhnliche Dinge wie Weihnachtslichter. Der CEO des Kölner Start-ups Ubirch steckt derzeit in seinem wohl größten und außergewöhnlichsten Digitalprojekt: dem digitalen Impfnachweis.

Das Bundesgesundheitsministerium hatte den Auftrag zur Entwicklung des Impfzertifikats für 80 Millionen Bundesbürger an den Tech-Riesen IBM vergeben, der hat jedoch einen Großteil der Entwicklung an Ubirch weitergereicht.

Noller und sein Team sind in dem Projekt vor allem für die Sicherheit zuständig. Ein Thema, das man bei dem 51-Jährigen nicht unbedingt vermuten würde. Nollers Vita ist vergleichbar mit der der meisten Internetunternehmer der Neuzeit: viele Projekte, viele Branchen, viel Bewegung.

Doch so ganz passt er in dieses Bild nicht, schließlich studierte er Psychologie in Köln. Dabei widmete er sich aber bereits dem Web und forschte zu der Frage, wie mit statistischen Verfahren Schlüsse aus dem Onlineverhalten von Nutzern gezogen werden können.

Er entwickelte Analysesysteme für Online-Werbung, war Mitglied des Beirats „Junge Digitale Wirtschaft“ im Bundeswirtschaftsministerium und gründete mehrere Digitalunternehmen.

Dazu gehörte Trackle, das – neben der Forschungsarbeit in der Psychologie – seinen ersten Ausflug in das Gesundheitswesen darstellte. Trackle vertreibt ein digitales System zur Bestimmung der Fruchtbarkeit von Frauen.

„Diese Haltung wird uns auf die Füße fallen“

2015 folgte die Gründung von Ubirch. Das Ziel des Unternehmens: sichere Kommunikation und Datenaustausch im Internet – branchenübergreifend. „Kein Bereich der Wirtschaft kommt um dieses Thema herum“, meint Noller.

Die elementare Bedeutung der Sicherheit der Daten erklärt er so: „Wir kümmern uns darum, jeden noch so kleinen Winkel von Daten abzusichern. Das ist ein absurd erscheinender Aufwand. Doch ohne funktioniert es nicht. Daten bringen uns nur etwas, wenn wir ihnen vertrauen können, sonst sind sie nichts wert. Nur mit diesem Verständnis kann Digitalisierung funktionieren.“

Dieses Verständnis war es auch, das Noller und sein Team den Co-Auftrag zur Entwicklung des offiziellen digitalen Impfnachweises eingebracht hat. „Das Projekt kann entscheidend sein“, sagt Noller, denn der Impfnachweis bringe gewissermaßen die Internet-Birke vor jedes deutsche Haus, weil er direkten Nutzen durch Digitalisierung für jedermann bringen könne.

Ubirch-CEO Noller (r.) präsentierte auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (2.v.l.) das von ihm mitentwickelte System.

Foto: Imago

Zu Beginn der Pandemie sei Deutschland digital katastrophal aufgestellt gewesen. Das gelte nicht nur für die eingeschränkte Ausbreitung digitaler Systeme, sondern auch für deren Sicherheit. „Klar, beim Datenschutz haben wir hohe Standards“, sagt Noller.

Doch davon müsse die technische Absicherung unterschieden werden, mit der Deutschland zu stiefmütterlich umgehe: „Diese Haltung wird uns auf die Füße fallen, wenn wir das nicht ändern.“

Und tatsächlich, beim Impfnachweis ist das geschehen. Das ist nicht Nollers Schuld. Das Impfzertifikat an sich gilt selbst bei kritischen Beobachtern als vergleichsweise gut abgesichert. Das System für die Apotheken, an dem Ubirch nicht beteiligt war, war jedoch leicht zu knacken, wie kürzlich gezeigt wurde.

„Kultur des Wartens verträgt sich nicht mit Digitalisierung“

Kritiker sehen den Grund dafür auch darin, dass die Apotheken zulasten der Sicherheit in letzter Sekunde angebunden wurden. Noller sieht das zwar nicht als Hauptgrund, doch er sagt: „Seit Oktober war absehbar, dass wir Impfstoffe gegen die Pandemie benötigen. Von da an war klar, dass wir auch einen Impfnachweis brauchen.“

Ubirch hatte bereits zu Beginn des Jahres ein Impfzertifikat entwickelt und im bayrischen Altötting erprobt. Die Technologie, den Nachweis auf Bundesebene auszurollen, sei also schon da gewesen.

Dass das nicht passiert ist, wundert Noller jedoch nicht. „Ich schätze Kanzlerin Angela Merkel sehr“, sagt er, „aber diese Kultur des Wartens, bis es vielleicht weggeht, verträgt sich nicht mit Digitalisierung“. Das müsse sich in Deutschland ändern.

Neben dem Verständnis und der Vorgehensweise sieht Noller einen technischen Baustein, der eine sichere digitale Zukunft ermöglichen könne: die Blockchain. Eine kryptografisch verkettete Liste von Datensätzen war ursprünglich auch beim Impfnachweis vorgesehen, genauer gesagt von fünf davon.

Aufgrund der zentralen Architektur hatten sich das Gesundheitsministerium und die Projektpartner dann aber doch gegen die Blockchain entschieden. Die Ubirch-Technologie funktioniert – mit Einschränkungen – aber auch ohne Anbindung an eine zentrale Blockchain.

Noller ist sich jedoch sicher: „Ob Gesundheitswesen, kritische Infrastruktur wie Wassermessungen oder Maschinen in der Schwerindustrie, die Zukunft gehört der Blockchain.“

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