Industriekonzern: Siemens will China-Geschäft massiv ausbauen – und riskiert neue Abhängigkeit
Der Siemens-Chef hat das Projekt „Marco Polo“ gestartet.
Foto: Lennart Preiss/Siemens AGBerlin, München, Düsseldorf. Ungeachtet der scharfen Kritik an den Investitionsplänen deutscher Konzerne in China will Siemens das Geschäft in der Volksrepublik weiter ausbauen. Zwar sollen erst einmal keine Teilbereiche komplett verlagert werden. Aber ausgerechnet der Bereich „Digitale Industrien“, die wichtigste und sensibelste Sparte mit der Industriesoftware und der Fabrikautomatisierung, soll noch stärker auf China ausgerichtet werden.
Für das Vorhaben hat Vorstandschef Roland Busch nach Handelsblatt-Informationen aus Konzernkreisen eigens ein Projekt aufgesetzt. Damit verbunden sind massive Investitionen in China und der Aufbau neuer Funktionen vor Ort.
Das Projekt heißt „Marco Polo“, benannt nach dem venezianischen Entdecker, der vor gut 700 Jahren nach China reiste und dort heimisch wurde. Busch teilt dessen Begeisterung, sieht Siemens aber noch nicht auf Augenhöhe mit der chinesischen Konkurrenz. „Die bisher geplanten Maßnahmen reichen nicht aus, um die Local Champions zu schlagen“, erklärte die Konzernspitze auf einer Strategietagung mit Top-Führungskräften. „Weitere Ermächtigung“ sei erforderlich, „um das Rennen zu gewinnen“.
Spätestens seit China offen mit einer Invasion in Taiwan droht, stehen die Investitionspläne deutscher Konzerne unter Beobachtung. Das hat zuletzt schon der Chemiekonzern BASF erfahren, der zehn Milliarden Euro für ein neues Werk in Zhanjiang freigegeben hat.