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Autobauer180 Milliarden Euro in fünf Jahren: Volkswagen beschleunigt die Investitionen

Der deutsche Autoriese plant massive Investitionen in neue Elektromodelle und Zellfabriken. Die Anleger beurteilen die Pläne bislang aber skeptisch.Stefan Menzel, Lazar Backovic 14.03.2023 - 14:41 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Die Premiumtöchter des VW-Konzerns haben den Gewinn kräftig angeschoben.

Foto: IMAGO/Belga

Berlin. Deutschlands größter Autokonzern Volkswagen macht Tempo beim Ausbau der Elektromobilität. Bis 2027 will der Konzern 180 Milliarden Euro investieren, zwei Drittel davon in die Elektrifizierung und Digitalisierung. In VWs letztem Fünfjahresplan flossen 56 Prozent in die beiden Bereiche. Auch die Gesamtinvestitionen waren mit 159 Milliarden Euro niedriger.

„2023 wird ein entscheidendes Jahr, um strategische Ziele umzusetzen und den Fortschritt des Konzerns zu beschleunigen“, sagte Konzernchef Oliver Blume anlässlich der Bilanzpressekonferenz in Berlin zu den Zielen des laufenden Jahres.

Der VW-Chef kündigte an, dass bereits 2025 jeder fünfte Neuwagen aus dem Konzern weltweit rein elektrisch angetrieben sein soll. Mit den Investitionen will VW seine Wettbewerbsfähigkeit in China stärken, eigene Batteriezellwerke aufbauen und die Präsenz in Nordamerika ausbauen.

VW steckt 15 Milliarden Euro in Tochter PowerCo und Rohstoffsicherung

Am Montag hatte Volkswagens Batterietochter PowerCo ein eigenes Batteriezellwerk in Kanada angekündigt, das bis 2027 mit der Produktion beginnen soll. Mit 15 Milliarden Euro will der Konzern nicht nur neue Zellfabriken bauen, sondern auch den Zugang zu den nötigen Rohstoffen sichern. Darüber hinaus wird Volkswagen aber auch in die letzte Generation seiner Verbrennungsmotoren investieren, deren Anteil nach 2025 deutlich abnehmen wird.

Während die Konzernführung Optimismus verbreitet, sind die Investoren in Sachen Elektrostrategie skeptischer. „Wir glauben, dass Volkswagen seine Position als Vorreiter in Sachen Elektro zu weiten Teilen verloren hat“, erklärte Patrick Hummel, Autoanalyst der UBS.

Konkurrenten wie das US-Unternehmen Tesla, aber auch chinesische Autohersteller seien deutlich schneller mit ihren neuen Elektromodellen am Markt vertreten.

Auch die geplante Steigerung der Investitionen stoße unter den Anlegern auf Ablehnung, hieß es am Dienstag in Händlerkreisen. Die VW-Vorzugsaktie schnitt am Dienstag schlechter ab als der Leitindex Dax und verlor zum Mittag etwa 2,6 Prozent an Wert.

„2023 wird ein entscheidendes Jahr, um strategische Ziele umzusetzen und den Fortschritt des Konzerns zu beschleunigen.“

Foto: dpa

Volkswagen-Konzern: Mehr Umsatz und Gewinn vor allem dank Premiummarken

Noch Anfang März hatte VW die Anleger mit einem optimistischen Ausblick überrascht. Demnach soll der Umsatz angesichts des hohen Auftragsbestands um zehn bis 15 Prozent zulegen und die operative Rendite in einer Bandbreite zwischen 7,5 und 8,5 Prozent landen. Bei der Nettoliquidität peilt der Konzern einen Wert zwischen 35 und 40 Milliarden Euro an. Rund 20 Milliarden Euro hatte Volkswagen im vergangenen Jahr aus dem Porsche-Börsengang eingenommen.

Der Konzernumsatz von VW stieg um zwölf Prozent auf 279 Milliarden Euro. Das Nettoergebnis nach Steuern lag bei 15,8 Milliarden Euro, was einem Plus von 2,6 Prozent entspricht.

Das Jahr 2022 war geprägt vom Ukrainekrieg, der Coronakrise und Lieferengpässen. Dass VWs Konzernergebnis dennoch vergleichsweise gut ausfiel, ist vor allem den Premiummarken um Audi und Porsche sowie der Leasingsparte zuzuschreiben.

So steigerte die Premiumgruppe, zu der neben Audi und Porsche auch Lamborghini und Bentley gehören, den Umsatz von 55,9 auf 61,8 Milliarden Euro. Der operative Ertrag erhöhte sich zugleich von 5,9 auf 7,6 Milliarden Euro, die Rendite kletterte von 10,6 auf 12,3 Prozent. Allein Porsches operative Rendite lag im vergangenen Jahr bei 18,6 Prozent (Vorjahr: 16,5 Prozent). Die Sportwagentochter hatte bereits am Montag ihre eigene Bilanz vorgelegt.

Die Leasingtochter VW Financial Services (VWFS) schaffte zudem einen operativen Ertrag von 5,7 Milliarden Euro, nach sechs Milliarden Euro im Vorjahr. VWFS hatte damals von besonders hohen Restwerten bei Leasing-Rückläufern profitiert. Inzwischen normalisieren sich die Restwerte langsam.

VWs Russlandgeschäft: Zwei Milliarden Euro Abschreibungen

Abschreibungen auf das Geschäft von Volkswagen in Russland trübten laut Finanzchef Arno Antlitz das Ergebnis. Sie beliefen sich auf etwa zwei Milliarden Euro. Dazu kommen Kosten für den Porsche-Börsengang und gestiegene Rohstoffpreise.

Auch Volkswagens sogenannte Volumenmarken haben das vergangene Jahr nur mit durchwachsenen Zahlen beenden können. Die Kernmarke VW, Skoda, Seat und VW Nutzfahrzeuge, soll bis Mitte des Jahrzehnts zusammengenommen rund acht Prozent Marge einfahren. Davon ist man aktuell noch weit entfernt.

Zwar schaffte die Kernmarke Volkswagen Pkw bei der operativen Rendite eine leichte Steigerung auf 3,6 Prozent (Vorjahr: 3,4 Prozent). Die Skoda-Rendite fiel hingegen von 6,1 auf drei Prozent. Seat hat die Verlustzone verlassen und einen kleinen Gewinn von 33 Millionen Euro verbucht.

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VW-Aktionäre können mit einer deutlich gesteigerten Ausschüttung rechnen. Sie sollen für das abgelaufenen Jahr eine zum Vorjahr um 1,20 Euro höhere Dividende von 8,70 Euro je Stamm- und 8,76 Euro je Vorzugsaktie bekommen. Die Ausschüttungsquote steigt dadurch von 25,4 auf 29,4 Prozent. Die größten Anteilseigner von Volkswagen sind die Familien Porsche und Piëch, das Land Niedersachsen und das Emirat Katar.

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