1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Industrie
  4. Amazon: Cloud-Service AWS plant ohne Forschungslabor in Shanghai

AmazonCloud-Service AWS plant ohne Forschungslabor in Shanghai

Inmitten der politischen Spannungen zwischen den USA und China gibt der US-Konzern sein KI-Zentrum in der Volksrepublik auf. Der Fall zeigt auch, welche Schwierigkeiten in China lauern.Martin Benninghoff 25.07.2025 - 14:55 Uhr Artikel anhören
AWS-Stand auf einer Messe: Der Cloud-Anbieter reduziert seine Präsenz in China. Foto: picture alliance / NurPhoto

Shanghai. Amazon Web Services (AWS) schließt sein Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in der chinesischen Wirtschaftsmetropole Shanghai. Das 2018 gegründete Zentrum war Amazons einziges KI-Forschungsinstitut außerhalb der USA. Es galt als Leuchtturmprojekt in der Zusammenarbeit mit der boomenden Tech-Szene und Entwicklern in China. Unter anderem wurde dort die Open-Source-Programmierbibliothek Deep Graph Library mitentwickelt.

Wang Minjie, einer der leitenden Forscher in der Einrichtung, bezeichnete die Gründungsphase des Amazon-Labors in einem Post auf Chinas populärem Messenger Wechat als „goldenes Zeitalter“ für ausländische KI-Forschung in der Volksrepublik. Zugleich sprach er aber von „strategischen Anpassungen angesichts der Spannungen zwischen den US und China“. AWS war trotz unklarer Vorschriften und einer vergleichsweise unterentwickelten Infrastruktur einer der ersten globalen Cloud-Anbieter in China.

Amazon bestätigte dem Handelsblatt am Donnerstag, dass das Labor „als Teil einer umfassenderen globalen Anstrengung bei AWS“ geschlossen werde. „Nach einer gründlichen Überprüfung unserer Organisation, unserer Prioritäten und der Frage, worauf wir uns in Zukunft konzentrieren müssen, haben wir die schwierige geschäftliche Entscheidung getroffen, einige Stellen in bestimmten AWS-Teams abzubauen“, sagte Amazon-Sprecher Brad Glasser.

Amazon konzentriert sich in der Volksrepublik auf multinationale Unternehmen, exportorientierte chinesische Firmen und Tech-Konzerne mit Bedarf an globalen Standards bei Web-Services. Laut Berichten plant Amazon, die rund ein Dutzend Fachkräfte aus Shanghai in seine US-Zentren zu holen.

Die Schließung wirft ein Schlaglicht auf die wachsenden Risiken für globale Technologieunternehmen, die ihr Chinageschäft mit den strengen US-Vorschriften in Einklang bringen müssen. Das gilt insbesondere vor dem Hintergrund der wachsenden politischen Spannungen zwischen den Ländern. Das Ende des KI-Labors steht somit exemplarisch für die Hürden globaler Tech-Konzerne im zunehmend abgeschotteten chinesischen Digitalmarkt.

Verschärfter Wettbewerb auf dem Cloud-Markt

Auch andere US-Unternehmen wie IBM und Microsoft haben ihr Engagement in China zuletzt reduziert. Zugleich hegen US-Behörden Sicherheitsbedenken im Hinblick auf die China-Aktivitäten. So hat Reuters mehr als 50 Ausschreibungen der chinesischen Regierung untersucht. Heraus kam, dass mindestens elf chinesische Einrichtungen versucht haben sollen, auf eingeschränkte KI-Ressourcen in US-Clouds zuzugreifen und somit die strikten Chip-Exportbeschränkungen der USA zu umgehen.

Die politische Lage ist insgesamt heikel. Aktuell verhängte China zwei weitere Ausreisesperren gegen US-Bürger mit chinesischem Hintergrund. Kritiker vermuten politische Motive als Druckmittel im Handelsstreit mit der Trump-Regierung. Die chinesische Führung bestreitet dies. Die US-Handelskammer in Shanghai lehnte am Donnerstag eine Stellungnahme zu diesem sensiblen Thema ab. Viele US-Unternehmen in China fürchten Nachteile, sollten sie sich zu solchen Themen öffentlich äußern.

Tech-Industrie

IBM-Chef warnt vor KI-Blase: „Wir werden so viel Geld nicht investieren“

Die Chancen und Risiken werden von den US-Tech-Konzernen aber offenbar unterschiedlich bewertet. So warb etwa Nvidia-Chef Jensen Huang für ein verstärktes Engagement in China. Er soll mit seinem Einfluss in Washington sogar die Regierung von US-Präsident Donald Trump dazu bewegt haben, das Exportverbot für bestimmte Chips des KI-Marktführers wieder aufzuheben. Insgesamt scheint eine engere Verzahnung mit dem chinesischen Markt für viele US-Tech-Konzerne aber derzeit schwierig zu sein.

Amazon profitiert von Verkäufern aus China auf seiner Plattform

Die Schließung des KI-Labors von AWS ist auch ein Zeichen, wie scharf der Wettbewerb auf Chinas Cloud-Markt geworden ist. Lokale Anbieter wie Ali Baba Cloud, Huawei Cloud und Wechat-Betreiber Tencent dominieren diesen Markt zunehmend – gestützt durch eine offensive Preispolitik, eigene Regulierungsmaßnahmen und staatliche Förderung. Die chinesische Dominanz soll auch am Wochenende bei der KI-Branchenschau WAIC in Shanghai vorgeführt werden.

Für Amazon geht der Druck weit über das Cloud- und KI-Geschäft hinaus: Im chinesischen E-Commerce, der von lokalen Plattformen wie JD.com, dem Tiktok-Pendant Douyin oder Pinduoduo dominiert wird, spielt Amazon nur eine Nischenrolle. „Für Amazon wird es in China zunehmend schwierig“, sagte Damian Maib, Gründer der E-Commerce-Beratungsagentur Genuine in Shanghai dem Handelsblatt. Seine Begründung: die politischen Spannungen sowie ein „digitales Ökosystem“, das sich grundlegend vom westlichen Markt unterscheide.

Tech-Aktien

Der KI-Hype ist zurück – und damit die Furcht vor einer neuen Dotcom-Blase

Dennoch bleibt China für Amazon strategisch wichtig, etwa über die Discountmarke Haul. Diese zielt, ähnlich wie die chinesische Konkurrenz von Temu oder Shein, auf Discounter-Kunden in Europa und den USA ab und setzt stark auf chinesische Produzenten und Verkäufer. Laut den Marktbeobachtern von Marketplace Pulse stammt mittlerweile mehr als die Hälfte von ihnen aus China.

Verwandte Themen
China
Amazon
USA
Donald Trump
Tencent

Sie alle bangen vor einem eskalierenden Handelsstreit zwischen den USA und China. 90 Tage lang sollten die Zölle reduziert werden, um Raum für Verhandlungen zu öffnen – die Frist läuft am 12. August aus. Nach US-Angaben werden die USA und China in der kommenden Woche in Stockholm über den Zollkonflikt sprechen.

Erstpublikation: 24.07.2025, 14:50 Uhr.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt