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Jochen Köckler im Interview Chef der Deutschen Messe AG: „Die Messe der Zukunft ist hybrid“

Erstmals fand die Hannover Messe nur digital statt. Der Chef der Deutschen Messe AG spricht über die Erfahrungen und die katastrophalen Folgen von Corona für die Branche.
16.07.2020 - 14:11 Uhr Kommentieren
„Messen müssen auf der Höhe der Zeit bleiben.“ Quelle: Deutsche Messe AG
Jochen Köckler auf den „Digital Days“

„Messen müssen auf der Höhe der Zeit bleiben.“

(Foto: Deutsche Messe AG)

Düsseldorf Zum ersten Mal in 73 Jahren fand die Hannover Messe nicht in den Messehallen statt, sondern im virtuellen Raum. Zwei Tage statt eine Woche lang tauschte sich die Industrie auf den „Hannover Messe Digital Days“ über neueste Trends aus.

Jochen Köckler, Chef der Deutschen Messe AG, hat leere Hallen und muss trotz Kurzarbeit und Sparbemühungen Kredite in Anspruch nehmen. Gelingt nicht bald der Neustart der Messebranche, drohten Entlassungen und Insolvenzen, warnt er im Interview.

Lesen Sie hier das gesamte Interview:

Herr Köckler, erst mussten Sie die Hannover Messe wegen Corona vom April in den Juli verschieben. Dann wurde sie ganz in den virtuellen Raum verlegt. Wie war die Resonanz auf die „Digital Days“? Das war schließlich Neuland für alle.
Aussteller wollen ihre Innovationen zeigen, sich mit dem Wettbewerb messen – gerade in der Coronakrise. Deshalb haben wir die Grundidee der Hannover Messe ins Digitale übertragen: An den zwei Tagen kamen mehr als 200 Experten zu Wort. Aussteller präsentierten ihre Innovationen zu Industrie 4.0, KI oder Smart Energy rein virtuell. Und auch das Netzwerken kam nicht zu kurz – diesmal eben via Chat. Insgesamt hatten sich mehr als 10.000 Teilnehmer registriert. Wir haben die „Digital Days“ in wenigen Wochen aus dem Boden gestampft, haben viel gelernt und sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

Die Hannover Messe lebt von großen Maschinen, die man ansehen und anfassen kann – und vom Staunen, sie in Aktion zu sehen. Kann eine digitale Messe das überhaupt auffangen?
In dem Maße nicht. Das Haptische fällt weg. Interessant war: Statt für tolle Videos haben die Aussteller das digitale Format eher zum Erklären ihrer Innovationen genutzt. Deshalb war die Chat-Funktion unserer „Digital Days“ so wichtig.

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    Was werden Sie aus der Digitalmesse für die nächste Hannover Messe vor Ort mitnehmen?
    Wir wollen die Vorteile beider Welten verbinden. Die Messe der Zukunft ist hybrid. Künftig präsentiert sich ein Mittelständler nicht mehr nur auf seinem Stand. Er kann zum Beispiel unser Hannover-Messe-Studio für eine Stunde mieten. Online erklärt er dort auf Spanisch zwei Innovationen speziell für den südamerikanischen Markt. So kann das Unternehmen leicht eine noch größere Zielgruppe erreichen.

    Fürchten Sie nicht, dass so einige Aussteller ganz in den virtuellen Raum abwandern? Bekommen Messeveranstalter nach Corona ihre riesigen Hallen noch voll?
    Es kann sein, dass Messen kleiner werden. Interessant wird sein, welches Resümee die Aussteller der „Digital Days“ ziehen. Sie können ja nun direkt vergleichen, wie groß der Nutzen eines digitalen Formats ist im Vergleich zu einer richtigen Messe. Mich warnt so mancher, dass wir mit Digitalmessen unsere eigene Konkurrenz aufbauen. Aber ich mache mir lieber selbst Konkurrenz, als wenn ein Dritter diese Angebote macht. Messen müssen auf der Höhe der Zeit bleiben.

    Sind hybride Messen nicht viel aufwendiger und kostenintensiver, bringen den Veranstaltern aber weniger Einnahmen?
    Im Moment ist die Vermietung von Quadratmetern das Geschäftsmodell von Industriemessen. Künftig können Aussteller weitere digitale Dienste bei uns buchen. Früher haben sich Menschenmassen durch Messehallen geschoben. Heute ist es viel wichtiger, dass sich die Richtigen einer Branche finden. Eine Messemarke dient als Plattform zur Geschäftsanbahnung an einem konkreten Zeitpunkt – egal ob digital oder vor Ort. Wir Messegesellschaften müssen es nun schaffen, zusätzliche digitale Angebote zu entwickeln, die dem Aussteller Nutzen stiften. Und natürlich müssen wir dabei profitabel arbeiten.

    Das weltweite Messegeschäft hat durch den Lockdown sehr gelitten. Wie stehen die deutschen Messegesellschaften finanziell da?
    Die Corona-Pandemie ist für unsere Branche eine Katastrophe. Messen haben quasi bis August Berufsverbot. Unsere Hallen stehen leer, wir sind in Kurzarbeit und streichen Kosten, wo es geht. Die großen deutschen Messegesellschaften, die alle in öffentlicher Hand sind, hatten vorher ein richtig gutes Messejahrzehnt. Aber ohne Einnahmen ist irgendwann die Kasse leer.

    Die Deutsche Messe soll einen Überbrückungskredit von 50 Millionen Euro bekommen haben. Stimmt das?
    Wie viele Messegesellschaften und krisengeschüttelte Unternehmen bedienen auch wir uns bis ins nächste Jahr eines Kredits. 2020 wird unser Umsatz deutlich unter der Hälfte der geplanten 340 Millionen Euro liegen. Wir werden Verluste schreiben. Im Moment wird jede Messegesellschaft durch ihre Eigentümer, meist Stadt und Land, aufgefangen. Wir kommen nicht umhin, insgesamt schlanker zu werden, so wie wir digital schneller geworden sind.

    Schlanker bedeutet weniger Mitarbeiter?
    Unsere Mitarbeiter haben eine Beschäftigungsgarantie. Aber wenn am Ende die Kassen leerlaufen sollten, dann geht es nicht mehr um Sanierung, sondern um Rettung. Im Moment ist das aber noch kein Thema. Unsere Aufgabe ist und bleibt ja die Wirtschaftsförderung, da kann man nicht unbegrenzt Budget streichen. An Messen hängt so viel zusätzlicher Umsatz für eine Region – von Messebau, Einzelhandel über Gastronomie bis Taxis. So schnell wird keine Messegesellschaft in die Insolvenz entlassen. Falls die Krise deutlich länger anhält, schließe ich aber nichts aus.

    Der Neustart wurde lange von der Branche herbeigesehnt. Ab Herbst sind Messen hierzulande unter Auflagen wieder erlaubt. Warum machen viele Veranstalter nun wieder einen Rückzieher?
    Auch unsere Gastveranstaltungen Euroblech und Eurotier wurden nun doch von Oktober ins Frühjahr verschoben. Aussteller fürchteten, dass nicht genügend internationale Besucher kommen. Entscheidend für den Neustart der Branche wird sein: Wann kommen wieder ausreichend Teilnehmer, vor allem aus dem Ausland, damit sich für Aussteller eine Messe lohnt?

    Müssen die Messen das nächste Jahr womöglich auch abschreiben, weil die Wirtschaft dann erst richtig in die Rezession schlittert?
    Eine tiefe Rezession brächte natürlich zusätzlich Gegenwind, weil die Messebudgets kleiner werden. Aber Aussteller kommen ja auf Messen, um ihr Geschäft anzukurbeln. Die dort gezeigten Innovationen sollen Kauflaune erzeugen. Messen werden bis ins nächste Jahr hinein sicherlich keine Rekordveranstaltungen sein. Aber Hauptsache, es geht wieder los. Das wäre ein ganz wichtiges Signal für die gesamte Wirtschaft.

    Herr Köckler, vielen Dank für das Gespräch.

    Mehr: Virtuelle Messen - als Avatar am Messestand.

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