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MedizintechnikUS-Zölle führen zu erheblichen Kosten für europäische Hersteller

Die Branche hatte eigentlich gehofft, weniger stark betroffen zu sein. Doch nun rechnen Siemens Healthineers und Philips mit deutlichen Einbußen. Ein Markt ist besonders schwierig.Axel Höpner 08.05.2025 - 15:56 Uhr Artikel anhören
MRT-Gerät von Siemens Healthineers: Der internationale Handelskrieg hat negative Auswirkungen auf die Wachstumsdynamik. Foto: imago images/VCG

München. Die neuen US-Zölle treffen jetzt auch die Medizintechnikbranche. Die europäischen Hersteller Siemens Healthineers und Philips rechnen im laufenden Jahr mit Belastungen in dreistelliger Millionenhöhe. Der Gesundheitsmarkt sei kein gutes Feld für Handelskriege, sagte Healthineers-CEO Bernd Montag am Mittwoch. Am Ende träfen solche politischen Entscheidungen immer die eigene Wählerbasis –„weil die Gesundheitsversorgung teurer wird.“

Schließlich müssten die Kosten über die oft staatlich mitfinanzierten Gesundheitssysteme bezahlt werden. Zwar verfüge Siemens Healthineers über eine ausgewogene regionale Präsenz. Doch angesichts der vergleichsweise geringen Stückzahlen – etwa bei Computertomografen – und der hohen technologischen Komplexität ließen sich nicht einfach überall Fabriken aufmachen.

Nach der Wahl von US-Präsident Donald Trump im November 2024 hatte Montag noch argumentiert, das Gesundheitswesen sei mit Blick auf Zölle „jetzt nicht das erste Ziel, wo solche Themen ausgetragen werden“. Jeder Staat wolle seinen Bürgern eine bestmögliche Gesundheitsversorgung ermöglichen. Auch jetzt hofft er noch, dass Sonderregelungen für die Branche gefunden werden.

Vorerst aber belasten die Zölle zum Beispiel beim Einkauf von Teilen. Siemens Healthineers rechnet mit leicht negativen Auswirkungen auf die Wachstumsdynamik einzelner Segmente und die operativen Margen in allen Bereichen in der zweiten Geschäftsjahreshälfte. Im laufenden Geschäftsjahr dürften sich die Belastungen beim Ergebnis auf 250 bis 300 Millionen Euro belaufen. Die gleiche Größenordnung hatte Philips genannt. Im nächsten Geschäftsjahr, wenn die Zölle voll greifen, dürften die Kosten entsprechend noch stärker steigen.

Gewinne könnten niedriger ausfallen

Die Folge: Zwar bekräftigte Healthineers-CEO Bernd Montag angesichts insgesamt gut laufender Geschäfte die Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr. Die Erlöse sollen auf vergleichbarer Basis um fünf bis sechs Prozent zulegen. Wegen der guten Nachfrage zum Beispiel nach Computertomographen und Strahlenkrebstherapie-Technologien der Tochter Varian dürfte das inzwischen sogar eine konservative Prognose sein.

Doch musste Healthineers bei der Gewinnprognose den unteren Rand der erwarteten Spanne leicht senken. Beim Ergebnis je Aktie rechnet man nun mit 2,20 bis 2,50 Euro je Aktie, nach 2,23 Euro im Vorjahr. Zuvor hatte Healthineers mindestens 2,35 Euro erwartet. Philips senkte mit Verweis auf die Zölle die Prognose für die operative Rendite in diesem Jahr.

Healthineers-CEO Bernd Montag: Die Geschäfte laufen insgesamt gut. Foto: Uta Wagner für Handelsblatt

Im Vergleich der beiden Wettbewerber zeigt sich, dass Healthineers derzeit wachstumsstärker ist. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2024/2025, das am 30. September endet, stiegen die Erlöse stärker als von Analysten erwartet gegenüber dem Vorjahresquartal um 6,8 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro.

Damit wurde das Wachstum noch einmal beschleunigt, im ersten Quartal hatte die Wachstumsrate 5,7 Prozent betragen. Das bereinigte operative Ergebnis verbesserte sich von Januar bis März um 19 Prozent auf 982 Millionen Euro.

Analysten hatten im Schnitt mit einem Umsatzwachstum von 5,1 Prozent und einem angepassten operativen Ergebnis von 941 Millionen Euro gerechnet. Beide Werte konnte Siemens Healthineers somit leicht übertreffen.

Der große europäische Konkurrent Philips verzeichnete von Januar bis März einen Umsatzrückgang auf vergleichbarer Basis um zwei Prozent auf 4,1 Milliarden Euro. Verantwortlich dafür war ein prozentual zweistelliger Rückgang des Umsatzes in China, wo die Geschäfte noch immer für alle Anbieter schwierig sind.

Der chinesische Markt steckt in der Krise

In China hatten die Medizintechnikhersteller schon vor Beginn der Handelskonflikte mit einer Marktkrise aufgrund einer verschärften Regulierung zu kämpfen. Die Regierung in Peking ging verstärkt gegen mögliche Bestechung im Gesundheitssektor vor.

Die Hersteller wie Siemens Healthineers sind von den Ermittlungen zwar nicht betroffen. Doch sind die Kunden, zum Beispiel chinesische Krankenhäuser, verunsichert.

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Die Bestellungen medizinischer Geräte und von Medikamenten kamen zeitweise fast zum Erliegen. Hersteller wie Healthineers und Philips mussten ihre China-Prognosen eindampfen. Healthineers konnte in China im zweiten Quartal aber zumindest wieder leicht wachsen.

Die Anbieter versuchen bereits, mit den Widrigkeiten umzugehen: Man müsse sich auf das konzentrieren, was man kontrollieren könne, sagte Philips-CEO Roy Jakobs. „Wir verbessern unsere Flexibilität in der Lieferkette, ergreifen entschlossene Kostenmaßnahmen, um die finanziellen Auswirkungen zu mindern, wo möglich, und stellen sicher, dass wir unsere Kunden und Verbraucher weiterhin bedienen können.“

Auch Healthineers hat bereits erste Maßnahmen getroffen, zum Beispiel bei den Lieferketten. Mittelfristig habe man viele Optionen, die Effekte abzumildern, sagte Montag. In den Handelsströmen ist der Konzern relativ gut ausbalanciert, er beliefert Kunden aus Europa ebenso wie aus den USA und Asien. In den USA hat Healthineers mehr Mitarbeiter als in Deutschland, zwei von vier Segmenten haben dort ihren Sitz.

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Für Healthineers ist 2025 ein zentrales Jahr auf dem Weg zu einer noch stärkeren Unabhängigkeit vom Mutterkonzern Siemens. Siemens-Finanzvorstand Ralf Thomas hatte zum Jahreswechsel im Gespräch mit dem Handelsblatt überraschend die Mehrheitsbeteiligung zur Disposition gestellt. Bis zum Jahresende will der Technologiekonzern nun entscheiden, ob er aus dem Geschäft mit der Medizintechnik aussteigt.

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Healthineers würde eine weitere Senkung der Beteiligung von Siemens positiv sehen – aktuell beträgt der Anteil des Mutterkonzerns etwa 73 Prozent. Schon heute sei man operativ unabhängig. Durch einen höheren Streubesitz würde aber die Attraktivität für Investoren steigen. Nach Vorlage der Quartalszahlen sank die Healthineers-Aktie am Mittwoch zeitweise auf gut 46 Euro.

Erstpublikation: 07.05.2025, 08:19 Uhr.

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