Autozulieferer: Continental-Vorstand beschließt Abspaltung des Zuliefergeschäfts
Düsseldorf. Der Continental-Vorstand um den Vorsitzenden Nikolai Setzer hat am Montag den nächsten Schritt für die Abspaltung des Autozuliefergeschäfts (Automotive) unternommen. Das Führungsgremium hat nach einer mehrmonatigen Detailanalyse einen Vorstandsbeschluss gefasst, der den Weg für die Trennung frei macht.
Der Aufsichtsrat von Conti wird im März über den Beschluss abstimmen. Danach folgt das Votum der Aktionäre bei der Hauptversammlung am 25. April 2025.
Philipp von Hirschheydt, Vorstand der Automotive-Sparte, sieht die Abspaltung auf einem guten Weg. „Unsere stetige Leistungsverbesserung ist die wichtige Grundlage dafür, Automotive zukunftsorientiert und kapitalmarktfähig aufzustellen“, wird der 50-Jährige in einer Mitteilung des Konzerns zitiert.
Die Aufteilung soll Ende 2025 abgeschlossen sein. Continental-Chef Nikolai Setzer verspricht klarere Strukturen bei Conti. „Bis Ende 2025 soll eine schlanke, fokussierte Holdingstruktur entstehen“, sagt er.
Bis dahin müssen allerdings noch zentrale Fragen geklärt werden, etwa rund um die finanzielle Ausstattung der Automotive-Sparte.
Zukunft von Conti-Chef Setzer ungewiss
Da diese in den vergangenen Jahren so gut wie keine Gewinne gemacht hat, wird das Reifengeschäft für die finanzielle Ausstattung aufkommen müssen. Die Summe könnte erheblich ausfallen. So hatte Continental vor drei Jahren zur Abspaltung von Vitesco – dem ehemaligen Antriebsgeschäft – finanzielle Mittel in Höhe von rund 660 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.
Offen ist auch, wo die künftige Zentrale des Automotive-Geschäfts sein wird. Dazu kommen diverse personelle Entscheidungen auf Führungs- und Mitarbeiterebene sowie die Ernennung eines neuen Aufsichtsrats.
Die Abspaltung wird das Ende von Continental als Systemzulieferer einleiten, der die Autohersteller mit einer ganzen Bandbreite an Produkten versorgt. In den vergangenen 20 Jahren hatte sich der damalige Reifenhersteller mit zahlreichen, teilweise milliardenschweren Übernahmen zu einem Zuliefergiganten entwickelt, der es beim Umsatz mit Konkurrenten wie Bosch oder ZF aufnehmen konnte.
Finanziell hat sich diese Strategie allerdings nie richtig ausgezahlt. Erhoffte Synergien im zusammengekauften Autozuliefergeschäft gab es kaum. Nach der Abspaltung wird der Konzern wieder nur noch aus dem Reifen- und Industriegeschäft bestehen.
Die Zukunft von Conti-Chef Setzer bleibt dagegen ungewiss. Die Chancen für einen Verbleib von Setzer nach der Abspaltung sind gering, wie das Handelsblatt Anfang August berichtet hatte.
Innerhalb des Konzerns hatte sich Setzer für einen Erhalt von Continental als Gesamtkonzern ausgesprochen. Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle hingegen favorisiert bereits seit Jahren eine Aufspaltung.
Ein Hintergrund dürfte auch die höhere Dividendenausschüttung nach einer Aufspaltung sein, von der vor allem Ankeraktionär Georg Schaeffler profitieren würde. Schaeffler hält 46 Prozent der Anteile des Dax-Konzerns. Die Reifensparte macht zwölf bis 14 Prozent Gewinn, doch das schwache Zuliefergeschäft dämpfte die möglichen Dividenden. Bei zwei separaten Unternehmen würde dieser Effekt wegfallen.
Erstpublikation: 09.12.2024, 16:29 Uhr.