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E-AutosTesla schließt Abkommen mit chinesischen Rivalen

Der US-Konzern und zahlreiche chinesische Hersteller von E-Autos verpflichten sich zu „fairem Wettbewerb“ – wohl nicht ganz freiwillig. Das könnte auch deutschen Konzernen helfen.Sabine Gusbeth, Lazar Backovic 07.07.2023 - 11:18 Uhr Artikel anhören

Der Preiswettbewerb sorgte bei dem chinesischen Autobauer für einen höher als erwartet ausgefallenen Verlust.

Foto: IMAGO/VCG

Peking, Düsseldorf. Der US-Autobauer Tesla hat sich mit führenden chinesischen Elektroautoproduzenten auf ein Abkommen verständigt, das den ruinösen Preiswettbewerb in China beenden könnte. Sechzehn Unternehmen, darunter BYD, Geely, Nio und Xpeng, unterzeichneten am Donnerstag eine Absichtserklärung, einen„ fairen Wettbewerb“ aufrechtzuerhalten und „abnormale“ Preise zu vermeiden.

In der Vereinbarung, die als nicht bindend gilt, bekennen sich die Hersteller unter anderem zur „Förderung der sozialistischen Grundwerte, aktiven Wahrnehmung der sozialen Verantwortung und Übernahme der großen Verantwortung für die Aufrechterhaltung eines stetigen Wachstums“.

Ganz freiwillig sind die Hersteller diesen Schritt allerdings wohl nicht gegangen. So hatte das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie offenbar zuvor den Branchenverband CAAM angewiesen, die Unternehmen zu der Gemeinschaftserklärung zu bewegen. Tesla reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage des Handelsblatts zu der Absichtserklärung.

Deutsche Anbieter sind in China zurückgefallen

Tesla-Chef Elon Musk hatte Ende vergangenen Jahres mit hohen Rabatten einen Preiswettbewerb auf dem hart umkämpften Markt angezettelt. Das Unternehmen reagierte damit auf die sinkende Nachfrage. Viele chinesische Hersteller zogen nach, um ihre Marktanteile zu sichern.

Das brachte auch deutsche Autobauer wie BMW, Volkswagen oder Mercedes im größten Elektroautomarkt der Welt in eine schwierige Lage. Zuletzt hatte der chinesische Autobauer BYD es geschafft, die Kernmarke Volkswagen als Marktführer abzulösen. Audi, Mercedes und BMW fielen ebenfalls gegenüber lokalen Anbietern in China zurück.

Im März hatten daher erstmals auch deutsche Autobauer ihre Preise in China gesenkt, dabei allerdings stets betont, dass es sich um zeitlich begrenzte Rabattaktionen handle.

Volkswagen wollte die Vereinbarung, die am Donnerstag am Rande eines Branchentreffs in Shanghai geschlossen wurde, nicht kommentieren. Chinachef Ralf Brandstätter hatte zuvor jedoch in einer Rede betont, Marken wie Volkswagen und Audi stünden für „Stabilität und Zuverlässigkeit“ – auch mit Blick auf die Preise. Die chinesischen Kunden seien die Leidtragenden der Rabattschlacht, weil der Restwert ihrer Fahrzeuge „drastisch“ sinke, so Brandstätter.

China hat Elektromobilität mit mehr als 100 Milliarden Dollar subventioniert

Im vergangenen Jahr wurden in der Volksrepublik nach Angaben des Branchenverbands CPCA 6,5 Millionen Fahrzeuge mit Elektro- oder Hybridantrieb ausgeliefert. Mehr als 80 Prozent stammten dabei von chinesischen Herstellern, allen voran BYD.

In den vergangenen zehn Jahren hat die Pekinger Staatsführung den Aufbau der Elektroautoindustrie mit umgerechnet mehr als 100 Milliarden Dollar subventioniert. Ihr Ziel ist es, einheimische Konzerne zu Weltmarktführer zu machen.

Der Tesla-Chef hatte mit seinen Preissenkungen die Wettbewerber in China unter Druck gesetzt.

Foto: IMAGO/Kyodo News

Durch die Subventionen haben sich jedoch viele neue Anbieter auf den Markt gewagt, sodass es hohe Überkapazitäten gibt. Experten erwarten deshalb eine Konsolidierung, die nur diejenigen Hersteller überleben werden, die eine gewisse Größe erreicht haben und deshalb von Skaleneffekten profitieren. 

Die sinkenden Preise drückten bei mehr als einem Dutzend chinesischer Autohersteller Umsatz und Gewinne im ersten Quartal, wie eine Analyse des Finanzdienstleisters Bloomberg zeigt. Viele der Elektroauto-Start-ups verdienen bislang ohnehin kein Geld. Nio, das ins Premiumsegment drängt, verbuchte im ersten Quartal mit einem Minus von umgerechnet fast 700 Millionen Dollar einen deutlich höheren Verlust als erwartet. 

Einige Anbieter haben Preise bereits wieder erhöht.

Allein in diesem Frühjahr lagen die Preise einiger Tesla-Modelle aus dem Werk des US-Autobauers in Shanghai 14 Prozent tiefer als noch im Jahr davor. Allerdings gab es zuletzt vermehrt Anzeichen für ein Ende des Preiswettbewerbs.

In den vergangenen Wochen fielen die Rabatte geringer aus, einige Hersteller erhöhten sogar wieder die Preise. Ein wichtiger Grund dafür war, dass der Absatz von Elektroautos zuletzt wieder stark stieg. Jüngsten Schätzungen des Verbands CPCA zufolge waren die Auslieferungen im Juni 26 Prozent höher als im Vorjahresmonat. BYD, Nio, Li Auto und Tesla verzeichnen dabei deutliche Zuwächse. 

Im Markt sei deshalb bereits mit einem Ende des Preiskampfs gerechnet worden, sagte Joanna Chen, Analystin bei Bloomberg Intelligence. Die Autohersteller würden nun verstärkt auf neue Modelle setzen, um den Absatz anzukurbeln.

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Erstpublikation: 06.07.2023, 13:50 Uhr (zuletzt geändert um 14:59 Uhr).

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