Handelsstreit: Europas Exporteure fluten USA mit Waren – Lager sind überfüllt
Düsseldorf, New York, München. Tim Waller bleibt nichts anderes übrig, als schlechtere Konditionen in Kauf zu nehmen. Der Co-Geschäftsführer der Luxuskosmetikmarke Babor nutzt das 90-tägige Zollmoratorium, um geplante Innovationen für den US-Markt vorzuziehen – und damit noch höheren Zöllen zuvorzukommen.
Dass Babor seine Kosmetika in den USA hortet, kostet ihn viel Geld. Die Ausgaben für Lager seien im Vergleich zum Vorjahr um etwa 20 Prozent gestiegen, berichtet Waller. Zudem werde es immer komplizierter, Logistikpartner vor Ort zu finden.
Waller ist damit nicht allein. Unter dem Druck von US-Präsident Donald Trumps erratischer Zollpolitik versuchen immer mehr deutsche und europäische Exporteure, schnellstmöglich Rekordmengen in die USA zu liefern. Deshalb sind viele Lager schon jetzt zum Bersten gefüllt.
Während US-Lager im Dezember zu den üblichen knapp 80 Prozent ausgelastet gewesen seien, gehe der Wert „gerade in den hohen 90-Prozent-Bereich“, sagt Spencer Shute, leitender Manager und Lagerexperte bei Proxima, einer Beratungsfirma für Lieferketten.
Für Unternehmen sind Lager in den USA zu einem strategischen Hebel geworden. Sie können diese als Krisenpuffer nutzen und so flexibler auf Zölle reagieren. Das hat jedoch seinen Preis. Laut Federal Reserve aus St. Louis haben die Lagerpreise zwar schon seit der Coronapandemie deutlich angezogen – zuletzt aber erneut stärker. Allein zwischen November 2024 und vergangenem April sind sie um mehr als fünf Prozent gestiegen.
Ob Pharma, Luxus oder Maschinenbau – der transatlantische Warenstrom erlebt derzeit eine neue Dynamik. Doch auch wenn der Lagerboom als kluge Vorsorge erscheint, könnte er sich als teure Fehlkalkulation entpuppen. Wie genau kalkulieren die Unternehmen – und welche Branchen sind besonders betroffen?