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Krankenhausbetreiber Aufsichtsrat von Rhön-Klinikum empfiehlt Übernahmeangebot – Arbeitnehmer mit Bedenken

Der Klinikkonzern Asklepios erzielt bei der Übernahme des Konkurrenten einen Etappensieg. Doch bei Rhön-Klinikum gibt es massive Bedenken gegen den Deal.
22.04.2020 - 18:55 Uhr Kommentieren
Im Kreis der Aktionäre gibt es einen Kampf um den fränkischen Klinikbetreiber Quelle: dpa
Rhön-Klinikum

Im Kreis der Aktionäre gibt es einen Kampf um den fränkischen Klinikbetreiber

(Foto: dpa)

Frankfurt Der Klinikkonzern Asklepios ist bei seiner geplanten Übernahme des Krankenhausbetreibers Rhön-Klinikum einen Schritt weiter gekommen: Vorstand und Aufsichtsrat von Rhön-Klinikum empfehlen den Aktionären die Annahme des Angebots, wie beide Gremien in ihren am Mittwochabend veröffentlichten Stellungnahmen bekanntgaben.

Allerdings gibt es im Aufsichtsrat insbesondere auf der Arbeitnehmerseite und beim Betriebsrat einige Bedenken. So gibt es die Befürchtung, dass „sich die Mitbestimmungskultur durch eine Übernahme durch Asklepios deutlich verschlechtern werde und sich dies wiederum negativ auf die Motivation der Beschäftigten auswirken“ werde. Ein infolge des Verkaufs befürchteter Stellenabbau müsse sozial verträglich vollzogen werde, heißt es.

Im Aufsichtsrat ist die Empfehlung an die Aktionäre, das Asklepios-Angebot anzunehmen, „mehrheitlich“ beschlossen worden, hieß es in der Stellungnahme. Aufsichtsratschef Eugen Münch und sein Berater Wolfgang Mündel blieben bei der Abstimmung ganz außen vor, weil sie von dem Verkauf selbst profitieren.

Münch ist an einem Gemeinschaftsunternehmen mit Asklepios beteiligt, dem Rhön-Klinikum nach der Übernahme gehören soll. Der Rhön-Vorstand um Stephan Holzinger stellte sich einhellig hinter die Übernahme. Holzinger hat nach einem Wechsel des Mehrheitsaktionärs ein Sonderkündigungsrecht.

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    Der Betriebsrat erklärte in einer gesonderten Stellungnahme, er stehe dem Verkauf „sehr kritisch“ gegenüber. Die Arbeitnehmer seien dabei übergangen worden. Er forderte Asklepios auf, nach der Übernahme betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2025 auszuschließen.

    Asklepios bietet je Rhön-Aktie 18 Euro. Den Preis halten Vorstand und Aufsichtsrat für angemessen. Die Rhön-Klinikum AG, die im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro und einen Gewinn von 44,5 Millionen Euro erzielte, wird so mit 1,2 Milliarden Euro bewertet.

    Mit der Empfehlung zum Kauf ist der Weg für eine Übernahme aber längst nicht frei. Im Kreis der Aktionäre gibt es einen Kampf um den fränkischen Klinikbetreiber, hierbei stehen sich die drei Großaktionäre Asklepios und Rhön-Gründer Eugen Münch auf der einen Seite und das Medizintechnikunternehmen B.Braun auf der anderen Seite gegenüber.

    Das ist bisher passiert:

    Ende Februar hatten der zweitgrößte private Klinikkonzern Asklepios und Rhön-Gründer Eugen Münch, 75, bekann gegeben, ihre Anteile an Rhön-Klinikum in einem gemeinsamen Joint Venture zu bündeln. Das soll, wenn die Übernahme kartellrechtlich freigegeben wird, künftig die Mehrheit an Rhön-Klinikum halten. Den übrigen Aktionären wurde ein freiwilliges Übernahmeangebot gemacht.

    Der dritte Großaktionär B.Braun, war über die Pläne nicht informiert. Allerdings hatte Asklepios in den vergangenen Jahren nach Informationen eines Brancheninsiders erfolglos mit der Unternehmerfamilie beziehungsweise dessen Oberhaupt Ludwig Georg Braun, 76, über eine Bündelung ihrer Anteile verhandelt. Damit wollte der Asklepios-Konzern, der dem Unternehmer Bernard gr. Broermann, 76, gehört, die Pattsituation in der Eigentümerstruktur mit drei großen Aktionären auflösen.

    Diese Situation war entstanden, nachdem Münch 2012 seine Rhön-Klinikum AG mit der Fresenius Klinik-Tochter Helios fusionieren wollte. Dahinter stand Münchs Vision von einem flächendeckenden Krankenhauskonzern, der mit innovativen - von den Bedürfnissen des Patienten ausgehenden – Versorgungskonzepten die Behandlungsqualität entscheidend verbessern sollte.

    Tatsächlich scheiterte die Übernahme damals an Asklepios-Gründer Broermann und B.Braun, die als Anteilseigner bei Rhön-Klinikum einstiegen. Münch und Fresenius fanden 2013 dennoch einen Weg, indem Rhön-Klinikum rund 40 Kliniken und damit zwei Drittel seines Umsatzes an Fresenius verkaufte. Waren Broermann und Braun damals noch auf einer Seite, so sind sie bei dieser Rhön-Klinikum-Übernahme Gegner.

    B. Braun hatte sich mit einer Reaktion auf die Übernahmepläne von Asklepios Zeit gelassen. Vergangene Woche aber forderte das Unternehmen eine außerordentliche Hauptversammlung inklusive Aussprache und gegebenenfalls Beschlussfassung über die Offerte von Asklepios. Außerdem verlangte der Großaktionär eine Gewinnausschüttung in Form einer Vorabdividende von zwei Euro je Aktie.

    Ferner sollen künftig bei der Rhön-Hauptversammlung Beschlüsse nur noch mit mehr als 75 Prozent der abgegebenen Stimmen beziehungsweise des vertretenen Grundkapitals möglich sein. Das würde B.Braun mit seinem Anteil von etwas mehr als 25 Prozent in die Lage versetzen, künftige Entscheidungen zu blockieren. Nicht zuletzt will der Großaktionär die Abberufung zahlreicher Aufsichtsratsmitglieder erreichen, darunter auch die des Unternehmensgründers Münch.

    B. Braun hatte die Aktien von Rhön-Klinikum ab 2012 gekauft – zu Preisen von in der Spitze bis zu 25 Euro. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen mehr als 90 Millionen Euro auf die Rhön-Klinikum-Beteiligung abgeschrieben, was den Gewinn deutlich drückte. Die Sonderdividende von zwei Euro, die B.Braun fordert, würde dem Unternehmen gemäß seinem Anteil rund 34 Millionen Euro bringen.

    Dividendenforderung sorgt für Streit

    Auf den Vorstoß von Braun reagierte Asklepios wiederum mit einer eigenen Forderung nach einer außerordentlichen Hauptversammlung, die noch vor der von B. Braun geforderten stattfinden solle. Die B.Braun-Forderungen nach Heraufsetzung der Mehrheitserfordernisse und Zahlung eines Abschlags lehnt Asklepios klar ab.

    Zudem will der Klinikkonzern von Bernard gr. Broermann erreichen, dass in der von ihm angestrebten Hauptversammlung die dem B.Braun-Lager zuzurechnenden Aufsichtsratsmitglieder Annette Beller und Katrin Vernau abberufen werden. Annette Beller ist Finanzchefin bei B.Braun, Katrin Vernau Verwaltungschefin des WDR.

    Vor allem die von B. Braun geforderte Dividendenzahlung kritisiert Asklepios scharf. Dadurch würden rund 134 Millionen Euro an die Anteilseigner ausgezahlt werden. Das sei in der aktuellen Lage unverantwortlich und gefährde die Stabilität des Klinikbetreibers. Rhön-Klinikum selbst hatte im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von 1,3 Milliarden Euro weniger Gewinn gemacht und auch einen negativen Free Cashflow erzielt.

    Auch im laufenden Jahr erwartet das Unternehmen eine rückläufige Gewinnentwicklung. Den Aktionären hatte Rhön-Klinikum eine reduzierte Dividende von 25 Cent vorgeschlagen, was sich auf eine Auszahlung von rund 17 Millionen Euro summieren würde.

    Der Klinikbetreiber muss nun entscheiden, wie mit den Anträgen auf die außerordentlichen Hauptversammlungen zu verfahren ist. In jedem Fall dürfe damit die Übernahme verzögert werden. B.Braun hat sich am Mittwoch noch einmal mit einer Stellungnahme zu Wort gemeldet und betont, dass es ihm als Minderheitsaktionär sowohl um das Wohl des Unternehmens „als auch um die Wahrnehmung unserer Rechte und auch die anderer Aktionäre“ gehe. Es läge im Interesse aller Aktionäre, ein Übernahmeangebot im Rahmen einer Hauptversammlung zu erörtern.

    Asklepios hat im Übernahmeangebot klargemacht, den Abschluss eines Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrags mit Rhön Klinikum zu prüfen, sofern die Beteiligung 75 Prozent des in der Hauptversammlung vertretenen Grundkapitals erreicht.

    Mehr: Mit Disziplin gegen Corona – so will sich B.Braun aufstellen

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