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Technologiekonzern Siemens-Chef Kaeser kassiert Prognose: „Kurz vor der Dämmerung ist die Nacht am dunkelsten“

Der Vorstandsvorsitzende hofft, dass die Talsohle im laufenden Quartal erreicht wird. An der Aufspaltung hält Siemens trotz der Coronakrise fest.
08.05.2020 - 10:29 Uhr 1 Kommentar
Durch Corona ist die Lage für Siemens noch herausfordernder geworden. Quelle: dpa
Joe Kaeser

Durch Corona ist die Lage für Siemens noch herausfordernder geworden.

(Foto: dpa)

München Mitten in der Coronakrise hält der Siemens-Konzern an den Plänen für seine historische Aufspaltung fest. Trotz der unsicheren wirtschaftlichen Lage und schlechter Zahlen bei Siemens Energy soll die Tochter im Herbst an die Börse, kündigte Konzernchef Joe Kaeser an.

Die Prognose für das laufende Geschäftsjahr musste der Siemens-Vorstandsvorsitzende nach einem deutlichen Rückgang von Auftragseingang und Gewinn im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2019/20 (30. September) kassieren. Dennoch sagte Kaeser: „Wir sind uns sicher, dass Siemens gestärkt aus der Krise hervorgehen wird.“

Doch zunächst muss Siemens mit den kurzfristigen Folgen der Krise fertig werden. Dabei zeigte sich zweierlei: Im Vergleich zu vielen anderen Unternehmen kommt der Technologiekonzern noch vergleichsweise robust durch die Krise. Die Prognose eines moderaten Umsatzanstiegs und eines möglichen Gewinnanstiegs im Gesamtjahr kann Siemens aber nicht halten.

In der Krise profitiert Siemens von einem guten Auftragsbestand von 69 Milliarden Euro bei der künftigen Siemens AG – bei der neuen Siemens Energy sind es weitere 81 Milliarden Euro. So blieb der Umsatz im Geschäft mit Digitalen Industrien, mit der Intelligenten Infrastruktur, der Medizintechnik und der Bahntechnik stabil bei 14,2 Milliarden Euro.

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    Zum Vergleich: Beim Schweizer Konkurrenten ABB sanken die Erlöse von Januar bis März um vergleichbar sieben Prozent auf 6,2 Milliarden Dollar. Bei General Electric ging der Umsatz im Industriegeschäft um fünf Prozent auf 18,9 Milliarden Dollar zurück.

    Nettogewinn bricht ein

    Im Auftragseingang und beim Gewinn zeigten sich die Folgen von Corona deutlicher. Die neuen Bestellungen bei Siemens sanken um vergleichbar neun Prozent auf 15,1 Milliarden Euro. Dies war auch auf weniger Großaufträge bei Mobility zurückzuführen.

    Das operative Ergebnis der industriellen Geschäfte sank um 18 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro. Dies entsprach einer Marge von 12,1 Prozent nach 14,7 Prozent im Vorjahreszeitraum. ABB musste einen Rückgang des operativen Gewinns um 17 Prozent auf 636 Millionen Dollar hinnehmen. Bei GE halbierte sich das bereinigte Ergebnis der Industriesparten vor allem wegen der Luftfahrtkrise nahezu auf 1,1 Milliarden Dollar.

    Der Siemens-Nettogewinn, der im Vorjahreszeitraum auch aus Steuergründen hoch ausgefallen war, brach um 64 Prozent auf 697 Millionen Euro ein. Dies war auch auf einen Verlust von 317 Millionen Euro im nicht-fortgeführten Geschäft zurückzuführen. Dieser Posten beinhaltet auch die rückläufigen Ergebnisse von Siemens Energy.

    Joe Kaeser hofft, dass im laufenden dritten Quartal, das noch schwieriger wird, die Talsohle der Coronakrise durchschritten wird. „Kurz vor der Dämmerung ist die Nacht am dunkelsten.“

    An der Börse kam die vorsichtige Zuversicht, dass zumindest der Tiefpunkt erreicht ist, gut an. Der Siemens-Aktienkurs legte nach Vorlage der Zahlen zeitweise um mehr als fünf Prozent auf 89 Euro zu. Die Münchener hätten sich in Krisenzeiten als widerstandsfähiger erwiesen als erwartet, schrieb JPMorgan-Analyst Andreas Willi in einer ersten Einschätzung.

    Siemens steckt derzeit im größten Umbau der Konzerngeschichte. Die neue Siemens Energy, die für 40 Prozent der Umsätze steht, wurde zum 1. April bereits verselbstständigt. Das Umfeld für die Abspaltung ist unübersichtlich. Und so schlug Kaeser bei Vorlage der Quartalszahlen den ganz großen Bogen vom Ende des zweiten Weltkriegs über den Schmiergeldskandal bis zur Finanzkrise.

    Auch in der Zeit nach Corona werde es einen Wiederaufbau geben. Dies bedeute die „große Chance, eine bessere Welt zu bauen“, sagte Kaeser. Die Krise sei eine Chance für „unseren Zusammenhalt, Kameradschaft und Nachbarschaftshilfe“.

    Keine Gewinnprognose mehr

    Kurzfristig ist die Lage noch herausfordernder geworden. „Für das dritte Quartal erwarten wir einen noch stärkeren Einfluss auf unsere Geschäftsentwicklung“, sagte Finanzvorstand Ralf Thomas.

    Wann es nach der Talsohle dann wieder aufwärts geht, wollte Kaeser aber nicht prognostizieren. „Wir rechnen mit einer längeren Bodenbildung.“ Dem Fernsehsender CNBC sagte er: „Wir haben uns eher auf eine Talsohle vorbereitet, die zwei oder drei Quartale dauert, bevor wir wieder einen substanziellen Aufschwung sehen.“ Im Gesamtjahr rechnet Siemens nun mit einem moderaten Umsatzrückgang. Eine Gewinnprognose gibt es nicht mehr.

    Details zur Geschäftsentwicklung von Siemens Energy nannte Siemens nicht. Dies sei aus regulatorischen Gründen vor Veröffentlichung des Spaltungsberichts nicht möglich. „Wir werden die Siemens Energy sehr positiv und stark ins Rennen schicken können mit einer soliden Finanzausstattung“, sagte Finanzvorstand Thomas. Am 9. Juli ist eine außerordentliche Hauptversammlung der Siemens AG geplant.

    Den Aufsichtsratsvorsitz bei Siemens Energy wird Kaeser übernehmen, der spätestens Anfang 2020 als Siemens-Chef an Vize Roland Busch übergibt. Vor dieser Entscheidung hatte es einen internen Machtkampf gegeben. Siemens-Vorstand Michael Sen, der die neue Siemens Energy führen sollte, nahm seinen Hut. Nun soll der Ex-Linde-Manager Christian Bruch Vorstandschef unter dem Chefkontrolleur Kaeser werden.

    Dass der Umbau von Siemens wohl nie ganz enden wird, zeigt eine weitere Entscheidung: Auch die Düsseldorfer Tochter Flender soll nun abgespalten werden und an die Börse kommen. Der Hersteller mechanischer Antriebe – vor allem für Windanlagen – gilt seit Jahren als Kandidat für einen Verkauf. Flender erzielte zuletzt einen Umsatz von zwei Milliarden Euro. Der Zeitpunkt für den Börsengang ist noch offen. „Wir haben es in der Hand, wann man das macht“, sagte Busch. Die Aktionäre sollen zunächst Anfang 2021 über den Schritt entscheiden.

    Der 62-jährige Kaeser wird im Lauf des Jahres immer mehr Verantwortung an seinen Vize Roland Busch abgeben. Der Physiker und Technologievorstand ist ein Digitalisierungs-Spezialist. „All die Marktentwicklungen, auf die wir schon seit langem setzen, insbesondere die Digitalisierung“ würden durch die Krise beschleunigt, sagte er. Die neue, deutlich kleinere Siemens AG wird sich auf die Digitalen Industrien und die Intelligente Infrastruktur konzentrieren. Die verselbstständigte Bahntechnik soll zudem ebenso wie die börsennotierten Healthineers Teil des Konzerns bleiben.

    Mehr: Wie Siemens die Fabriken von Volkswagen in die Cloud bringt.

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