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New Yorker Professor Scott Galloway„Zerschlagt die Internetriesen“

Scott Galloway kritisiert Amazon, Apple, Google und Facebook heftig. Im Interview wünscht er sich einen „Wettbewerbskrieg“.Kirsten Ludowig und Johannes Steger 01.02.2018 - 11:56 Uhr Artikel anhören

Die europäische Wettbewerbsaufsicht könnte den Anfang machen und eine Zerschlagung begünstigen.

Foto: AFP

München. Facebook glänzt mal wieder mit einem Milliardengewinn – Apple, Amazon und die Google-Mutter Alphabet legen am Abend mit ihren Quartalsergebnissen nach. Der New Yorker Marketingprofessor und Buchautor („The Four: Die geheime DNA von Amazon, Apple, Facebook und Google“) Scott Galloway wird in der Branche gehört. Das liegt zum einen daran, dass der gut vernetzte Tech-Experte weiß, wovon er spricht und sich seine Vorhersagen über die Zukunft der Branche schon mehrfach bewahrheitet haben. Zum anderen ist Galloway für seine direkte Art bekannt: Amazon, Apple, Facebook und Google sind für ihn die vier apokalyptischen Reiter. In den USA hat ihm seine scharfe Kritik schon den Ruf eines Sozialisten eingebracht. Auch im Handelsblatt-Interview gibt sich Galloway kämpferisch.

Herr Galloway, anfangs war es eine Liebesaffäre, so beschreiben Sie es selbst. Jetzt stellen Sie sich hin und fordern, die großen vier zu zerschlagen. Was ist denn da passiert?
Ich mag diese Unternehmen sehr und nutze deren Angebot als Kunde. Ich bin auch Aktionär. Mir kommt dabei der normale Zyklus für das Wirtschaftswachstum in den Sinn. Es gibt diesen Punkt, an dem ein Unternehmen so mächtig wird, dass nur die Zerschlagung dieses Unternehmens dazu führen wird, den Wettbewerb wiederzubeleben. Als Microsoft in den 90er-Jahren sein Marktmonopol dazu missbrauchte, kleine Unternehmen kaputt zu machen, schritt die US-Regierung ein. Ich schaute mir diese Unternehmen genau an und kam zu dem Ergebnis, dass diese Player aufgrund des Netzwerkeffektes eine so hohe Machtkonzentration besitzen, dass eine Zerschlagung dieser vier großen Unternehmen in zwölf kleinere Firmeneinheiten der Welt nur gut tun kann. Das heißt nicht, dass es sich hier um schlechte Unternehmen handelt. Sie sind ja jedes für sich nicht böse oder gemein. Die Zerschlagung ist Teil des normalen Wirtschaftszyklus.

Eine Zerschlagung würde für Verbraucher aber keinen Sinn machen. Alle Netzwerkeffekte würden dann verloren gehen.
Als Ma Bell zerschlagen wurde – das Bell-System war in den 40er- und 50er-Jahren praktisch das Telefonmonopol in den USA – entdeckten wir, dass die Bell Labs auf weitreichenden Innovationen und neuen Technologien saßen, die nie zur Marktreife entwickelt wurden. Einfach aus der Furcht heraus, das eigene Geschäft zu kannibalisieren. Das Gleiche sehe ich nun bei den großen vier. Nur wären die Zahl der Innovationen, das wirtschaftliche Wachstum, die Start-ups und die Netzwerkeffekte um ein Vielfaches größer. Die neue Adelsschicht setzt sich heute aus Aktionären und Verbrauchern zusammen, so jedenfalls sieht es der Amerikaner. Nur wenn wir das gesamte „Ökosystem“ unter die Lupe nehmen, können wir eine Entscheidung treffen.

Eine Zerschlagung würde aber einen gesetzlichen Rahmen brauchen. Wo sehen Sie den?
Ein Monopol an sich ist ja nicht illegal. Illegal ist der Missbrauch. Ich sehe überall, wie Monopole ihre Macht missbrauchen. Google nutzt zum Beispiel seine Dienste, um Anwender auf das eigene Angebot zu lenken. Nehmen Sie Spotify. Es ist das bessere Produkt für den Verbraucher. Apple stellt Apple Music auf seinem eigenen Ausgangsdisplay zur Verfügung. Spotify hingegen muss Apple dreißig Prozent Provision zahlen, um in den AppStore aufgenommen zu werden. Wenn sich das bessere Produkt aufgrund eingeschränkter Marktbedingungen nicht durchsetzen kann, haben wir verzerrten Wettbewerb.

Wer hat denn die Macht, um diese Monopole zu zerschlagen?
Margrethe Vestager. Sie ist die einzige Reguliererin weltweit, die ihren Auftrag verstanden hat. Dieser Wettbewerbskrieg wird in Europa seinen Anfang nehmen.

Der Buchautor ist einer der schärfsten Kritiker von Facebook, Google und Co. in den USA.

Foto: Handelsblatt

Krieg?
Ja, der Krieg gegen Big Tech. Die USA sind unterm Strich immer die Gewinner, wenn es um die Vor- und Nachteile von Big Tech geht. Klar, es gibt große Nachteile. Russland bemächtigt sich unserer Plattformen und nutzt diese als Waffe. Big Tech vernichtet Arbeitsplätze, befördert Steuervermeidung und führt kurzfristig zu Ungleichgewichten in der Einkommensverteilung. Die Vorteile überwiegen allerdings: Es entstehen neue Unternehmen, die die Old Economy fitter machen. Sie erfüllen uns mit nationalem Stolz. Gerade wegen dieser Unternehmen ziehen Menschen zu uns in die USA. Sie sind ein Magnet für die besten Talente der Welt. Sie zahlen Steuern auf der Basis von Wachstum. Dagegen erlebt Europa nur die Nachteile. Die Präsidentschaftswahlen in Frankreich und Brexit wurden gekapert und als Waffen genutzt, Arbeitsplätze gehen verloren, Medienunternehmen stehen unter großem Druck, Steuervermeidung ist an der Tagesordnung. Wie viele Universitäten oder Krankenhäuser in Europa tragen den Namen eines Facebook-Milliardärs? Keines. Europa wird zu dem Schluss kommen, dass es viel weniger zu gewinnen hat.

Wie wird dieser Krieg also aussehen?
Irgendein kleines, europäisches Land wird zum gegebenen Zeitpunkt die Geschäftstätigkeit eines dieser Unternehmen innerhalb seiner Grenzen verbieten. Ich glaube, dass Staaten nicht länger gewillt sind, Google und anderen Unternehmen den Spielraum zu geben, ihr ganzes „Ökosystem“ zu untergraben, ohne dafür zu bezahlen. China unterstützt lokale Anbieter. Dieses Modell könnte auch in Europa Schule machen. Konflikte mit Big Tech in den USA sind ebenso wenig ausgeschlossen.

Wie das?
Schauen Sie sich die republikanisch geführten US-Bundesstaaten an. Die großen vier nutzen ihre grenzenlosen Möglichkeiten, um den Reichtum aus der ganzen Welt in die USA zu lotsen, vornehmlich an die West- und Ostküste. Die breite Mitte mag sich dann fragen, inwieweit sie von dieser Techwelt profitiert. Dann schlägt die Stunde des ambitionierten regionalen Staatsanwalts, der mit Volkes Stimme gemeinsame Sache macht und diese Leute zur Rechenschaft zieht. Ich glaube, dass es so kommen wird.

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Die deutsche Regierung hat jüngst das erste Gesetz dieser Art, das Netzwerkdurchsetzungsgesetz, verabschiedet. Ist das erst der Anfang?
Facebook und die anderen sind Medienunternehmen und sollten genauso behandelt werden. Für Facebook gelten dieselben Rechtsnormen wie für andere Medienunternehmen. Google, Facebook und Twitter haben keine Berührungsängste, sich mit allergrößter Selbstverständlichkeit Einfluss und Berühmtheit zu erkaufen und damit ihre Margen zu steigern. Sie gewinnen Nutzer durch die von ihnen verbreiteten Inhalte. Nur ihre unternehmerische Verantwortung nehmen sie nicht wirklich ernst. Ein Verlagshaus wie das Ihre könnte von Russland instrumentalisiert werden. Wenn es selbst Ihrem Unternehmen gelingt, das zu verhindern, wieso schafft es ein Milliardenunternehmen wie Facebook nicht? Der Grund liegt auf der Hand: Facebook hat sich sehr lange seiner Verantwortung entzogen.

Mark Zuckerberg hat in einer viel beachteten Rede zu Facebook Stellung genommen und Besserung gelobt. Wollen Sie damit sagen, dass diese Rede nur eine PR-Übung gewesen ist?
Zuckerberg und die anderen sind ja keine schlechten Menschen. Es ist ihr Job, Gewinne zu erwirtschaften. Unser Job ist es, dafür zu sorgen, dass sie ihren Anteil an Steuern zahlen und dafür Sorge zu tragen, dass sie nicht tun und lassen, was sie wollen. Wir haben diesen Leuten irgendwann einen Freibrief ausgestellt. Warum sollten für Facebook nicht dieselben Standards gelten wie für andere Medienunternehmen auch? Facebook ist ein Medienunternehmen durch und durch. Die Definition für Medien ist die Verbreitung von Einfluss über Medien. Da Facebook selbst definiert, was Medien sind, muss es sich an seiner eigenen Definition messen lassen. Wir brauchen dringend mehr Druck.

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