Mode: Unterwäschemarke Snocks übernimmt Oceansapart aus der Insolvenz
Düsseldorf. Der Unterwäsche- und Sockenspezialist Snocks hat das angeschlagene Modelabel Oceansapart aus der Insolvenz gekauft. Wie Snocks-Gründer und Co-Chef Johannes Kliesch dem Handelsblatt sagte, übernehmen sie nicht nur die Marke, sondern das komplette Unternehmen inklusive der verbliebenen Mitarbeiter.
„Für uns ist das strategisch eine sehr gute Ergänzung“, sagte der andere Co-Chef Rehan Choudhry. Snocks hat erst vor Kurzem sein Sortiment auf Sportmode für Damen erweitert – ein Segment, in dem Oceansapart seinen Schwerpunkt hatte. „Da können wir viel Know-how bekommen und unser Wachstum vorantreiben“, sagte Choudhry.
Oceansapart hatte im Juli am Amtsgericht Charlottenburg Insolvenz angemeldet. Seitdem suchte Insolvenzverwalter Florian Linkert von der Kanzlei BBL Brockdorff nach einem Käufer für das schwer angeschlagene Unternehmen. Nun bekommt die Marke, die zu ihren besten Zeiten mehr als 100 Millionen Euro Umsatz machte, eine neue Perspektive.
Umsatz von Oceansapart hat sich in diesem Jahr halbiert
Im vergangenen Jahr noch hatte Oceansapart versucht, die sich bereits abzeichnende Krise mit einer Neuausrichtung abzuwenden. Als neue Chefin war Silvana Bonello von Superdry gekommen. Doch auch die Branchenexpertin, die zuvor lange für Nike gearbeitet hatte, hat die Wende nicht geschafft. Mit der Insolvenz verließ Bonello das Unternehmen wieder.
Am Schluss verlief die Rettung von Oceansapart dramatisch. Anfang September hatte Snocks bereits eine Due Diligence (Sorgfaltsprüfung) gemacht, jedoch eine Absage erhalten, weil der Insolvenzverwalter sich für einen anderen Käufer entschieden hatte. Doch weil dieser wieder absprang, kam Snocks erneut in die Verhandlungen, berichtet Choudhry.
„Als wir dann endlich die Verträge unterzeichnen konnten, waren sehr viele Mitarbeiter bereits gekündigt oder hatten das Unternehmen verlassen“, sagt er. Zur Zeit des Insolvenzantrags hatte Oceansapart 129 Mitarbeiter, bei der Übernahme waren es nur noch 23. „Wir hätten gerne mehr Mitarbeiter übernommen“, sagt Choudhry.
Auch das Geschäft litt massiv unter der Insolvenz. Hatte Oceansapart 2023 noch einen Umsatz von 65 Millionen Euro, werden es dieses Jahr wohl nur etwa 30 Millionen Euro sein. „Unser Ziel für nächstes Jahr ist es, den Umsatz von Oceansapart zunächst zu stabilisieren, bevor wir in neues Wachstum gehen“, erklärt Kliesch.
Snocks selbst wächst gegen den Branchentrend. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen den Umsatz von 59 auf 72 Millionen Euro gesteigert. In diesem Jahr rechnet das Management mit einem Umsatz von 83 Millionen Euro – ohne Oceansapart.
Zahlreiche Modemarken sind in die Insolvenz gerutscht
„Wir stehen finanziell solide da und können uns Übernahmen leisten“, sagt Kliesch. Für ihn ist die Übernahme von Oceansapart deshalb ein Testfall. „Sollte die Integration erfolgreich verlaufen, sind wir offen für weitere Deals.“
Das Ziel ist der Aufbau eines Unternehmens mit mehreren Marken. Es sei jetzt der richtige Moment, antizyklisch zuzukaufen, sagt Kliesch. Angesichts der Krise in der Branche sind Marken zurzeit günstig zu bekommen.
Denn Oceansapart ist bei Weitem nicht die einzige Modemarke, die den Weg in die Insolvenz gehen musste. Nach Berechnungen der Restrukturierungsberatung Falkensteg nahm die Zahl der Großinsolvenzen im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr um 41 Prozent zu. 162 Unternehmen aller Branchen mit einem Umsatz von mehr als zehn Millionen waren betroffen – darunter zahlreiche Modefirmen.
Zu hohe Rabatte schadeten dem Geschäft von Oceansapart
Oceansapart war insbesondere durch seine starke Präsenz auf Social Media in den vergangenen Jahren rasant gewachsen. Doch Managementfehler und ein Skandal um zu Unrecht geführte Nachhaltigkeitssiegel schadeten dem Image und damit dem geschäftlichen Erfolg.
„Das Management von Oceansapart hat viele Fehler gemacht“, sagt Kliesch. Es sei zu viel Ware bestellt worden, die dann mit Rabatten von mehr als 50 Prozent verramscht werden musste. Das werde nach der Übernahme als Erstes geändert.
Die Marke werde separat weitergeführt und künftig als Yoga-Lifestyle-Brand positioniert. Mit ersten operativen Maßnahmen seit der Übernahme am 1. November habe der Umsatz bereits wieder um 40 Prozent zugelegt, sagt Kliesch.
Beim Geschäftsmodell ähneln sich Snocks und Oceansapart. Beide setzen sehr stark auf die Zusammenarbeit mit Influencern, die die Produkte bewerben, dafür Rabattcodes bekommen und schließlich am Umsatz beteiligt werden. Um die künftige Zusammenarbeit mit den Influencern nicht zu gefährden, habe Snocks einen Teil der Schulden, die Oceansapart noch bei ihnen hatte, freiwillig bezahlt, sagt Kliesch.