Dax-Konzern: Siemens-Vorstand Rebellius verlängert – aber nur um ein Jahr
München. Der Siemens-Aufsichtsrat hat den Vertrag mit Vorstand Matthias Rebellius bis Herbst 2026 verlängert. Damit profitiere der Konzern „weiterhin von seiner starken Führung, auch bei der laufenden Transformation des Unternehmens“, sagte Chefkontrolleur Jim Hagemann Snabe am Mittwoch.
Rebellius hatte die Sparte Smart Infrastructure rund um die Gebäudetechnik und das Energiemanagement in den vergangenen Jahren zur derzeit profitabelsten des Konzerns gemacht. Das Handelsblatt hatte bereits exklusiv über den Wunsch des Aufsichtsrats berichtet, so früh wie möglich mit Rebellius zu verlängern.
Dieser hängt nun aber nur ein Jahr dran. Dies geschehe auf seinen eigenen Wunsch, hieß es in Industriekreisen. Wenn sein neuer Kontrakt im September 2026 ausläuft, ist Rebellius 61 Jahre alt. Er könne dann „nach vielen wunderbaren Jahren bei Siemens“ in eine neue Phase seiner Karriere als Aufsichts- und Verwaltungsrat eintreten, sagte Rebellius laut Mitteilung.
Das Verhältnis zwischen Vorstandschef Roland Busch und Rebellius gilt als eng. Als zuletzt die lange stark wachsende und hochprofitable Kernsparte Digital Industries etwas schwächelte, sprang Smart Infrastructure ein.
Die Margenziele werden bald erhöht
Die Sparte konnte ihre Margen 15 Quartale in Folge verbessern. Zuletzt betrug die operative Rendite 17 Prozent. Damit kommt Smart Infrastructure an die besten Konkurrenten heran. Die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2024/25 (30. September) legt Busch am Donnerstag vor.
Bei einem Kapitalmarkttag im Dezember sollen neue Ziele für Smart Infrastructure verkündet werden. „Wir werden unser Margenziel erhöhen“, hatte Rebellius im Gespräch mit dem Handelsblatt angekündigt. Aktuell soll der Bereich über einen Geschäftszyklus hinweg im Schnitt eine Rendite von elf bis 16 Prozent erreichen.
Hatte Smart Infrastructure anfangs als kleinteiliger Gemischtwarenladen gegolten, ist die Sparte derzeit unumstritten Kernbestandteil des Konzerns. Insofern hätte Rebellius laut Aufsichtsratskreisen problemlos auch noch einmal für einen längeren Zeitraum verlängern können. Als Nachfolgekandidat für CEO Busch kam er aber nicht infrage: Busch ist Ende 1964 geboren, Rebellius Anfang 1965.
Rebellius führe „mit ruhiger Hand, überzeugt durch Leidenschaft für Kunden und Technologie und hat große Erfahrung über Märkte und Regionen hinweg“, sagte CEO Busch. „Wir freuen uns, dass er seine Expertise auch in den kommenden zwei Jahren bei uns einbringen wird.“
So sieht das Team für die nächsten Jahre aus
Damit steht das Personaltableau bei Siemens erst einmal für die nächsten Jahre. Im Frühjahr hatte der Aufsichtsrat vorzeitig Buschs Vertrag bis 2030 verlängert, im Sommer dann den von Industrievorstand Cedrik Neike.
Zusätzlich in den Vorstand aufgenommen wurden zudem Anfang Oktober Technologie- und Strategiechef Peter Körte und Veronika Bienert, Chefin der Finanzsparte Siemens Financial Services (SFS). Seither besteht der Siemens-Vorstand aus sieben Mitgliedern. Der Vertrag von Finanzvorstand Ralf Thomas läuft noch bis Ende 2026. Laut Konzernkreisen könnte Bienert dann womöglich seine Nachfolge antreten.
Hauptaufgabe des Vorstands ist es, die Transformation in Richtung eines Digitalkonzerns voranzutreiben. Durch schnelleres Umsatzwachstum mit Software und digitalen Dienstleistungen soll auch eine Höherbewertung des Unternehmens an der Börse erreicht werden. Zuletzt verkündete Siemens die Übernahme des US-Softwarespezialisten Altair für mehr als zehn Milliarden Dollar.