BASF-Chef: „Deutschland bleibt weit unter den Möglichkeiten“
Ludwigshafen. BASF-Chef Martin Brudermüller fordert eine neue, aktive Industriepolitik in Deutschland. „Der Standort Deutschland fällt international zurück, es sieht wirtschaftlich nicht gut aus“, sagt der scheidende Vorstandsvorsitzende im Interview mit dem Handelsblatt. Frustrierend dabei sei: „Die Wirtschaft dringt mit ihren Sorgen und Rufen in der Bundesregierung nicht mehr durch.“
Brudermüller steht mit seiner Kritik nicht allein da. Zuletzt hatte sich etwa das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) besorgt über den Standort geäußert. „Die Regierung gibt keine Hoffnung auf Besserung“, konstatierte IW-Chef Michael Hüther. Auch die vier großen Wirtschaftsverbände appellieren an Bundeskanzler Olaf Scholz, dringend Maßnahmen zu ergreifen, die einen wirtschaftlichen Aufbruch in Deutschland fördern. Und echauffieren sich über seine Reaktion: „Es prallt weiter alles am Kanzler ab“, hieß es aus ihren Reihen nach einem Treffen mit Scholz.
„Deutschland bleibt weit unter seinen Möglichkeiten“, sagt Brudermüller. „Wir brauchen einen großen industriepolitischen Wurf, der das Land zukunftsfähig macht.“ Am Donnerstag wird Brudermüller nach 36 Jahren, davon 18 Jahre im Vorstand und sechs Jahre als Vorstandsvorsitzender, aus der BASF ausscheiden.