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AutobauerVW und Bosch entwickeln Autopiloten für alle

Autopiloten galten als Luxus für die Oberklasse. VW und Bosch wollen die Technik nun in den Massenmarkt bringen – und setzen auf eine selbst entwickelte KI.Lazar Backovic 11.08.2025 - 12:18 Uhr Artikel anhören
Softwareentwickler der Automated Driving Alliance: Autopilot-Funktion ab 2026 serienreif. Foto: Cariad

Düsseldorf. Der Autokonzern Volkswagen und der weltgrößte Zulieferer Bosch wollen das automatisierte Fahren in die Breite bringen – und das schneller, als viele erwartet hatten.

Bereits Mitte 2026 soll eine neue, vollständig auf Künstlicher Intelligenz (KI) basierte Softwareplattform für Assistenz- und Autopilotfunktionen serienreif sein. Bis die Technik anschließend in ein erstes Fahrzeug von VW und Co. kommt, dürfte es aber noch etwas länger dauern.

Vorgesehen sind die automatisierten Fahrfunktionen nämlich laut Mitteilung für die neue „Software-defined Vehicle“-Architektur im VW-Konzern. Diese startet mit dem Elektro-Kleinstwagen ID.1 ab 2027. Die Entwicklung der Features läuft unter dem Dach der „Automated Driving Alliance“, einer seit 2022 bestehenden Partnerschaft zwischen der VW-Softwaretochter Cariad und Bosch.

Das Besondere: Während Wettbewerber wie Mercedes und BMW ihre Autopilot-Funktionen bisher nur in hochpreisigen Modellen wie der S-Klasse oder dem i7 anbieten, zielt die deutsch-deutsche Allianz auf den Massenmarkt – vom Kleinwagen bis zum Premium-SUV.

Ziel sei es, „Komfort und die Sicherheit automatisierter Fahrsysteme möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen, damit sie wertvolle Zeit in ihrem Auto neu gewinnen“, sagt Cariad-Chef Peter Bosch.

Automatisiertes Fahren: Vom Luxus zur Massenware

Technisch geht es um Fahrfunktionen der Stufen 2 und 3. Das sogenannte „Level 2“ erlaubt dem Fahrer, über längere Phasen die Hände vom Lenkrad zu nehmen, während „Level 3“ bedeutet, dass ein Autopilot in bestimmten Szenarien die Kontrolle über das Fahrzeug übernimmt. Bislang ist das in Deutschland nur auf Autobahnen und mit engen Vorgaben erlaubt. Bosch und VW bereiten sich jedoch darauf vor, bei einer Gesetzesänderung schnell zu skalieren.

VW-Elektrokleinwagen ID.1: 2027 soll er bei einem Grundpreis von 20.000 Euro starten. Foto: dpa

Mercedes lässt sich seinen Level-3-Autopiloten derzeit mit bis zu 8800 Euro Aufpreis bezahlen, und auch BMW startet im Luxussegment. Der US-Konzern Tesla deckt mit seinem günstigeren rein kamerabasierten Autopiloten FSD derzeit nur Level-2-Anwendungen ab. Zudem steht die Zulassung der Tesla-Technik in Europa noch aus.

Bosch und VW dürften den Preis für ihren Autopiloten durch hohe Stückzahlen und standardisierte Plattformen drücken. Wie viel die Extrafunktionen kosten, liege bei den jeweiligen Marken, erklärt ein Unternehmenssprecher. Dabei dürften im Einstiegssegment eher niedrigere Automatisierungslevel zum Einsatz kommen, im Premiumbereich dann entsprechend höhere Automatisierungsgrade. Die Software „Made in Germany“ soll zudem auch für andere Hersteller offen sein – ein potenziell lukratives Zusatzgeschäft für Bosch.

VW und Bosch: Eigene KI statt Silicon-Valley-Abhängigkeit

VW und Bosch setzen vollständig auf Eigenentwicklung – von der Wahrnehmung der Umgebung über verschiedene Systeme wie Kamera und Radar bis zur Steuerung von Lenkung, Antrieb und Bremse. Auch der Quellcode liegt bei beiden Unternehmen, was aus Sicht der Partner digitale Souveränität und Unabhängigkeit von US-Tech-Konzernen sichert.

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Neu ist der umfassende Einsatz modernster KI-Methoden. „Daten und KI sind der Schlüssel, wenn es darum geht, automatisierte Fahrsysteme in großem Maßstab und zuverlässig auf die Straße zu bringen“, sagt Bosch-Technikchef Mathias Pillin.

So wie Sprachmodelle komplexe Zusammenhänge verstehen, soll die KI-Software von Bosch und Cariad urbane Verkehrsszenarien analysieren und das Verhalten von Verkehrsteilnehmern vorausahnen. Ziel sei ein System, das so sicher und intuitiv agiert wie ein menschlicher Fahrer – und sich durch tägliches Training mit großen Datenmengen kontinuierlich verbessert.

VW-Autopilot: Testoffensive in verschiedenen Weltregionen

Die Software für automatisiertes Fahren läuft bereits in Testfahrzeugen wie dem VW-Elektrobus ID.Buzz sowie dem Audi-SUV Q8. Getestet wird in Europa, den USA und Japan unter realen Bedingungen – auch in komplexen urbanen Szenarien. Allein in diesem Jahr wollen Bosch und Cariad Hunderte zusätzliche Fahrzeuge mit Radar-, Lidar- und Kamerasensorik ausrüsten. Dazu kommt ein Datenschatz aus etwa 45 Millionen vernetzten VW-Fahrzeugen weltweit, der für das Training der KI genutzt werden kann.

Seit der Gründung 2022 hat die Automated Driving Alliance zunächst Level-2-Funktionen für Autobahnen und Landstraßen entwickelt, parallel läuft die Arbeit am Level-3-System. Die Entwicklung folgt einem agilen Ansatz mit kurzen Update-Zyklen – Softwareverbesserungen können mehrfach täglich in die Testflotten eingespielt werden.

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Für Bosch ist das Projekt ein Milliardenmarkt. Der Zulieferer rechnet damit, dass automatisierte Fahrsysteme ab der zweiten Hälfte des Jahrzehnts massiv nachgefragt werden – nicht nur in Europa, sondern auch in Asien und Nordamerika. Volkswagen wiederum erwartet, dass Level 3 bis 2030 in vielen Märkten zur Standardausstattung neuer Fahrzeuge zählt.

Mit dem nun verkündeten KI-Ausbau will die Allianz beweisen, dass europäische Hersteller beim autonomen Fahren technologisch mithalten können – und zwar nicht nur in der Luxusklasse, sondern quer durch die Modellpalette.

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