Luftfahrt: Airline SAS meldet Insolvenz in den USA an und kämpft ums Überleben
Am Montag waren die Tarifverhandlungen der skandinavische Fluglinie mit ihren Piloten gescheitert.
Foto: VIA REUTERSStockholm. Die schwer angeschlagene Fluggesellschaft SAS hat Gläubigerschutz in den USA beantragt. Nur einen Tag, nachdem die Piloten der skandinavischen Airline in den Streik getreten sind, ist der Antrag auf Insolvenz nach US-Recht, das sogenannte Chapter-11-Verfahren, eine weitere Zuspitzung der finanziellen Situation.
Die Fluggesellschaft kämpft seit Monaten ums Überleben und hatte erst vor drei Wochen ihre beiden größten Aktionäre, die Regierungen von Dänemark und Schweden, um eine Kapitalerhöhung gebeten. Beide Staaten halten jeweils 21,8 Prozent an der Airline und stimmten einer Umwandlung von Schulden in Aktien zu. Erneute Finanzspritzen lehnten die beiden Regierungen jedoch ab.
Das jetzt eingeleitete Insolvenzverfahren nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts schützt die Airline zumindest zeitweise vor einem Zugriff durch ihre Gläubiger. „Wir sind sicher, dass uns dieser Prozess zu einer stärkeren und besseren Fluggesellschaft macht“, begründete SAS-Chef Anko van der Werff das Sanierungsverfahren nach Kapitel 11.
US-Airlines nutzten häufig diese Vorschrift, um Schulden oder teure Leasingverträge abzuschütteln. Auch nicht-amerikanische Fluggesellschaften wie Aeromexico und Philippine Airlines gingen während der Corona-Krise den Weg über US-Recht, um Lieferantenverträge neu zu verhandeln. Das amerikanische Recht schützt primär das angeschlagene Unternehmen, während zum Beispiel das deutsche Insolvenzrecht in erster Linie die Gläubiger schützt. Van der Werff betonte, dass der Flugbetrieb durch den Insolvenzantrag nicht gefährdet sei.
Dagegen belastet der Streik der SAS-Piloten für höhere Löhne den Flugbetrieb massiv. Eine Vielzahl von Flügen sind bereits eingestellt worden. Die Airline rechnet damit, dass etwa 30.000 Reisende pro Tag von dem Streik betroffen sind. Es sei eine schnelle Rückzahlung von gebuchten und bereits bezahlten Reisen geplant, sagt ein SAS-Sprecher.
Es ist nicht das erste Mal, dass die skandinavische Fluggesellschaft in schwere Turbulenzen geraten ist. Die Airline kämpft seit Jahren mit zu hohen Kosten und hat bereits mehrere Sparprogramme ohne größeren Erfolg durchgeführt.
Streik, Insolvenzantrag und komplizierte Eignerstruktur
Der Streik der Piloten, der Insolvenzantrag sowie die komplizierte Eignerstruktur haben bislang einen radikalen Sanierungskurs verhindert. Bis zum Ausstieg Norwegens aus der SAS kämpfte die Konzernleitung mit 39 Gewerkschaften in Dänemark, Schweden und Norwegen. Nachdem Norwegen 2018 seine Anteile an der SAS abgestoßen hat, ist die Situation etwas besser geworden.
Allerdings zeigt der gegenwärtige Streik der Piloten, dass der Anfang des Jahres vorgelegte Sanierungsplan „SAS Forward“ nur schwer umzusetzen ist. Dieser Sanierungsplan sieht eine jährliche Reduzierung der Kosten von 7,5 Milliarden Kronen (695 Millionen Euro) vor. Mit den Kreditgebern, Leasinggesellschaften und dem Personal wurden Verhandlungen eingeleitet. Doch immer wieder streiken Teile der Belegschaft gegen befürchtete Kürzungen.
Das jetzt eingeleitete Insolvenzverfahren nach Kapitel 11 soll nach SAS-Angaben neun bis zwölf Monate dauern. Während dieser Zeit will die Airline eine Umschuldung mit den Gläubigern aushandeln. Außerdem strebt die Fluggesellschaft eine Kapitalerhöhung an. Während die beiden staatlichen Eigner direkte Finanzspritzen abgelehnt haben, signalisierten einige private Investoren die Bereitschaft, weiteres Kapital in die Airline zu stecken.
Während der Insolvenzantrag nach US-Recht der SAS eine Atempause verschafft, bedroht der Streik der Piloten dagegen die Existenz der Airline. „Ich bin überrascht, dass es zum Streik gekommen ist“, erklärte Luftfahrt-Analyst Espen Andersen im norwegischen Radiosender NRK. „Wenn man in die SAS investiert, muss man andere Intentionen haben als Geld zu verdienen“, sagte er. Die SAS-Aktie gab zwischenzeitlich um mehr als 13 Prozent nach.