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Luftverkehr Merkel-Nachfolger soll klimaneutral fliegen – Grünes Kerosin größte Herausforderung

Die neuen Regierungsmaschinen von Airbus können mit nachhaltigem Kerosin fliegen. Sie sollen nun Vorbild und Vorreiter fürs klimaneutrale Reisen werden.
18.06.2021 - 08:47 Uhr 2 Kommentare
Die Regierungsmaschinen vom Typ Airbus A350 werden derzeit klimaneutral umgerüstet. Quelle: dpa
Bundeskanzlerin Merkel im Regierungsflugzeug (Archivbild 2013)

Die Regierungsmaschinen vom Typ Airbus A350 werden derzeit klimaneutral umgerüstet.

(Foto: dpa)

Berlin, Frankfurt Der nächste Bundeskanzler wird der erste sein, der mit der modernsten vollausgestatteten Regierungsmaschine fliegen darf. Drei Maschinen des Typs A350-900 hat die Flugbereitschaft bestellt und lässt zwei von ihnen derzeit bei der Lufthansa Technik in Hamburg komplett umbauen, während die erste, getauft auf den Namen „Kurt Schumacher“, als Provisorium bereits im Einsatz ist.

Die „Konrad Adenauer“ erhält in Hamburg einen Konferenzraum und ein „Private Office“, hinzu kommen eine moderne Küche, mehrere Waschräume, natürlich Sicherheits- und Abwehrsysteme. Im Herbst des kommenden Jahres soll sie erstmals mit Regierungsmitgliedern abheben – womöglich auch vorbildlich klimaneutral.

So plant es jedenfalls die Partei von Kanzlerin Angela Merkel. Laut Entwurf des Wahlprogramms, das Kanzlerkandidat Armin Laschet am Montag vorstellen will, wollen CDU und CSU „den Einsatz von synthetischen Kraftstoffen bei Regierungsflügen forcieren“.

Blick in die Zukunft auf der Nationalen Luftfahrtkonferenz

Auch bei der heute stattfindenden Nationalen Luftfahrtkonferenz, an der Kanzlerin Merkel teilnehmen wird, finden sich ähnliche Sätze in der vom Bundeswirtschafts- und Verkehrsministerium gemeinsam mit der Branche formulierten Abschlusserklärung. So wollen sie alternative Kraftstoffe massiv fördern und hoffen, 2035 das erste vollelektrische Passagierflugzeug zu erleben.

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Standort erkennen

    Generell setzt sich die Union dafür ein, „dass am Standort Deutschland synthetische Kraftstoffe (SAF) entwickelt und produziert werden“. Als Anreiz will die Union Flüge, bei denen alternative Kraftstoffe eingesetzt werden, von der Luftverkehrsteuer befreien.

    Der Weg dahin ist indes noch weit. „Für Wasserstoff muss nicht nur die Produktion gesichert werden, sondern es muss ein ganzes Ökosystem von der kosteneffizienten industriellen Produktion von flüssigem (grünem) Wasserstoff auf Basis von regenerativen Energien über Lagerung, Transport bis zu Wasserstoff-Hubs an Flughäfen entwickelt und aufgebaut werden“, heißt es in der Erklärung der Ministerien mit der Branche für den heutigen Gipfel.

    Und doch: Die CDU will nicht warten. Ihr Haushaltspolitiker im Bundestag, der Hamburger Rüdiger Kruse, geht sogar noch weiter. Angesichts der Debatte um die Zukunft des Fliegens und mögliche Verbote sei es nur folgerichtig, „dass wir bei uns selbst beginnen und die Flüge der Bundesregierung ab sofort klimaneutral machen“, sagte Kruse nach einem Besuch bei Lufthansa Technik gemeinsam mit dem Inspekteur der Luftwaffe. „Mit synthetischem Kerosin, hergestellt aus mit erneuerbaren Energien produziertem Wasserstoff, ist das bereits jetzt möglich.“

    „Die neue A350 kann technisch bereits mit nachhaltigem Kerosin betrieben werden“, sagte Generalleutnant Ingo Gerhartz. Bei Lufthansa Technik erklärte der Sprecher, das Unternehmen „unterstützt den Wunsch der Flugbereitschaft, nachhaltig zu fliegen“.

    Technisch wäre der Plan schnell umzusetzen. Die Jets beziehungsweise deren Motoren müssen nicht umgerüstet werden. Schon heute nutzen Verkehrsjets zum Teil nachhaltigen Treibstoff, wegen der geringen verfügbaren Menge allerdings nur sehr eingeschränkt. SAF kann dabei sogar mit herkömmlichem Kerosin gemischt werden.

    Lufthansa tankt Biosprit

    So tankt Lufthansa seit einiger Zeit in San Francisco den Biosprit, sodass bis zu 30 Prozent des Treibstoffs auf dem Rückflug etwa nach Frankfurt, München oder Zürich aus nachhaltigem Kerosin bestehen. Die Frachttochter Lufthansa Cargo setzt in einem gemeinsamen Projekt mit DB Schenker auf bestimmten Flügen sogar zu 100 Prozent auf das sogenannte SAF.

    Die größte Herausforderung für die Flugbereitschaft dürfte sein, sich den notwendigen Treibstoff zu besorgen. Lufthansa etwa nutzt Biosprit, der aus landwirtschaftlichen Abfallfetten und -ölen gewonnen wird. Die Regierungsjets sollen aber mit SAF betrieben werden, die mithilfe von grünem Wasserstoff hergestellt werden. Dieser ist bislang kaum verfügbar. Zudem müssten die Flugzeuge beim Einsatz auf längeren Strecken an den meisten Zielflughäfen auch noch auf Jahre hinaus doch wieder herkömmliches Kerosin tanken, da SAF dort nicht zur Verfügung steht.

    Regierungsflieger sind „bestens geeignet“

    „Neben den ersten VIP-Flügen konnten wir die A350 sogar bei einer Hilfsmission in Indien erfolgreich einsetzen, ohne Zwischenstopp auf dem Hinflug und Auftanken vor Ort“, betonte Generalleutnant Gerhartz. Haushälter Kruse erklärte, der Verbrauch der Flugbereitschaft des Bundes sei gering im Vergleich zu dem der großen Airlines. „Daher sind die Regierungsflieger bestens geeignet, den Anfang zu machen und ein Signal in Richtung Zukunft zu geben.“ Könne die Flugbereitschaft im Ausland kein nachhaltiges Kerosin kaufen, dann solle der Bund die Emissionen durch Kompensationen an anderer Stelle ausgleichen.

    1,2 Milliarden Euro gibt die Bundesregierung für die Maschinen aus. Der zweistrahlige Airbus gilt als weltweit modernstes und umweltfreundlichstes Langstreckenfluggerät. Es verbraucht bereits 20 Prozent weniger Kerosin als die Vorgängermodelle A340.

    Mehr: Streit um die Zukunft der Flugreise: Wie lange dürfen wir noch fliegen?

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    2 Kommentare zu "Luftverkehr: Merkel-Nachfolger soll klimaneutral fliegen – Grünes Kerosin größte Herausforderung"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Traumtanz, Show und ökologischer Unsinn, wenn kostbarer grüner Strom für Verfahren mit miesestem Wirkungsgrad eingesetzt wird. Lieber scheinbar 1 kg Co2 einsparen, dabei aber 5 kG an anderer Stelle ausblasen?

    • „den Einsatz von synthetischen Kraftstoffen bei Regierungsflügen forcieren“, "– womöglich auch vorbildlich klimaneutral"
      Gefällige Symbolpolitik in Wahlkampfzeiten.

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