Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Dax-Konzern Auf Druck der Investoren: Siemens-Chef Roland Busch hebt die Renditeziele an

Der neue CEO stellt auf dem Kapitalmarkttag kommende Woche seine Strategie vor. Busch wird den Dax-Konzern auf höhere Renditen trimmen – und setzt auf einen anderen Stil als sein Vorgänger.
17.06.2021 - 14:00 Uhr Kommentieren
Die Erwartungen der Investoren an den Kaeser-Nachfolger sind groß. Quelle: Reuters
Siemens-Chef Roland Busch

Die Erwartungen der Investoren an den Kaeser-Nachfolger sind groß.

(Foto: Reuters)

München Es ist der große Auftritt des Roland Busch: In der kommenden Woche stellt der neue Siemens-Chef auf einem Kapitalmarkttag erstmals seine Strategie vor. Nach dem Portfolio-Umbau unter seinem Vorgänger Joe Kaeser will Busch aufzeigen, wie er in der neuen Struktur das Digitalisierungs-Know-how im Konzern mit den Hardware-Produkten – wie Zügen und Windrädern – zu neuen Angeboten verknüpfen und so werthaltiges Wachstums für Siemens generieren kann.

Nach Informationen des Handelsblatts aus Industriekreisen wird Busch dabei die bestehenden Wachstums- und Profitabilitätsziele zumindest teilweise anheben. Ein neues umfassendes Unternehmensprogramm oder einen weiteren radikalen Umbau werde es aber nicht geben, heißt es.

Dabei sind schon die aktuellen Ziele ambitioniert. Für die Sparte Digitale Industrien hatte Buschs Vorgänger Kaeser über den Zyklus eine operative Umsatzrendite von 17 bis 23 Prozent vorgegeben. Das Margenband von Smart Infrastructure liegt bei 10 bis 15 Prozent. Die Bahntechniksparte Mobility soll neun bis 12 Prozent erreichen, Medizintechniktochter Healthineers 17 bis 21 Prozent.

Den Investoren reicht das aber nicht. Kaesers Umbau, den Busch als Strategiechef, Technologievorstand und Vize wesentlich mitgestaltet hat, hatte zwar Wirkung gezeigt und sich positiv im Aktienkurs widergespiegelt. „Doch der Kapitalmarkt lebt davon, dass er nie satt wird“, heißt es in Siemens-Aufsichtsratskreisen.

Die Investoren positionieren sich denn auch bereits vor dem Capital Market Day am kommenden Donnerstag (24. Juni). „Herr Busch muss das Potenzial von Siemens noch besser ausschöpfen und dauerhaft in starke Zahlen ummünzen“, sagte Union-Investment-Fondsmanagerin Vera Diehl dem Handelsblatt.

Grafik

Der Markenname und die Ingenieurskunst von Siemens seien bereits auf Weltklasseniveau. „Aber bei den Zahlen und Ergebnissen gibt es noch Luft nach oben.“ Siemens müsse bei der operativen Marge und beim Cashflow die Lücke zu den besten Wettbewerbern schließen.

Roland Busch baut bei Siemens Hierarchien ab

Den ersten Schritt macht der neue Siemens-Chef am kommenden Donnerstag. Busch hatte Anfang Februar auf der Hauptversammlung den Vorstandsvorsitz offiziell von Joe Kaeser übernommen. Die Erwartungen an den Physiker sind groß. Vorgänger Kaeser hatte intensiv das Portfolio neu geordnet. Die Gesundheitstechnik ging als Siemens Healthineers an die Börse, die Energietechnik wurde als Siemens Energy abgespalten. Nun soll Busch den Konzern wieder stärker technologisch voranbringen und Innovationen fördern.

In den ersten Wochen kümmerte sich Busch stark um die Innenwirkung. Unter dem Motto „Busch unplugged“ trat der neue Siemens-Chef zum Beispiel kürzlich in einem Video-Podcast in Lederjacke auf. Zwei Mitarbeiter spielten Gitarre dazu.

Das sollte zeigen: „Empowerment“ ist eine der vier Säulen von Buschs Führungsstil. Er will weniger Hierarchien und die Beschäftigten ermutigen, neue Wege zu gehen. Daneben gehören Technologiefokus, Wachstumsmentalität (Growth Mindset) und Kundenorientierung zu seinen Führungsprinzipien.

Intern kommt Busch mit dem neuen Stil bislang gut an. „Er versucht, das auch wirklich zu leben“, sagt ein Siemens-Manager. Im Moment funktioniere auch der Vorstand als Team – das war bei Siemens nicht immer so. Auch in Arbeitnehmerkreisen sieht man derzeit keine großen Konfliktlinien. Allerdings kämen die großen Bewährungsproben erst noch.

Intern kommt der neue Siemens-Chef mit seinem Stil bisher gut an. Quelle: dpa
Roland Busch (r.) mit Vorgänger Joe Kaeser

Intern kommt der neue Siemens-Chef mit seinem Stil bisher gut an.

(Foto: dpa)

Größte Herausforderung Buschs sei die schnelle Transformation des Unternehmens in den Kernindustrien, sagt Harald Smolak, Ex-Siemens-Manager und jetzt Partner bei der Managementberatung Atreus. „Dafür muss sich der Konzern noch agiler aufstellen, sich unternehmenskulturell weiterentwickeln und die gewachsenen Führungsstrukturen aufbrechen.“ Siemens stehe wie andere Produkt- und Systemhersteller unter dem enormen Druck, das Geschäft mit Plattformdiensten zu komplementieren.

Laut Industriekreisen will Busch auf dem Kapitalmarkttag denn auch seine Gesamtstrategie für ein fokussiertes Technologieunternehmen erklären. Dabei geht es vor allem darum, wie die reale Welt zum Beispiel in Form von Zügen mit den digitalen Technologien zum Beispiel in Form von Cloud-Diensten kombiniert werden kann.

Denn Hauptwettbewerber von Siemens sind nach der Abspaltung der Energietechnik vor allem IT-Spezialisten wie Amazon und Microsoft, die Software und Clouddienste anbieten und so ins Stammgeschäft von Siemens drängen.

Siemens-Aktie ist stärker gestiegen als der Dax

Doch Siemens hat den Vorteil, dass es auch über viel Hardware-Know-how und somit Branchenwissen verfügt. So kann es die Maschinen an die Cloud anbinden und den Kunden helfen, die im Betrieb gewonnenen Daten auszuwerten. Nur wenn Siemens unter Busch diese Verknüpfung gelingt, wird es bei der Digitalisierung der Industrie gegen Microsoft und Co bestehen können.

Zudem will Busch das Thema Nachhaltigkeit noch stärker in den Fokus rücken – schließlich gewinne das bei den Kunden immer größere Bedeutung.

Es hilft Busch, dass die Geschäfte derzeit gut laufen. „Die dynamische Markterholung der Automobilindustrie, des Maschinenbaus und des Softwaregeschäfts bescherte Roland Busch mit den bereits zweimal erhöhten Umsatz- und Gewinnprognosen für das laufende Geschäftsjahr einen Bilderbuchstart“, sagt Winfried Mathes, Corporate-Governance-Experte bei der Deka.

Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2020/21, das am 30. September endet, steigerte Siemens den Umsatz, bereinigt um Währungsveränderungen und Portfolioeffekte und im Vergleich zum Vorjahr, um neun Prozent auf 14,7 Milliarden Euro.

Das angepasste operative Ergebnis der industriellen Geschäfte legte um fast ein Drittel auf 2,1 Milliarden Euro zu. Dies entsprach einer Marge von 15,1 Prozent. Der Gewinn nach Steuern verdreifachte sich auf 2,4 Milliarden Euro.

Kaesers Umbau zeigt also Wirkung. Das Margenniveau ist seit der Abspaltung der ertragsschwachen Energietechnik deutlich gestiegen. Vor allem in der Vorzeigesparte Digitale Industrien gehört Siemens zur Weltspitze und konnte zuletzt Marktanteile gewinnen.

An der Börse hat sich all das ausgezahlt. Die Siemens-Aktie ist in den vergangenen zwölf Monaten um etwa 40 Prozent und damit stärker als der Dax gestiegen und notiert mit derzeit etwa 136 Euro nahe ihrem Allzeithoch von gut 140 Euro, obwohl die Anteilseigner im vergangenen Jahr auch noch Anteilsscheine von Siemens Energy ins Depot gebucht bekommen haben.

Die Ära Löscher ist noch in schlechter Erinnerung

Doch ein reines „weiter so“ werde den Investoren nicht genügen, heißt es in Aufsichtsratskreisen. Im Konzern will man auch vermeiden, dass es noch einmal so läuft wie unter Ex-Chef Peter Löscher. In dessen erster Amtszeit verbesserten sich die Margen, bis man erstmals auf Augenhöhe mit dem damaligen Hauptwettbewerber General Electric gelangte.

Siemens sei nun ein „ganz normales Unternehmen der Spitzenklasse“ und brauche nun keine Sonderprogramme mehr, verkündete Löscher auf der Zugspitze. Danach ging es bergab. Die Margen bröckelten, Löscher musste nach mehreren Gewinnwarnungen seinen Hut nehmen. Man müsse die Messlatte wohl immer ein Stückchen höher hängen – auch, um die Organisation unter Spannung zu halten, meint ein Siemens-Insider.

Ein Blick auf das vergangene Quartal zeigt, wie weit Siemens schon gekommen ist. Die Digitalen Industrien lagen mit einer operativen Umsatzrendite von 20,1 Prozent ebenso im von Kaeser ausgegebenen Zielband wie die Smart Infrastructure (11,0 Prozent), Mobility (9,2 Prozent) und die Healthineers (17,1 Prozent). Ohne Berücksichtigung von Kosten für Personalstrukturierung waren die Werte noch einmal etwas höher.

Fondsmanagerin Diehl fordert nun aber unter anderem ein höheres Wachstumsziel für die Vorzeigesparte Digitale Industrien. Zudem hält sie ein höheres Margenziel für die Einheit Smart Infrastructure für notwendig. Mit einer Marge von 9,1 Prozent im vergangenen Geschäftsjahr liege die Einheit deutlich hinter Wettbewerbern wie ABB, Schneider Electric und Legrand, die auf bis zu 19 Prozent kämen. Hier gebe es „enormes Aufholpotenzial“.

Siemens: Wachstum, aber nicht um jeden Preis

Auch Deka-Experte Mathes sieht Nachholbedarf bei Smart Infrastructure. Die Einheit sei „ein Sammelsurium vielfältiger Produkt-, Lösungs- und Servicegeschäfte“. Es sei teilweise unklar, wo da die Gemeinsamkeiten seien. „Hier muss dringend eine Portfolioschärfung her.“

Wichtig ist den Investoren, dass das angekündigte Wachstum auch nachhaltig und profitabel ist. Auch hier gilt Ex-CEO Löscher Siemens-intern als eher mahnendes Beispiel. Der hatte einst ein 100-Milliarden-Umsatzziel gesetzt – ohne zu verkünden, wie dieses erreicht werden soll. In der Folge liefen die Kosten teilweise aus dem Ruder, ohne dass das Ziel je erreicht wurde.

Seither aber hat sich die Stimmung bei den Investoren und Siemens-intern deutlich aufgehellt. Doch wartet noch viel Arbeit auf den neuen CEO. Denn, so Deka-Experte Mathes: „Eine der wichtigsten Aufgaben von Roland Busch wird es sein, Siemens als Fels in der Welt der Digitalisierung, Automatisierung und nachhaltigen Energiesysteme zu etablieren und somit den Marktwert des Unternehmens weiter zu heben.“

Mehr: So will Siemens Stellenabbau künftig vermeiden

Startseite
Mehr zu: Dax-Konzern - Auf Druck der Investoren: Siemens-Chef Roland Busch hebt die Renditeziele an
0 Kommentare zu "Dax-Konzern: Auf Druck der Investoren: Siemens-Chef Roland Busch hebt die Renditeziele an"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%