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GesundheitskonzernNeuer Fresenius-Chef Michael Sen kritisiert ehemalige Führung scharf

Der Manager will mit der Entflechtung von FMC den Wandel des Gesundheitskonzerns vorantreiben. Fresenius habe in der Vergangenheit falsche Prioritäten gesetzt.Maike Telgheder 22.02.2023 - 17:02 Uhr Artikel anhören

Der ehemalige Siemens-Manager hatte Anfang Oktober den langjährigen Fresenius-Chef Stephan Sturm abgelöst.

Foto: dpa

Frankfurt. Große Zukäufe galten viele Jahre lang als ein Erfolgsrezept des Gesundheitskonzerns Fresenius – eine Praxis, die der neue Chef Michael Sen scharf kritisiert. „Transaktionen sind keine Strategie. Wachstum wurde auf Kosten der Rendite erzielt“, sagte Sen am Mittwoch auf der Bilanzpressekonferenz. Das Unternehmen habe in den vergangenen Jahren falsche Prioritäten gesetzt. „Fresenius fehlte die Richtung.“

Wohin sich der Fresenius-Konzern künftig bewegen soll, dazu hat der neue Unternehmenschef in den vergangenen Monaten mit dem Vorstandsteam eine Strategie entwickelt: Das 40 Milliarden Euro Umsatz schwere Konglomerat wird in seiner Struktur deutlich vereinfacht.

Fresenius gibt die Kontrolle über die Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC) ab und konzentriert sich künftig operativ auf die beiden Geschäftseinheiten Kabi und Helios, die weiterentwickelt werden sollen. Kabi ist die Medikamentensparte des Unternehmens, und Helios betreibt Krankenhäuser vor allem in Deutschland und Spanien. „Damit lösen wir uns aus Strukturen, die beide Unternehmen zuletzt daran gehindert haben, das Beste aus sich herauszuholen“, sagte Sen.

Am Dienstagabend hatten die zuständigen Gremien grünes Licht für einen Umbau des Konzerns gegeben. Die vor allem in den USA unter Druck stehende börsennotierte Tochterfirma FMC soll in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Bisher kontrolliert Fresenius FMC über das Konstrukt einer Kommanditgesellschaft auf Aktien, hält aber nur 32 Prozent der Anteile.

Bei FMC ist unter anderem wegen der Coronapandemie der Gewinn zwei Jahre in Folge stark eingebrochen, was auch den Mutterkonzern stark belastet hat. So wuchs Fresenius 2022 währungsbereinigt zwar um vier Prozent, das Ergebnis ging aber um zwölf Prozent zurück. Währungseffekte eingerechnet, wuchs der Umsatz von Fresenius um neun Prozent auf 40,8 Milliarden Euro, das Konzernergebnis sank um sieben Prozent auf 1,73 Milliarden Euro.

Mit der Entkonsolidierung kann Fresenius die Dialysetochter aus der Bilanz nehmen, künftig wird nur noch das Konzernergebnis anteilig berücksichtigt. Eine außerordentliche Hauptversammlung, die voraussichtlich im Juli stattfindet, soll die Entflechtung beschließen. Bis Jahresende sollen Fresenius und FMC zwei getrennte Unternehmen sein.

Gemischte Reaktionen an der Börse

An der Börse wurden die Nachrichten der beiden Dax-Konzerne gemischt aufgenommen. Während Aktien von FMC am Mittwoch rund vier Prozent zulegten und zum größten Gewinner im Dax aufstiegen, büßte Fresenius rund vier Prozent ein und war größter Verlierer im Leitindex. Florian Oberhofer, Fondsmanager bei Union Investment, wertete die Dekonsolidierung als einen „Schritt in die richtige Richtung“, auch den Fokus auf Kabi und Helios begrüßte er.

Die Erwartungen an die neue FMC-Chefin sind hoch.

Foto: dpa

Allerdings zeige der Ausblick für das laufende Jahr, dass es bei Fresenius fundamental weiterhin sehr schwierig bleibe, sagte Oberhofer. Denn 2023 wird FMC den Konzern noch einmal bremsen: Abhängig von der genauen Entwicklung bei FMC erwartet der Mutterkonzern Fresenius bestenfalls ein stabiles operatives Ergebnis (Ebit), im schlechtesten Fall kann es aber auch um einen hohen einstelligen Prozentsatz schrumpfen.

FMC herausgerechnet, erwartet Fresenius schlimmstenfalls einen währungsbereinigten Rückgang des Ebit um einen mittleren einstelligen Prozentsatz. Denn Kostensteigerungen für Personal, Material und Energie werden in diesem Jahr ganzjährig zu Buche schlagen. Insgesamt erwartet Fresenius für das Geschäftsjahr 2023 ein organisches Wachstum des Konzernumsatzes im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich.

Damit Fresenius künftig wieder profitabler wächst, wird das Management auch die laufenden Kosten- und Effizienzprogramme noch einmal ausbauen. Bis 2025 will das Unternehmen so viele Kosten einsparen, dass das Ebit eine Milliarde höher liegt. Der größte Teil davon soll von FMC kommen, die ihr Sparprogramm von 500 auf 650 Millionen Euro ausweitet. Zusätzliche Stellen sollen dabei nicht abgebaut werden, sagte die FMC-Vorstandsvorsitzende Helen Giza.

Das Unternehmen hatte vor eineinhalb Jahren angekündigt, bis 2025 insgesamt 5000 Stellen abbauen zu wollen. Der Dialysekonzern hat sein Geschäftsmodell von vier Weltregionen auf zwei globale Geschäftseinheiten (Dialysedienstleistungen und -produkte) umgebaut. Die Zahl der Beschäftigten war 2022 um rund 2000 auf 128.000 gesunken.

Auch bei Kabi bleibt es bei dem bereits geplanten Abbau von knapp 2500 Stellen, sagte Konzernchef Sen. Weitere Einsparungen sollen vor allem über die Optimierung von Prozessen und die Senkung der Vertriebs-, Verwaltungs- und Beschaffungskosten erreicht werden.

Ebenso ist ein Verkauf von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Aktivitäten Teil der neuen Strategie. Wobei die von vielen Marktteilnehmern erwartete Veräußerung der kleinen Dienstleistungstochter Vamed anscheinend kurzfristig nicht dazugehört. Vamed wird zwar nur noch als Finanzbeteiligung gesehen, Sen ließ aber durchblicken, dass das Unternehmen derzeit unter seinen Möglichkeiten laufe und man erst eine Verbesserung des Geschäfts abwarten wolle.

Die Veräußerung von Aktivitäten dürfte auch vor dem Hintergrund der hohen Verschuldung wichtig werden. Fresenius hat aktuell 27,8 Milliarden Euro Finanzschulden. Allein bis 2024 müssen drei Milliarden Euro refinanziert werden, und das bei deutlich gestiegenen Zinsen.

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Die hohen Schulden sind ein Ergebnis der ehrgeizigen Akquisitionspolitik der früheren CEOs Ulf Mark Schneider und Stephan Sturm. Solange die Rückzahlung funktionierte, waren die Schulden für das Unternehmen kein Problem. Aber da es bei Fresenius in den vergangenen Jahren schlechter lief, konnten sie nicht mehr schnell genug zurückgeführt werden. „Am Ende führten immer mehr Schulden zu immer weniger Bewegungsspielraum“, resümiert Sen.

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