Energiekonzerne: Nach Streit um Rubel-Forderungen: Uniper und RWE haben ihre Mai-Gasrechnung an Russland überwiesen
Auf den Gaszahlungen des Konzerns Uniper lag ein besonders Augenmerk.
Foto: dpaDüsseldorf. Erstpublikation: 01.06.22, 10:39 Uhr. Die Energiekonzerne RWE und Uniper haben ihre im Mai fälligen Rechnungen für russisches Gas in Euro bezahlt. Ein Uniper-Sprecher sagte dem Handelsblatt: „Wir haben – wie andere deutsche und europäische Unternehmen vor uns – den Zahlungsweg für Gaslieferungen aus Russland umgestellt. Die erste dieser Zahlungen ist Ende Mai erfolgt.“
Uniper zahle in Euro im Einklang mit dem neuen Zahlungsmechanismus, handle sanktionskonform und könne weiterhin eine fristgerechte Vertragserfüllung gewährleisten. Das Vorgehen sei so im Vorfeld mit der Bundesregierung abgestimmt worden und folge den entsprechenden EU-Leitlinien. Auch RWE bestätigte dem Handelsblatt, dass das Unternehmen den Betrag in Euro auf ein Konto bei der Gazprombank überwiesen habe. Zuerst hatte die „Rheinische Post“ darüber berichtet.
Gas: Euro-Zahlungen von Uniper und RWE als positives Signal
Die Zahlungen sind ein positives Signal im Bangen um russische Gaslieferungen. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte vor einigen Wochen per Dekret verlangt, dass sogenannte „unfreundliche Staaten“ ihre Energierechnungen an Russland in Rubel zahlen müssen. Genau das aber lassen die europäischen Sanktionen nicht ohne Weiteres zu. Entsprechend war europäischen Gasimporteuren lange unklar, wie sie ihre Energie bezahlen sollen, ohne dabei entweder EU-Sanktionen zu brechen oder gegen russische Forderungen zu verstoßen.
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Als Lösung gibt es inzwischen Vorgaben der Europäischen Kommission. Sie erlauben es den europäischen Unternehmen, in Euro Geld auf Konten bei der russischen Gazprombank zu überweisen. Die Bank tauscht dieses Geld von Euro in Rubel um und überweist es dann auf das eigentliche Geschäftskonto.
Nicht alle Gasimporteure bezahlen ihre Rechnungen an Russland am gleichen Tag. Entsprechend haben andere Unternehmen wohl bereits Energierechnungen an Russland in Euro beglichen. Bei Uniper und RWE allerdings stand die Zahlung für Ende Mai an. Darauf lag ein besonderes Augenmerk, denn Uniper ist der größte deutsche Importeur von Gas aus Russland.
Sorgen über Gaslieferstopp aus Russland bleiben bestehen
Das Gas-Midstream-Geschäft von Uniper umfasst ein Portfolio von rund 370 Terawattstunden (TWh) an langfristigen Gaslieferverträgen, rund 200 TWh davon stammen aus Russland. RWE hingegen hatte mit Gazprom einen langfristigen Vertrag über die Lieferung von lediglich 15 TWh Erdgas bis 2023 abgeschlossen.
Ob Russland Gaszahlungen einzelner Unternehmen aus dem Westen akzeptiert, ist immer wieder fraglich: Am Mittwoch hatte der russische Energieriese Gazprom dem dänischen Versorger Orsted und der Shell Energy Europe den Gashahn zugedreht. Von russischem Gas abgeschnitten sind zudem bereits Bulgarien, Polen, Finnland und die Niederlande. Das nährt Sorgen, dass es auch in Deutschland noch zu einem Gaslieferstopp kommen könnte, worauf das Land schlecht vorbereitet wäre.
In Deutschland ist noch immer unklar, wie genau das Erdgas bei einem akuten Engpass verteilt werden würde. Die Bundesnetzagentur hat zwar Unternehmen, die Gas benötigen, nach ihren Bedarfen gefragt, kann die Ergebnisse der Umfrage aber bislang nach eigenen Angaben nicht adäquat auswerten. Ein plötzlicher Gaslieferstopp dürfte deshalb für Chaos sorgen.