Gigafactory: Panasonic warnt Tesla – Batterie-Kooperation in China „nicht in Stein gemeißelt“
Noch ist die Zusammenarbeit zwischen Tesla und Panasonic nicht in Stein gemeißelt.
Foto: ReutersDas Start-up und der 100 Jahre alte Traditionskonzern bauen im US-Bundesstaat Nevada gemeinsam die größte Akkufabrik der Welt. Inzwischen hat Panasonic bereits 1,5 Milliarden Euro in die „Gigafactory“ investiert, in der Batterien für Teslas erstes Massenprodukt, das Model 3, in Großserie produziert werden sollen.
Doch Teslas Produktionsprobleme bei seinem Hoffnungsträger strapazieren Tsugas Geduld, wie sich am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz des Konzerns zeigte. Zwar stützte Tsuga die Akku-Allianz just zu einem Zeitpunkt, an dem die Anleger an Musk zu zweifeln beginnen. Im März war Teslas Aktienkurs kurzfristig um ein Viertel abgesackt.
Aber Manager steckten der japanischen Wirtschaftszeitung „Nikkei“ später: „Nichts ist in Stein gemeißelt.“ Die Pläne seien im Fluss.
Die neue Vorsicht unterstreicht, wie hoch der Einsatz für Panasonic ist. Das Model 3 wird darüber entscheiden, ob Tesla den Sprung aus der Nische zum Massenhersteller überleben kann. Und ein Scheitern Teslas könnte den radikalen Umbau des 100-jährigen Elektronikkonzerns verzögern.
Tsuga verschiebt den Fokus von der hart umkämpften Unterhaltungs- und Haushaltselektronik auf das mutmaßlich profitablere Geschäft mit Unternehmenskunden. Dabei ist die Autosparte mitsamt der Akkuproduktion der wichtigste Motor dieses Wandels.
Der Konzern hat ambitionierte Ziele: Panasonic will bis 2022 den Absatz seiner Sparte für Automobil- und Industriesysteme auf rund 20 Milliarden Euro verdoppeln und so in den Kreis der Systemlieferanten aufsteigen, wie Bosch aus Deutschland oder Denso aus Japan. Diese sind die ersten Ansprechpartner der Autohersteller.
Panasonic hat daher 2017 unter anderem den spanischen Autozulieferer Ficosa gekauft – mit sichtbar positiven Folgen für die Bilanz. Der Umsatz stieg im Ende März beendeten Bilanzjahr um neun Prozent auf 7,982 Billionen Yen (61 Milliarden Euro). Rund 40 Prozent des Anstiegs trugen Zulieferungen für Autos bei.
Kooperation treibt Panasonic-Aktienkurs
Der Betriebsgewinn der Automobilsparte verdreifachte sich sogar auf 100 Milliarden Yen (770 Millionen Euro). Sie macht damit bereits mehr als ein Viertel des Konzerngewinns aus, der 2017 immerhin um 37 Prozent auf 380 Milliarden Yen stieg.
Der Aufschwung werde sich fortsetzen, versprach Tsuga. Für 2018 sagte er einen Gewinn von 425 Milliarden Yen voraus, und Akkus sollen einen Großteil des Wachstums liefern. Offenbar hofft er, dass Tesla in der zweiten Jahreshälfte seine Probleme in den Griff bekommt.
Der Aktienkurs stieg nach dieser guten Nachricht am Freitag gleich um 4,9 Prozent auf 1638 Yen an. Bei so viel gutem Willen kann sich Tsuga einen Fehlschlag seiner Akku-Allianz mit Tesla daher nicht leisten, wenn er die Investoren auch künftig bei Laune halten will.
„Wir werden genau hinschauen, ob das Unternehmen das Tempo des Gewinnwachstums seiner Automobilsparte und damit die mittelfristigen Aussichten verbessern kann“, warnt ein Analyst.
Die Herausforderung für Tsuga ist groß. Denn auch ohne Teslas Probleme droht sich in der Akkuindustrie das Drama der Displayproduktion zu wiederholen, das Panasonic in eine tiefe Krise gestürzt hatte. Denn wie vor 15 Jahren bei Displays bauen chinesische Hersteller nun riesige Produktionskapazitäten für Auto-Akkus auf.
Sie reagieren damit auf die Strategie der Regierung in Peking, mit Quoten für Elektro- und Hybridfahrzeuge die globale Führung in der neuen Antriebstechnik zu erobern. Panasonic droht daher schon bald seine Marktführerschaft zu verlieren.
Der Marktforscher Techno Systems Research sagt Panasonic für 2018 zwar noch einen globalen Marktanteil von 18 Prozent voraus. Aber Chinas Shootingstar CATL (Contemporary Amperex Technology) soll bereits auf 17 Prozent kommen und damit Chinas bisher führenden Lieferanten BYD überholen. Und dies ist erst der Anfang eines teuren Investitionswettlaufs.
Bis 2020 will CATL seine Produktionskapazität auf 50 Gigawattstunden erhöhen. Die Gigafactory von Panasonic und Tesla soll nur 35 Gigawattstunden haben. Panasonic muss daher nachlegen, wenn der Konzern nicht Kunden verlieren will.
Gnadenloser Wettbewerb mit China
Das weiß auch Tsuga. „Wenn der Elektroautoboom wirklich beginnt, brauchen wir Produktionskapazitäten, die sicherlich zehn Mal größer als die Gigafactory sind“, sagte er jüngst der Wirtschaftszeitung „Nikkei“. „Dann wird die eigentliche Schlacht beginnen.“
Tsuga will den Kampf aufnehmen. Dieses Jahr hat bereits ein neues Akku-Werk von Panasonic in der chinesischen Hafenstadt Dalian die Produktion gestartet. Doch Tsuga steht vor der Frage, ob er sowohl die Produktion für Tesla als auch für andere Hersteller hochfahren - oder sich für eine Seite entscheiden will.
Das Problem: Tesla setzt im Gegensatz zu anderen Herstellern nicht auf rechteckige Akkumodule, sondern auf zylindrische. Und Panasonic hat bereits bei Flach-TVs darunter gelitten, gleichzeitig hohe Investitionen in zwei Technologien zu stemmen, in Plasma- und Flüssigkristalldisplays. Am Ende musste der Konzern beide aufgeben. Denn die Massenproduktion in China hatte die Preise verdorben.
Eine Wiederholung dieser Geschichte kann sich Panasonic bei Akkus allerdings nicht erlauben, wenn der Konzern zu einem erstrangigen Automobilzulieferer werden will. Tsuga versucht daher, Panasonics Abhängigkeit von Tesla zu verringern. Der Konzern hat bereits angekündigt, künftig auch mit Toyota gemeinsam Akkus zu entwickeln.
Es ist ein naheliegender Entschluss. Denn Toyota gilt als führend bei Feststoffbatterien, die mit einer weit höheren Energiedichte die bisherigen Lithiumionen-Akkus verdrängen könnten. Toyota will diese Super-Akkus bereits nach 2020 auf den Markt bringen.
Experten halten dieses Ziel für extrem ambitioniert. Doch der Druck aus China könnte den Japanern auf die Sprünge helfen.
Inzwischen versucht die Japan AG, sich hinter die neue Akkutechnik zu stellen: Im März gründeten die Regierung und die drei großen Autobauer Toyota, Nissan und Honda sowie Batterie- und Materialhersteller die Entwicklungsfirma Libtec. Sie soll der neuen Technik möglichst schnell zum Durchbruch verhelfen. Natürlich ist auch Panasonic mit dabei.