Geschäftszahlen: Richemont sieht sich für Abkühlung der Luxusnachfrage gerüstet
Der Luxusgüterkonzern Richemont hat im vergangenen Quartal weniger umgesetzt als zuvor.
Foto: ReutersZürich. Uhren und Schmuck des Luxusgüterkonzerns Richemont haben im Sommerquartal an Anziehungskraft eingebüßt. Der Umsatz des Cartier-Herstellers wuchs von Juli bis September währungsbereinigt um fünf Prozent auf 4,9 Milliarden Euro, wie das Schweizer Unternehmen am Freitag mitteilte. Im Frühling hatte sich das Wachstum noch auf 19 Prozent belaufen.
Inflation, die konjunkturelle Abkühlung und geopolitische Spannungen hätten begonnen, die Stimmung der Kunden zu beeinflussen, erklärte Verwaltungsratspräsident Johann Rupert. Dazu komme, dass sich die Stimmung im Schlüsselmarkt China angesichts der Immobilienkrise und einer rekordhohen Jugendarbeitslosigkeit eingetrübt habe.
Richemont gehe aber gut gerüstet in die Abkühlungsphase. Der Konzern verfüge über Milliarden an Barmitteln, um weiterhin auch in Boutiquen, Produkte und Marketing zu investieren. „Ich bin sehr positiv, was die mittelfristigen Aussichten angeht. Ich bin seit 1976 mit Cartier verbunden, glauben Sie mir, ich habe eine Menge Höhen und Tiefen gesehen“, sagte er. Richemont werde die Gelegenheit nutzen, um Marktanteile zu gewinnen.
Uhrensparte setzte im dritten Quartal weniger um
Im dritten Quartal schlug sich Richemont im Hauptgeschäft Schmuck noch wacker. Die Verkaufserlöse mit Produkten der Marken Cartier, Van Cleef & Arpels und Buccellati zogen um neun Prozent an. Dagegen setzte die Uhrensparte mit Marken wie A. Lange & Söhne oder IWC weniger um. Damit hinkte Richemont der Schweizer Uhrenbranche gemessen an den Exportzahlen hinterher.
ZKB-Analyst Patrik Schwendimann sprach von einer enttäuschenden Entwicklung des Richemont-Uhrengeschäfts. Auch beim weltgrößten Luxusgüterkonzern, der französischen LVMH , kühlte das Geschäft im dritten Quartal ab, der Umsatz des Uhren- und Schmuckgeschäfts stieg noch um drei Prozent.
Während Richemont beim Sechsmonats-Umsatz die Analystenerwartungen knapp erfüllte, lag der Gewinn mit 1,5 Milliarden Euro deutlich unter den Schätzungen. Das Genfer Unternehmen gab mehr für Verkauf, Distribution und Werbung aus, dazu kam eine Wertberichtigung beim Onlinehändler Yoox-Net-a-Porter (YNAP). Richemont will einen Anteil von 47,5 Prozent an YNAP an die britische Farfetch verkaufen, für den Deal sind allerdings noch nicht alle Bedingungen erfüllt. An der Börse verloren Richemont im Morgenhandel 6,4 Prozent.