Bundeswehr: Hersteller wollen defekte Puma-Panzer bis Neujahr reparieren
An dem Militärfahrzeug gibt es immer wieder Mängel. Nun sind bei einer Übung gleich 18 Exemplare kurz nacheinander ausgefallen.
Foto: imago images/Sven EckelkampDüsseldorf, Berlin. Die Rüstungskonzerne Rheinmetall und Krauss-Maffei Wegmann (KMW) wollen die 18 defekten Puma-Schützenpanzer der Bundeswehr noch in diesem Jahr wieder instand setzen. Das erfuhr das Handelsblatt am Dienstag aus Berliner Sicherheitskreisen.
Nach der peinlichen Pannenserie warteten die Unternehmen allerdings weiter darauf, sich selbst ein Bild von den defekten Systemen machen zu können. Die Einschätzungen zum Umfang der Schäden beruhen demnach nur auf Informationen aus der Bundeswehr. Offiziell wollten sich beide Unternehmen dazu nicht äußern.
Für die Konzerne geht es um viel. Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) hat den Druck weiter erhöht. Bei einem Truppenbesuch am Dienstag in der Slowakei betonte die Ministerin, dass sie die Industrie nun „im Lead“ sehe. Es sei eine „Selbstverständlichkeit“, dass die Konzerne die festgestellten Mängel beseitigten und die Panzer instand setzten. Gelänge das nicht, müsse man über einen Ausstieg nachdenken.
Schützenpanzer Puma: Lambrecht setzt Rheinmetall und KMW unter Druck
Ein Folgeauftrag über weitere 50 Puma-Panzer im kommenden Jahr schien bisher nur noch Formsache. Nun steht nach Informationen aus Ministeriumskreisen sogar infrage, ob die vereinbarte Nachrüstung an den bereits beschafften Panzern umgesetzt werde.
Zwar hatte der Haushaltsausschuss des Bundestags die Mittel für diese Nachrüstung bereits freigegeben. Doch anders als geplant soll der entsprechende Vertrag mit der Industrie am Montag nicht unterzeichnet worden sein.
Puma der Bundeswehr waren als „gefechtstauglich“ zertifiziert
Der zeitgleiche Ausfall der 18 Puma-Schützenpanzer sorgt seit Tagen für Aufregung bei Bundeswehr, Verteidigungsministerium und Herstellern. Konkret geht es um eine speziell nachgerüstete Variante für den schnell verlegbaren Eingreifverband VJTF der Nato. Diese Exemplare waren bereits als „gefechtstauglich“ zertifiziert.
Doch daran bestehen erhebliche Zweifel. Bei Übungen im Schießübungszentrum des Heers in Bergen sollen nach und nach sämtliche Systeme ausgefallen sein. Daraufhin hatte sich Generalmajor Ruprecht von Butler, Kommandeur der 10. Panzerdivision, in einem Brandbrief unter anderem an das Verteidigungsministerium gewandt.
Nun läuft die Fehleranalyse. Am Montag trafen sich Vertreter von Bundeswehr, Verteidigungsministerium und Herstellern zum Krisentreffen. Die defekten Panzer werden derzeit zurück zum Bundeswehrstandort in der bayerischen Stadt Regen transportiert.
Die Nato könne sich derweil darauf verlassen, dass Deutschland seinen Verpflichtungen nachkäme, betonte die Ministerin. „Wir haben den Schützenpanzer Marder bereits bei den Vorbereitungen eingeplant und das hat sich als klug erwiesen.“
Dass Deutschland nun auf den rund 50 Jahre alten Marder zurückgreifen muss, ist nur die jüngste in einer Reihe von peinlichen Meldungen um den Puma, der als eines der ambitioniertesten Projekte der deutschen Rüstungsindustrie gilt. Hochgerüstet mit neuester Technik und Bewaffnung sollte das Fahrzeug die Offensivkraft der Bundeswehr stärken.
Schützenpanzer Puma vor allem mit zwei Problemen
Dass es immer wieder Probleme mit dem System gibt, hat vor allem zwei Gründe: Einerseits wurden mit KMW und Rheinmetall zwei Firmen beauftragt, die teilweise eher gegeneinander als miteinander arbeiten. Andererseits hat sich das Einsatzprofil seit der Planung Mitte der 1990er-Jahre mehrfach geändert.
Immer wieder ordnete der Bund Änderungen an. Statt für den statischen Kriegseinsatz musste der Puma für Missionen wie in Afghanistan geplant werden. Das bedeutete, dass die Fahrzeuge nicht primär für den Beschuss von vorn, sondern von allen Seiten geschützt sein müssen.
Eine solche Veränderung zieht jedoch eine Kette von Folgen nach sich: So sorgte die Verstärkung der Panzerung dafür, dass Vorgaben bei Gewicht und Maßen nicht eingehalten werden konnten. Damit der Puma in Militärflieger verladen werden konnte, wurden montierbare Seitenpanzerungen installiert.
Als Nachteil erwies sich dabei auch die Arbeitsverteilung in der Fertigung. Da der Puma an unterschiedlichen Standorten gebaut wurde, gleiche kein Panzer dem anderen, berichten Vertreter der Bundeswehr. Selbst die Maße stimmten in vielen Fällen nicht überein.
Oft Änderungen am Schützenpanzer Puma durch Rheinmetall und KMW
Zugleich waren Änderungen immer wieder Anlass zur Diskussion zwischen Managern von Rheinmetall und KMW. So wurde der Puma erst mit erheblicher Verzögerung im Jahr 2015 an die Bundeswehr geliefert. Der damalige KMW-Chef Frank Haun zeigte sich bei der Übergabezeremonie noch überzeugt, einen veritablen Exportschlager im Programm zu haben. Als möglicher Absatzmarkt galten Länder wie Indonesien, Singapur und Katar. Bisher ist die Bundeswehr der einzige Kunde geblieben.
Erstpublikation: 20.12.2022, 17:54 Uhr.