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Bodo Uebber Was den Daimler-Finanzchef als Chefkontrolleur von Thyssen-Krupp erwarten würde

Bodo Uebber ist ein Kandidat für den zerstrittenen Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp. Das Format dafür hat er. Bei Erfolg könnte er nach Stuttgart zurückkehren.
13.11.2018 - 17:29 Uhr Kommentieren
Ein Kandidat für die Daimler-Aufsichtsratsspitze. Quelle: Daimler AG
Bodo Uebber

Ein Kandidat für die Daimler-Aufsichtsratsspitze.

(Foto: Daimler AG)

Düsseldorf, Frankfurt Bei Daimler gilt Bodo Uebber vielen als ewige Nummer zwei. Erst stand er im Schatten von Jürgen Schrempp, dann von Dieter Zetsche. Nach 14 Jahren als Herr über die Finanzen bei dem schwäbischen Autobauer sieht sich Uebber für Größeres berufen. Mit dem nahenden Karriereende von Zetsche wollte er dessen Nachfolger an der Spitze des Mercedes-Herstellers werden. Der Daimler-Aufsichtsrat entschied sich aber für seinen Vorstandskollegen Ola Källenius.

Für den 59-jährigen Uebber ein Zeichen, das Unternehmen zu verlassen. Erst Anfang Oktober kündigte er an, nur noch bis Ende 2019 Daimler-Finanzchef zu bleiben. Der Vater einer Tochter wird von Weggefährten als „äußerst ehrgeizig“ beschrieben und will selbst gestalten, anstatt das Zahlenwerk zu verwalten.

Dass er dazu in der Lage ist, demonstrierte er als Mastermind des größten Umbaus der Daimler-Geschichte. Das Konglomerat wird unter dem Dach der Daimler AG im kommenden Jahr in drei rechtlich selbstständige Einheiten (Pkw, Lkw, Mobilitätsdienste) neu gruppiert.

Diesen Umbruch in Stuttgart wird Uebber aber womöglich gar nicht vollenden: Ihn ereilt ein Ruf aus Essen. Der kriselnde Industriekonzern Thyssen-Krupp benötigt dringend einen neuen Aufsichtsratschef. Uebber wäre da ein Kandidat von Format.

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    Die Kontrolleure wollen sich nach Handelsblatt-Informationen auf ihrer Sitzung am kommenden Dienstag mit dem Thema befassen. Bereits zur Hauptversammlung im Januar könnte er zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats gewählt werden, heißt es in Branchenkreisen. Neben Uebber wird auch die Berufung der Ex-Bosch-Managerin Martina Merz besprochen.

    Bodo Uebber zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats von Thyssen-Krupp zu berufen, wäre eine gute Entscheidung. Ingo Speich (Union Investment)

    Uebbers neue Aufgabe soll sich – ganz in seinem Sinne – nicht nur auf das Entgegennehmen von Berichten des Vorstands beschränken. Vielmehr sei von ihm gewünscht, aktiv in die Steuerung des Ruhrkonzerns einzugreifen, heißt es. Vorbild für diese Rolleninterpretation wäre Paul Achleitner, der das Kontrollgremium der Deutschen Bank leitet.

    Vertreter der größeren Thyssen-Aktionäre würden Uebbers Einzug in den Aufsichtsrat begrüßen: „Er ist erfahren und kennt sich am Kapitalmarkt aus“, sagt ein Beteiligter. Ingo Speich plädiert dafür, Uebber „möglichst schnell“ zum Oberkontrolleur zu ernennen. „Thyssen-Krupp hat alles, nur keine Zeit“, sagt der Fondsmanager von Union Investment.

    Uebber bringe zwar keine Stahlexpertise mit, sei aber mit Maschinenbau-Konglomeraten aus seiner Zeit bei dem Airbus-Vorgänger DASA vertraut und daher eine gute Wahl. Andere sind skeptischer.

    „Uebber ist als normales Mitglied im Aufsichtsrat vorstellbar, als Vorsitzender eher nicht“, sagt ein Investor. Der aktuelle Aufsichtsratschef, Wirtschaftsprofessor Bernhard Pellens, sei aber auch keine Dauerlösung. Sicher ist: In Essen wartet auf Uebber eine Schwerstaufgabe.

    Der Wirtschaftsingenieur aus Solingen muss zwischen den verschiedenen Großaktionären vermitteln: Während sich die Krupp-Stiftung als größte Aktionärin dem Erhalt des Unternehmens verpflichtet sieht, will der Finanzinvestor Cevian, der rund 18 Prozent der Aktien hält, den Wert seines Investments maximal erhöhen.

    Es ist ein Drahtseilakt, an dem das zurückgetretene Führungsduo Heinrich Hiesinger (Vorstand) und Ulrich Lehner (Aufsichtsrat) scheiterte. Die nötige Erfahrung für schwere Aufgaben bringt Uebber aber mit. Bei Daimler managte er die spektakuläre Rückabwicklung des Chrysler-Deals kurz vor Ausbruch der Finanzkrise. Er leitete einst den Verwaltungsrat von EADS und sitzt bei Bertelsmann im Aufsichtsrat.

    Uebber gilt als Integrator, wird sowohl von Analysten, Betriebsräten und Gewerkschaftern geschätzt. An den Daimler-internen Fußballturnieren nimmt der Manager regelmäßig teil und gibt sich nahbar. Eine Mischung, die gut zu Thyssen-Krupp passt. Bewährt sich Uebber in Essen, ist auch eine Rückkehr nach Stuttgart denkbar. Er sei ein „Kandidat“ für den Aufsichtsratsvorsitz bei Daimler ab 2021, sagt Fondsmanager Speich. Nach diesem Posten greift aber auch ein anderer: Dieter Zetsche.

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