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Dax-Konzern Post-Hauptversammlung: Aktionäre rügen Unternehmenskontrolleure

Die rasante Geschäftsentwicklung bringt dem Post-Vorstand Lob ein. Doch es gibt auch Kritik – unter anderem an einer geplanten Offerte an die Aktionäre.
06.05.2021 Update: 06.05.2021 - 16:48 Uhr Kommentieren
Aktionäre dürfen sich über eine Rekorddividende freuen.
Post-Vorstandschef Frank Appel

Aktionäre dürfen sich über eine Rekorddividende freuen.

Düsseldorf Für Post-Chef Frank Appel glich die virtuelle Hauptversammlung diesmal einem Heimspiel. „Unser Unternehmen war noch nie in so guter Form“, rief der 59-Jährige seinen Aktionären via Internet zu. Erfolg sei in der Logistikbranche üblicherweise eng an wirtschaftliches Wachstum gekoppelt, erinnerte er. „Wir hingegen konnten auch in einem Jahr, in dem die Weltwirtschaft einbrach, zuverlässig liefern.“

Mit einem Umsatz, der im ersten Quartal 2021 mehr als 20 Prozent über dem Vorjahr lag, einer Vervierfachung des Betriebsgewinns in den ersten drei Monaten dieses Jahres und einer Dividendenerhöhung von 1,15 auf 1,35 Euro je Aktie erntete der seit 2008 amtierende Vorstandsvorsitzende das Wohlwollen der Anteilseigner. Sie können sich derzeit zudem über einen Rekordwert beim Aktienkurs freuen, der mit rund 50 Euro fast doppelt so hoch liegt wie vor zwölf Monaten.

Dennoch gab es unter den Anteilseignern auch kritische Stimmen. „Die Deutsche Post ist zu Höchstleistungen fähig, wie sie in der Coronakrise gezeigt hat“, lobte Patrick Schuchter, Fondsmanager bei Union Investment. Zudem begrüße man, dass die Deutsche Post beim Klimaschutz eine Vorreiterrolle anstrebe und ihre absoluten Emissionen bis 2030 auf unter 29 Millionen Tonnen deutlich senken will.

Kritisch aber sehe man die geplante Offerte an die Aktionäre. „Wir glauben nicht daran“, sagte Schuchter, „dass Aktienrückkaufprogramme wertschaffend für die Aktionäre sind.“

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    Vor wenigen Wochen hatte der Bonner Dax-Konzern angekündigt, eine Milliarde Euro über Aktienrückkäufe an die Anteilseigner zurückzugeben. Als Grund nannte Finanzchefin Melanie Kreis eine „Über-Liquidität“, die durch einen 2,5 Milliarden Euro schweren Free Cashflow im vergangenen Geschäftsjahr zustande kam. Zudem hatte sich der Konzern über drei Anleihen 2,25 Milliarden Euro auf dem Kapitalmarkt besorgt, die am Ende kaum genutzt werden mussten.

    Kritik am Aktienrückkauf

    Doch ganz ähnliche Kritik wie Union Investment äußerte auch Winfried Mathes von Deka Investment. „Die Deka sieht Aktienrückkäufe insbesondere dann kritisch“, erklärte er, „wenn ein Unternehmen über genügend Investitionsmöglichkeiten verfügt.“ Er stimme deshalb gegen diesen Plan.

    Union und Deka Investment votierten ebenso gegen die Verlängerung des Aufsichtsratsmandats für Nikolaus von Bomhard. Beim Chef des Kontrollgremiums bemängeln die Fondsgesellschaften eine Ämterhäufung.

    Auf dem Podium wies dieser den Vorwurf zurück. Es sei zwar korrekt, dass der Deutsche Corporate Governance Kodex ein Limit von fünf Aufsichtsratsmandaten empfehle, wobei ein Gremienvorsitz doppelt zählt. Mit seinen rechnerisch sechs Mandaten sei er aber „nicht in einer Weise belastet“, dass er die Erwartungen nicht erfüllen könne.

    Einig waren sich beide Fondsgesellschaften auch in ihrer Kritik, die den Prüfungsausschuss-Vorsitzenden Stefan Schulte betraf. Der Vorstandschef der Flughafengesellschaft Fraport gehöre dem Aufsichtsrat schon seit zwölf Jahren an, monierte Schuchter. Laut dem neuen Deutschen Corporate Governance Kodex sei ein Mitglied des Aufsichtsrats nach dieser Zeit nicht mehr unabhängig. „Zudem soll der Vorsitzende des Prüfungsausschusses ein unabhängiger Kandidat sein“, forderte Mathes.

    „Wir lehnen eine solch schematische Bewertung ab“, sprang von Bomhard seinem Aufsichtsratskollegen zur Seite. „Stefan Schulte steht für eine unabhängige Handhabe seiner Aufgaben.“

    Deutsche Post will bis 2030 sieben Milliarden Euro ausgeben

    Vorstandschef Appel selbst äußerte sich zu den Vorwürfen der Aktionärsvertreter nicht. Stattdessen verwies er auf die hochgesteckten Ziele des Konzerns, für die man nun die Grundlage geschaffen habe. „Wir haben so viel Finanzkraft aufgebaut, dass wir massiv investieren können“, sagte er, „in unser globales Netz, in modernste Hubs, in eine starke IT, in immer bessere Sortieranlagen, Hightech-Läger und eine grüne Flotte.“

    So will die Deutsche Post bis 2030 eine Summe von sieben Milliarden Euro ausgeben, um ihren CO2-Ausstoß drastisch zu senken. Mehr noch als bisher wolle man bei kurzen Distanzen auf elektrische Fahrzeuge setzen, sagte Appel. 60 Prozent der Zustellflotte wolle man bis 2030 elektrisch betreiben. Aktuell sind es noch weniger als 20 Prozent.

    Im Luftverkehr werde man auf Treibstoffe aus nachhaltigen Rohstoffen und erneuerbaren Energien setzen. „Mindestens 30 Prozent des Bedarfs möchten wir durch nachhaltige Kraftstoffe decken“, versprach der Vorstandschef, „und zwar in der Luftfracht und im Fernverkehr.“ Darüber hinaus investiere man in umweltfreundliche Immobilien, wobei alle neuen Gebäude klimaneutral sein sollen.

    Die Kritik am Aktienrückkaufprogramm ließ Appel nicht gelten. „Vom Markt wurde die Maßnahme als starkes positives Signal aufgenommen“, sagte er. Auch in Zukunft werde man dieses Instrument nutzen, sobald es im Unternehmen erneut zu einer „Über-Liquidität“ kommt.

    Am Nachmittag stimmten die Anteilseigner dem Aktienrückkaufprogramm zu. Auch Aufsichtsratschef von Bomhard wurde mit knapp 80 Prozent der Stimmen bestätigt, während die ebenfalls zur Wiederwahl stehenden Aufsichtsrätinnen Katja Windt und Ingrid Deltenre jeweils rund 98 Prozent erhielten.

    Mehr: Deutsche Post wächst so stark wie nie – Auch UPS und Fedex profitieren vom Paketboom.

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