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PlagiariusDas sind die frechsten Produktfälschungen des Jahres

Herstellern entstehen Milliardenschäden, deutsche Mittelständler sind regelmäßig Opfer – auch auf Plattformen wie Temu: Der Negativpreis Plagiarius prämiert besonders dreiste Imitate.Valerie Ndoukoun 07.02.2025 - 12:00 Uhr Artikel anhören
Links Original: Knipex-Werk C. Gustav Putsch KG, Wuppertal, Deutschland.    Mitte Plagiat: Mix Together (Privatshop, China). Rechts Plagiat: Decent Craftsman (Privatshop, China). Foto: Aktion Plagiarius e.V. (www.plagiarius.com)

Düsseldorf. Der chinesische Onlinehändler Temu wirbt mit Schnäppchenpreisen, doch die Produkte sind oft billige Imitate bekannter Marken. Ralf Putsch, Chef des Wuppertaler Zangenherstellers Knipex, staunte nicht schlecht, als er auf der Plattform eine große Menge dreister Nachbauten seiner Zange „Twin Grip“ entdeckte. Das deutsche Original kostet je nach Ausführung zwischen 20 und 30 Euro, die chinesischen Kopien zwölf bis 15 Euro.

„Nachahmer stürzen sich auf die Bestseller. Viele Produkte bauen sie so schnell nach, dass manchmal das Patent zwar angemeldet, aber noch nicht erteilt ist“, sagt Familienunternehmer Putsch. Dann greife aber oft das eingetragene Design.

Die Fälschungen der Knipex-Zangen „Twin Grip“ belegten in diesem Jahr den ersten Platz des Schmähpreises „Plagiarius“. Die Aktion prangert damit Fälscher an, die durch Ideendiebstahl Originalhersteller massiv schädigen und Verbraucher gefährden. Der Plagiarius wurde 1977 vom Industriedesigner Rido Busse ins Leben gerufen und am Freitag zum 49. Mal verliehen.

Als Trophäe erhalten Plagiatoren einen schwarzen Zwerg mit goldener Nase. Diese symbolisiert die immensen Profite, die Nachahmer auf Kosten Kreativer und Industrie machen. Der wirtschaftliche Verlust für den Mittelständler Knipex geht weit über entgangene Verkäufe hinaus. Für das Überprüfen und Melden von rund 10.000 Fällen im Jahr muss Knipex spezialisierte Dienstleister bezahlen. Das kostet zusätzlich zum internen Aufwand auch noch einmal einen fünfstelligen Betrag.

2023 wurden in der Europäischen Union (EU) mehr als 152 Millionen gefälschte Artikel mit einem geschätzten Wert von etwa 3,4 Milliarden Euro beschlagnahmt, ermittelte das Amt der EU für geistiges Eigentum (EUIPO). Doch nur ein Bruchteil der Fälschungen wird vom Zoll abgefangen.

Plagiate

Welches Ausmaß Produktfälschungen annehmen – und wie sich Unternehmen wehren

Der Handel mit Billigprodukten und Plagiaten nimmt zu: Über 85 Prozent der Produkte von chinesischen Online-Plattformen wie Temu, Shein und Alibaba verstoßen gegen Sicherheitsstandards und Vorschriften der EU. Das zeigen aktuelle Stichproben des deutschen Zolls. Allein 2024 wurden vier Milliarden als zollfrei dekla­rierte Päckchen aus Drittstaaten in die EU verschickt.

Die EU-Kommission plant deshalb eine Gebühr auf Päckchen von Onlinehändlern. So will sie die enorme Flut an zum Teil gefälschten und unsicheren Waren besser kontrollieren.

2. Preis: Fahrradkorb „Bikebasket“

Das Unternehmen Reisenthel aus Gilching ist durch seine Einkaufstasche „Carrybag“ bekannt geworden und fertigt mittlerweile auch Fahrradkörbe wie den „Bikebasket“ an. Nun wurde das Bestseller-Modell dreist kopiert. Wegen fehlender Kontaktinformationen des Händlers haftet der Plattformbetreiber Colibri.

Links Original: Reisenthel Accessoires GmbH & Co. KG, Gilching, Deutschland. Rechts Plagiat: „Start“ Foto: „Aktion Plagiarius e.V.“ (www.plagiarius.com)

3. Preis: Grußkarten-Motiv als Dekor für eine 35-teilige Porzellanserie

Der deutsche Künstler Jörg Mohme entdeckte sein selbst entworfenes Motiv nur durch Zufall auf einem Porzellanservice. Ein Händler aus Frankreich hatte das Kunstwerk aus der Reihe „Afrikanische Impressionen“ gleich für ein ganzes Geschirrset mit 35 Teilen verwendet, das sich großer Beliebtheit erfreut. Nach neun Jahren Rechtsstreit muss der Nachahmer nun einen hohen Schadensersatz an Mohme zahlen.

Mitte Original: Atelier Jörg Mohme, Malsch, Deutschland.                                    Außen Plagiate: China. Foto: „Aktion Plagiarius e.V.“ (www.plagiarius.com)

Die fünf gleichrangigen neuen Sonderpreise sind:

Insektenstichheiler „BR 60“

Mit einer simplen Idee hat die Firma Beurer aus Ulm einen Bestseller auf den Markt gebracht: Der BR 60 lindert Insektenstiche und -bisse, indem man das erhitzte Gerät an die Einstichstelle hält. Ein chinesischer Hersteller kopierte die Optik des Produkts und warb auch mit medizinischen Vorteilen – das Produkt entspricht jedoch nicht den EU-Standards. Amazon nahm das Plagiat auf Anfrage von seiner Website. In China verkauft der Hersteller das Modell weiterhin – und hat dreist selbst ein Patent dafür angemeldet.

Links Original: Beurer GmbH, Ulm, Deutschland.                                                  Rechts Plagiat: Hangzhou Industrial Instrument Meter Co., Ltd., Hangzhou, China. Foto: „Aktion Plagiarius e.V.“ (www.plagiarius.com)

Spielzeug-Mobilbagger „Bruder Roadmax“

Der Fürther Spielzeughersteller Bruder hat seit Jahren mit Plagiaten zu kämpfen und geht weltweit strikt gegen sie vor. Im Vergleich zum Original besitzen die Kopien oft eine schlechtere Qualität und gehen deshalb schneller kaputt, was die Gefahr von Verletzungen erhöht. Kurioserweise kostet die Fälschung mehr, ist aber kleiner als die Vorlage.

Links Original: Bruder Spielwaren GmbH + Co. KG, Fürth, Deutschland.              Rechts Plagiat: Jinjia Toys Factory, Guangdong, China. Foto: „Aktion Plagiarius e.V.“ (www.plagiarius.com)

Kühlergrill „Mercedes-Benz Star Pattern“

Ebenfalls teurer als das Original ist der Kühlergrill von JB Costums, der das Modell von Mercedes-Benz nachahmt. Nach mehreren Abmahnungen erwirkte der deutsche Autobauer eine einstweilige Verfügung und stoppte so den Verkauf der Falschware. Um Verbraucher vor unsicheren Autoteilen zu schützen, arbeitet Mercedes-Benz eng mit Polizei und Zoll zusammen. Mit Erfolg: 2023 wurden auf der ganzen Welt mehr als 740 Razzien durchgeführt und über 1,6 Millionen Plagiate entdeckt.

Oben Original: Mercedes-Benz Group AG, Stuttgart, Deutschland.                      Unten Fälschung: Vertrieb: JB Customs, Pedreguer, Spanien. Foto: „Aktion Plagiarius e.V.“ (www.plagiarius.com)

Recycling-Müllsystem „Albula“

Auch das Schweizer Familienunternehmen Rotho wird immer wieder Opfer von Ideendiebstahl: Zum Teil lassen sich die Kopien ihres stapelbaren Mülleimersystems mit Rastverschluss-Knöpfen und einer integrierten Klappe kaum vom Original unterscheiden. Rotho sorgte dafür, dass Amazon das Produkt von Woka Home Product löschte. Der Anbieter behauptete, nichts von dem Plagiat zu wissen – und verkaufte es anschließend in seinem eigenen Katalog.

Links Original: Rotho Kunststoff AG, Würenlingen, Schweiz.                            Rechts Plagiat: Zhejiang Woka Home Product Co., Ltd., China. Foto: „Aktion Plagiarius e.V.“ (www.plagiarius.com)
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Elektrisch-isolierter Schraubendreher „Proturn“

Gefährlich werden kann es bei Fälschungen der elektrisch-isolierten Schraubendreher von Wiha. Diese sind im Vergleich zum Original nicht VDE-zertifiziert und wurden nicht auf die elektrische Sicherheit des Werkzeugs geprüft. Im Ernstfall kann es sogar zu Stromschlägen kommen, wie Tests zeigen. Der chinesische Onlinehändler behauptet, umgehend gegen Kopien vorzugehen.

Links Originale: Wiha Werkzeuge GmbH, Schonach, Deutschland.              Rechts Plagiate: Dongguan Yile Electronic Commerce Co., Ltd., China Foto: „Aktion Plagiarius e.V.“ (www.plagiarius.com)
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