Strompreis aktuell: Wie teuer ist die Kilowattstunde in Deutschland 2024?
Düsseldorf. Nach zwei Jahren Energiepreiskrise haben sich die Strompreise zwar wieder auf einem niedrigeren Niveau eingependelt.
Trotzdem bleiben die Energiekosten in Deutschland vergleichsweise hoch – und könnten in den kommenden Jahren spürbar steigen. Warum ist das so, und wie setzt sich der Strompreis zusammen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Wie hoch ist der Strompreis aktuell in Deutschland?
Der Strompreis für Neukundinnen und -kunden liegt im November laut Verivox bei rund 28 Cent je Kilowattstunde (Stand: 13. Dezember 2024).
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Dem Statistischen Bundesamt zufolge kostete die Kilowattstunde Strom für Endverbraucher im ersten Halbjahr 2024 im Schnitt 41,02 Cent. Das entspricht einem Rückgang von 1,7 Prozent im Vergleich zur zweiten Jahreshälfte 2023. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2023 sanken die Strompreise um drei Prozent.
Seit dem Herbst 2021 hatten die Preise in Deutschland eine regelrechte Rally hingelegt. Zunächst stieg die Nachfrage nach dem Auslaufen der weltweiten Corona-Lockdowns sprunghaft an.
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Nach Beginn des Ukrainekriegs im Februar 2022 trieb vor allem der Mangel an Erdgas die Strompreise. Mittlerweile haben sich die Energiebörsen wieder deutlich abgekühlt.
Wie setzt sich der Strompreis in Deutschland zusammen?
Der Strompreis in Deutschland besteht vor allem aus Kosten für Beschaffung und Vertrieb, die Entgelte für die Netznutzung und die staatlich veranlassten Bestandteile wie Steuern, Abgaben und Umlagen.
Durch den Wegfall der Erneuerbare-Energie-Umlage (EEG) haben sich die Abgaben auf den Strompreis deutlich verringert. 3,7 Cent wurden den Bürgern bis zum ersten Halbjahr 2022 noch für den Ausbau der erneuerbaren Energien pro Kilowattstunde in Rechnung gestellt. Seit dem zweiten Halbjahr 2022 wird die EEG-Umlage aus dem Bundeshaushalt bezahlt.
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Ein anderer Teil der Stromrechnung dagegen steigt: die Netzentgelte, die ohnehin schon einen großen Anteil des Strompreises ausmachen.
Was sind Netzentgelte?
Netzentgelte sind die Gebühren, die für den Betrieb und den Ausbau der Stromnetze anfallen. Sie werden von den Netzbetreibern berechnet. Die Energiewende ist für das Stromnetz eine besondere Herausforderung.
Dieses muss so umgebaut werden, dass ein vormals dezentrales System weniger Kraftwerke auf Millionen von Solaranlagen und Windrädern umgestellt werden kann.
Das Problem: Der Ausbau ist teuer und sorgt insbesondere im dünn besiedelten, aber windenergiereichen Norden und Osten Deutschlands seit Jahren für steigende Netzentgelte.
Warum steigen die Netzentgelte?
Zuletzt sind die Netzentgelte, die regional schwanken, gestiegen. Hintergrund ist die Entscheidung der Bundesregierung, einen geplanten Zuschuss zur Stabilisierung der Netzentgelte in Höhe von 5,5 Milliarden Euro für 2024 wegen der Haushaltskrise zu streichen.
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Die Netzbetreiber kündigten daraufhin an, die Netzentgelte von rund drei Cent die Kilowattstunde auf mehr als sechs Cent zu erhöhen. Einige Versorger kündigten bereits an, ihre Preise deswegen zu erhöhen.
Steigen damit auch die Strompreise?
Schaut man auf die Neukundenangebote, sinken diese aber sogar im ersten Halbjahr 2024. Anders verhält es sich dagegen bei den durchschnittlichen Preisen für Bestandskunden.
Hier kostet eine Kilowattstunde Strom mittlerweile rund 34,92 Cent. Das ist einer der höchsten Strompreise für Endkunden weltweit. Vor zehn Jahren lag dieser Preis noch bei rund 28 Cent. Das entspricht einer Steigerung von über 32 Prozent.
Wie teuer war die Kilowattstunde Strom 2023 im europäischen Vergleich?
Laut Daten des Statistischen Bundesamtes liegen die Strompreise für Haushaltskunden in Deutschland deutlich über dem Rest der Europäischen Union.
Insgesamt hat die Bundesrepublik die vierthöchsten Strompreise. Teurer sind nur noch die die Niederlande, Belgien und Rumänien.
Strompreis: Was ist der Grundpreis?
Der Grundpreis ist ein fester Betrag, den Verbraucher regelmäßig für die Bereitstellung von Strom im Haushalt oder Unternehmen zahlen müssen. Er wird auch als Grundgebühr oder Grundtarif genannt und unabhängig vom Arbeitspreis pro Monat oder Jahr abgerechnet.
Der Grundpreis deckt die grundlegenden Kosten für den Zugang zum Stromnetz, den Betrieb des Stromzählers, Verwaltungskosten und andere feste Ausgaben des Energieversorgers ab. Der Grundpreis ist daher meist stabil, losgelöst vom tatsächlichen Stromverbrauch.
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Strompreis: Was ist der Arbeitspreis?
Der Arbeitspreis ist Teil des Strompreises. Verbraucher müssen ihn für jede verbrauchte Kilowattstunde (kWh) Strom bezahlen. Er orientiert sich damit im Gegensatz zum Grundpreis am realen Energieverbrauch.
Die Kosten für den Arbeitspreis berechnen Energieversorger in Cent pro Kilowattstunde und können sich je nach Anbieter und Tarif unterscheiden. Er beinhaltet die Kosten für Erzeugung, Transport und Verkauf von Strom.
Der Artikel erschien erstmals im Februar 2024. Er wurde zuletzt am 13.12.2024, 09:00 Uhr, überarbeitet und aktualisiert.