Unternehmensberater: Stefan Penthin übernimmt Führung von Bearing Point
Düsseldorf. Die internationale Management- und Technologieberatung Bearing Point hat einen neuen Chef: Der Deutsche Stefan Penthin übernimmt die Position des Global Managing Partner. Er folgt auf Kiumars Hamidian. Der 56-Jährige stellt sich nach sechs Jahren im Amt wie geplant nicht zur Wiederwahl und will sich Anfang 2025 in den Ruhestand verabschieden.
„Ich freue mich auf die neue Aufgabe“, sagte Penthin dem Handelsblatt am Mittwoch. „Ich werde mich mit voller Kraft für den langfristigen Erfolg unserer Kunden und unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einsetzen.“ Bearing Point habe ein starkes Team und verfüge über ein schlagkräftiges Angebotsportfolio, das von Innovationsgeist und Unternehmertum geprägt sei.
Der 51-jährige Penthin, der seit einigen Jahren schon dem Global Management Team angehört, wurde in einem Auswahlverfahren von allen Partnern nach dem Prinzip „Ein Partner – eine Stimme“ gewählt. Er übernimmt die Führung der Beratung zum 1. September aus dem Münchener Büro.
Kiumars Hamidian hat kräftig zugekauft
Fraglich ist, ob Penthin den ambitionierten Expansions- und Wachstumskurs seines Vorgängers fortführen kann. Der Markt ist zum einen von Preisdruck durch eine Wirtschaftskrise geprägt, zum anderen bietet er aber auch große Transformationsaufgaben und damit Beratungsaufträge.
Bearing Point war lange Zeit nur Insidern bekannt. Das hat sich in den vergangenen Jahren unter der Führung von Kiumars Hamidian geändert. In der Amtszeit des Deutschen wurden 13 Akquisitionen abgeschlossen, eine neue Tochtergesellschaft in Indien eröffnet und das Geschäft in den USA und China ausgebaut.
Die Folge: starkes Umsatzwachstum und zunehmende Bekanntheit. Im Jahr 2023 machte die Partnerschaft, die ihren Sitz in Amsterdam hat, erstmals mehr als eine Milliarde Euro Umsatz, ein Plus von 18 Prozent zum Vorjahr. Sie ist damit ähnlich groß wie die größte deutsche Managementberatung Roland Berger.
2024 soll Bearing Point erneut über dem Branchendurchschnitt wachsen. „Wir planen ein zweistelliges organisches Umsatzwachstum und weitere strategische Fusionen und Übernahmen“, erklärte Hamidian, der die Beratung seit 2018 aus der Düsseldorfer Niederlassung führt, im Februar.
Bearing Point wächst in Deutschland stark
Deutschland ist für Bearing Point seit Langem der größte Markt. 2023 machte die Gesellschaft hierzulande 463 Millionen Euro Umsatz und beschäftigte knapp 1900 Mitarbeitende.
Unter Führung von Regionalchefin Iris Grewe wuchs die Beratung hierzulande eigenen Angaben zufolge im vergangenen Jahr sogar um 20 Prozent. Die Berater arbeiteten unter anderem für 32 der 40 Dax-Unternehmen sowie für zwölf Bundesministerien.
Grewe selbst, die wie alle anderen Regionalchefs auch dem zwölfköpfigen Global Management Team angehört, stand nach Informationen des Handelsblatts nicht zur Wahl zum neuen Gesamtchef.
Penthin zeichnete sich in den vergangenen Jahren als globaler Leiter für die Marktsegmente von Bearing Point sowie den Bereich Automobil und Industrie aus. Er ist seit 23 Jahren im Unternehmen, seit 2012 Partner. In dieser Zeit verantwortete er globale Projekte und Unternehmenstransformationen in der Auto- und Fertigungsindustrie. Sein Geschäft als Berater lernte er einst bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG.