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Arbeitskräftemangel20.000 offene Stellen – so will die Deutsche Bahn die Lücken schließen

Das Staatsunternehmen braucht dringend neues Personal, doch Fachkräfte sind knapp. Die Deutsche Bahn versucht alles, um die Personalnot zu mildern.Jens Koenen 22.02.2022 - 08:22 Uhr Artikel anhören

Die Probleme der Deutschen Bahn sind symptomatisch für die gesamte deutsche Wirtschaft.

Foto: imago/Ralph Peters

Frankfurt. Wenn die Ampelregierung in Berlin die ganze Wucht des Arbeitskräftemangels live erleben will, muss sie nur auf ihr eigenes Staatsunternehmen schauen. Im vergangenen Jahr mussten hier 22.000 Stellen neu besetzt werden, in diesem Jahr sind es 21.000. Und so geht es weiter.

„Wir werden auch in den nächsten Jahren in ähnlichem Umfang einstellen, in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts werden es etwas weniger sein, weil dann die Babyboomer weitgehend im Ruhestand sein werden“, sagte Personalvorstand Martin Seiler dem Handelsblatt. Werden jährlich rund 20.000 Stellen zugrunde gelegt, würde sich der Personalbedarf des Schienenkonzerns bis 2030 auf beachtliche 180.000 Beschäftigte summieren.

Die Probleme der Deutschen Bahn sind symptomatisch für die gesamte deutsche Wirtschaft. Der demografische Wandel lässt das Reservoir an Erwerbsfähigen in der Heimat schrumpfen. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden die Bahn in den kommenden Jahren verlassen, erklärt Seiler. Gleichzeitig wolle das Unternehmen wachsen. Das alles treffe auf einen sehr engen Arbeitsmarkt.

Dass der Personalvorstand des Staatsunternehmens sich viel Zeit nimmt, um über die Maßnahmen und Initiativen zu sprechen, zeigt, wie groß die Not ist. „Wir müssen alle Möglichkeiten ausschöpfen“, räumt Seiler ein. Man müsse sich wirklich anstrengen.

Etwa im Ausland. „Wir haben ein eigenes Cross-Border-Recruitingteam aufgebaut und suchen gezielt im Ausland, überwiegend in der EU“, nennt der Personalchef ein Beispiel. Es geht um Lokführer aus Spanien, Busfahrer aus Rumänien oder Oberleitungsbauer aus der Ukraine.

Ohne heimische Arbeitskräfte ist der Engpass nicht zu beheben

Da auch in der EU Arbeitskräfte knapp werden, blickt die Bahn auch in weiter entfernte Regionen. „Ich schließe nicht aus, dass wir in Zukunft auch stärker jenseits der EU schauen werden. Wir sind zum Beispiel schon in der Türkei in Gesprächen“, sagte Seiler.

Dabei hat das Personalteam des Staatskonzerns eines lernen müssen. Die Personalakquise im Ausland funktioniert nicht so gut, wenn potenzielle Arbeitnehmer ihre Qualifizierung zunächst in ihrer Heimat vornehmen. „Es ist wichtig, dass diese Menschen ihre Ausbildung und Qualifikation hier in Deutschland machen. Es geht darum, dass sie sich frühzeitig etablieren wollen und können“, berichtet Seiler von seinen Erfahrungen.

Auch Flüchtlinge sind als potenzielle Arbeitskräfte interessant für die Bahn. So gibt es spezielle Integrationsprogramme. „Wir kümmern uns zum Beispiel um den Wohnraum und stellen Soziallotsen zur Seite für die alltäglichen Dinge wie den Gang zum Arzt oder zu einer Behörde“, erzählt Seiler.

Allerdings weiß Seiler, dass der enorme eigene Personalbedarf ohne den heimischen Arbeitsmarkt nicht zu decken ist. Um die angebotenen Stellen auch für heimische Arbeitskräfte attraktiver zu machen, wird der Staatskonzern nun erstmals mobile Stellen ausschreiben – sogenannte „Wo-du-willst-Jobs“. Dabei kann eine in Berlin ausgeschriebene Stelle zum Beispiel auch von München aus ausgeübt werden.

Eine zweite Kampagne wird sich an die Frauen richten. „Wir wollen nicht nur mehr weibliche Führungskräfte, das Ziel ist es, bei der Bahn insgesamt mehr Frauen zu beschäftigen“, sagte Seiler. So will die Bahn den Spieß einen Monat lang umdrehen und sich ihrerseits im März bei den Frauen bewerben – mit speziellen Recruiting-Events und virtuellen Veranstaltungen mit Expertinnen.

Integration von Langzeitarbeitslosen

Außerdem schauen die Personalverantwortlichen, wo andere Unternehmen gerade Personal abbauen. „Wir arbeiten gezielt mit Unternehmen wie Bosch, Lufthansa und Continental zusammen, die Personal abbauen. Wir schauen, wo sich Qualifikationen mit unserem Bedarf decken“, sagt Seiler.

So übernimmt der Staatskonzern zum Beispiel in Cottbus Mitarbeiter des Versorgers LEAG aus dem Kohleabbau. Mechatroniker, Elektroniker oder Industriemechaniker von dort kann das Unternehmen gut in dem neuen ICE-Werk brauchen, das gerade in der Region entsteht.

Das Staatsunternehmen sucht jährlich rund 20.000 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Foto: imago images/Reiner Zensen

Langzeitarbeitslose sind ebenfalls ein Reservoir, aus dem sich die Bahn bedienen will. Man habe gute Erfahrung mit der Reintegration gemacht. In vielen Fällen seien Schicksalsschläge die Ursache. „Wir sprechen auch gezielt die über 50-Jährigen an. Im vergangenen Jahr kamen 14 Prozent der Neueinstellungen aus dieser Gruppe“, ergänzt Seiler: „Es sind Menschen, die häufig über sehr gute Qualifikationen verfügen.“

Da der Personalbedarf auch in den nächsten Jahren hoch bleiben wird, verstärkt der Staatskonzern zudem das Thema Ausbildung. „Wir müssen noch stärker als bisher junge Menschen an die Ausbildung heranführen. Das gilt auch für jene, die die Schule ohne Abschluss verlassen.“

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Allein im laufenden Jahr sucht die Bahn 5200 Auszubildende. „Wir müssen langfristig, vorausschauend denken und jetzt verstärkt ausbilden, damit wir in drei oder vier Jahren die Lücken geschlossen haben“, sagt Seiler.

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