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Jochen Schweizer„Unternehmerischer Mut ist eine Frage des Vertrauens in sich selbst“

Jochen Schweizer hat sich in seinem Leben überall hinuntergestürzt, wo es möglich ist. Heute setzt er Mut lieber in seinem Unternehmen ein, um Personalnot zu lindern oder Strom zu produzieren.Thorsten Firlus 26.04.2024 - 04:05 Uhr
Training in der Jochen Schweizer Arena. Foto: Bongarts/Getty Images

München. Jochen Schweizer war Stuntman und ist bekannt geworden durch sein Unternehmen, das Erlebnisse wie Bungee-Jumping in Deutschland bekannt gemacht hat. Nach dem Verkauf eröffnete er 2017 seine nach ihm benannte Arena im Süden Münchens.

Dort können Besucher im Windtunnel fliegen, Wellen reiten, im Freiluftgelände klettern oder Konferenzen veranstalten. Angeschlossen ist eine umfangreiche Gastronomie für Besucher und Events. 

Herr Schweizer, Sie haben die Arena mit eigenen Mitteln finanziert. Braucht es mehr Mut, das eigene Geld zu investieren oder sich zu verschulden?
Mut ist nicht anderes als das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Es ist eine Frage der Risiko-Allokation. Ein Unternehmer, der erheblich eigenes Geld investiert und damit haftet, ist „all in“. Das ist riskanter, aber die Freiheiten, zu entscheiden sind größer. Und diese nutzen zu haben ist wichtig, gerade in problematischen Zeiten. 

Worin zeigte sich das bei Ihnen?
Die jüngste Herausforderung wurde für die Arena zweifelsfrei durch die Entwicklung des Strompreises ausgelöst. Als wir die Arena geplant haben, legten wir einen Strompreis von 25 Cent pro Kilowattstunde zugrunde. In der jüngeren Vergangenheit stieg der Strompreis phasenweise auf über 50 Cent. Das wurde angesichts der energieintensiven Technologien, zu denen neben Wasserwelle und Windtunnel auch eine große Küche gehört, ein Problem. Dafür brauchten wir Lösungen.

Welche sind das?
Ich habe mich mit dem Thema Photovoltaik auseinandergesetzt. Das Wissen dazu ist frei verfügbar, aber es ist erforderlich, dass man sich nicht weg duckt, sondern sich aktiv mit dem Problem beschäftigt. Ich habe mir dann zum Ziel gesetzt, unseren Strombedarf mittels einer eigenen Freiflächen- Solaranlage zu produzieren und die Arena mittels einer Direktleitung mit selbsterzeugtem Sonnenstrom vollständig zu versorgen. Dafür bin ich im unmittelbaren Umland von Taufkirchen von Landwirt zu Landwirt gefahren, um die dafür erforderliche Fläche zu pachten.

400 Firmenveranstaltungen jährlich zählt Schweizer eigenen Angaben zufolge in seiner Arena. Foto: Handelsblatt

Und das hat geklappt?
Ja. Sicher hat mir geholfen, dass mich die Menschen kennen und ich auf persönlicher Ebene bescheiden auftretend den Kontakt gesucht habe. Ich fahre den neuen BMW XM Hybrid – ein großartiges Auto mit auffälligem Design. Für meine Besuche auf den Höfen bin ich aber auf einen älteren X3 umgestiegen, einfach um kein Aufsehen zu erregen. Wenn Sie den Menschen auf Augenhöhe aufrichtig begegnen, dann hören sie auch zu. So gelang es, die Fläche für einen fünf Hektar großen Solarpark zu pachten.

Wir investieren nun gemeinsam mit unseren Partnern über sieben Millionen Euro. Wenn die Anlage fertig gestellt ist, können wir Strom für etwa 12 Cent die Kilowattstunde produzieren. Wir liefern den Strom aus dem Solarpark dann über eine zwei Kilometer lange unterirdische Leitung direkt in die Arena. Unser Solarpark ist dabei so groß ausgelegt, dass er nicht nur die Arena versorgt, sondern wir doppelt so viel Strom erzeugen, als die Arena benötigt. Den Überschuss speisen wir in die öffentliche Versorgung ein und tragen damit zur nachhaltigen Energieversorgung der umliegenden Gemeinden bei. Aber auch für unsere Kunden ist zunehmend wichtig, dass ihre Veranstaltungen mit Sonnenstrom versorgt werden. Und mein Fahrzeug kann ich künftig auch mit selbsterzeugtem Strom laden – ein gutes Gefühl! So wurde aus der schwierigen Situation eine neues Geschäftsmodell.

Gelingt das immer?
Nein, aber wer entschlossen handelt, findet oft Lösungen. Als die Coronabeschränkungen so waren, dass wir in der Arena ausschließlich Gäste mit aktuellem Testergebnis einlassen durften, haben wir umgehend eine Drive-Through-Teststation aufgebaut. Die wurde plötzlich ein eigenes Profitcenter, was gar nicht unser Plan war, denn sie wurde von sehr vielen Menschen genutzt, die lediglich den Test wollten. Auch das hat uns geholfen, durch diese Phase zu kommen. Der Lockdown hat uns in eine Situation gebracht, dass das Personal, das wir bis dahin beschäftigt hatten, in der Gastronomie trotz Kurzarbeitshilfen teils unter Tränen gekündigt hat. Viele sind in neuen Berufen untergekommen und nicht zurückgekehrt. Der Fachkräftemangel in der Gastronomie ist derzeit ein Thema, das alle Gastronomen sehr beschäftigt.

Erfordern die möglichen Lösungen auch Mut?
Ja, denn wir starten nun mit etwas, von dem ich nicht weiß, ob es am Ende auch funktioniert. Die Grundlage unseres Angebots ist primär, dass die Qualität der Produkte und Speisen an erster Stelle steht, ganz gleich, ob es sich um ein schnelles Mittagsmenü, ein romantisches Candle Light Dinner oder ein Buffet für 500 Gäste handelt. Das ist unser Anspruch, den wir nicht ändern werden. Deswegen haben wir nach Ende des Lockdowns zuerst an der Quelle der Qualität, unserer Küche angesetzt und einen sehr guten, erfahrenen Küchenchef verpflichtet.

In unserer Arena haben wir sehr unterschiedliches Gastro-Geschäft: Zum einen Gäste aus der näheren Umgebung, die einfach nur gut essen wollen, andererseits große Firmenveranstaltungen mit bis zu 1500 Personen. Und werktäglich kommen aus den umliegenden Unternehmen zahlreiche Angestellte, um ihre Mittagspause bei uns zu verbringen. Letztere haben ein enges Zeitlimit. Ich habe in Korea ein System gesehen, bei dem die Gäste beim Ankommen einen QR-Code scannen und unmittelbar aus diversen Mittagsmenüs wählen können.

Wo ist der Vorteil?
Ab der Bestellung läuft auf den Smartphones ein Timer. Unser Versprechen ist, dass das bestellte Essen spätestens zehn Minuten später an den Tisch gebracht worden ist, ansonsten kostet das Essen nichts. Mit diesem System eliminieren wir für den Kunden, der wenig Zeit hat, sowohl die Wartezeit bis zur Bestellung als auch die Wartezeit bis zur Bezahlung. Die Qualität des Essens bleibt derweil erstklassig. So verkürzt sich die Anwesenheit der Mittags- Gäste um etliche Minuten und das Personal kann sich auf das Servieren und Abräumen konzentrieren, bezahlt wird per Smartphone und nur auf Wunsch beim Mitarbeiter, das wünschen vor allem ältere Gäste oft noch. „Kann das bei uns funktionieren?“ wurde zweifelnd gefragt. Unsere Antwort: „Wir machen das einfach.“

Lässt es sich noch weiter optimieren?
Ja, denn in einem weiteren Schritt installieren wir auf den Tischen sogenannte Cubes, auf denen die Gäste wählen können, ob sie selbst bestellen wollen oder - mit etwas mehr Zeit - bei einer Kellnerin oder einem Kellner gut beraten ihr Menü wählen wollen. Und die digitale Bestell- und Bezahl-Option dehnen wir auf die gesamte große Karte aus. Das sind alles Themen, die im Alltag entstehen, die vielleicht nicht nach den großen strategischen Entscheidungen klingen, aber zeigen, dass es Detailkenntnis, tiefgehende Informationen und Mut für neue Wege braucht, um als Unternehmen am Markt erfolgreich zu bleiben.

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