Berater: Wachstumskurs setzt sich fort: Horvath legt erneut zweistellig zu
Der Vorstandsvorsitzende will Horvath zu mehr Wachstum führen – muss die Führungsgremien aber auch endlich weiblicher gestalten.
Foto: Horváth AG / Thomas KoenigDüsseldorf. Die Beratungsgruppe Horvath wächst weiter auf Rekordniveau. Die international tätige Unternehmensberatung mit Stammsitz in Stuttgart steigerte den Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr um 21 Prozent auf 265 Millionen Euro. Personell verstärkte sich das Unternehmen ebenfalls um mehr als 20 Prozent von 1080 auf über 1275 Mitarbeitende.
„Unsere Strategie, auf unsere Kernkompetenzen Performance Management und Transformation zu setzen, erweist sich gerade in diesen wirtschaftlich unsicheren Zeiten als erfolgreich“, erklärt Helmut Ahr, CEO von Horvath, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Auch für das neue Geschäftsjahr ist Ahr zuversichtlich. Er rechnet mit „einem weiteren zweistelligen Wachstum um etwa 17 Prozent sowie 200 Neueinstellungen“.
Horvath wächst damit deutlich stärker als der Markt. Einer aktuellen Branchenstudie des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberatungen (BDU) zufolge haben die Berater hierzulande 2022 um 15 Prozent zugelegt. Für das laufende Jahr 2023 erwarten sie ein Plus von zwölf Prozent auf ein Geschäftsvolumen von insgesamt 49 Milliarden Euro.
Das 1981 vom im vergangenen Jahr verstorbenen Peter Horvath gegründete Unternehmen ist die Nummer vier der deutschen Managementberatungen. Die Nummer eins ist Roland Berger mit zuletzt 745 Millionen Euro Umsatz (2021). Auf den Plätzen zwei und drei folgen Simon Kucher aus Bonn mit 535 Millionen Euro Umsatz (2022) sowie QPerior aus München mit 286 Millionen Euro Umsatz (2022).
Der deutsche Markt wird allerdings von den drei großen internationalen Anbietern beherrscht. McKinsey und Boston Consulting stehen für jeweils rund eine Milliarde Euro Umsatz in Deutschland, Bain für rund 400 Millionen.
Wachstum, während McKinsey und Accenture abbauen wollen
International ist der Boom der Branche zuletzt ins Stocken geraten. Für negative Schlagzeilen hatten jüngst mögliche Stellenstreichungen bei McKinsey, der Nummer eins der Strategieberatungen, sowie der weltgrößten IT-Beratung Accenture gesorgt. McKinsey überprüft sogar das eigene Geschäftsmodell.
Horvath will organisch und durch Internationalisierung weiterwachsen. Große Projekte wie die Reorganisation des Hausgeräteherstellers BSH und die Transformation von Südzucker trieben zuletzt das Geschäft der Stuttgarter.
Im Laufe des vergangenen Geschäftsjahrs eröffnete Horvath zudem ein Büro in Kopenhagen und verstärkte Standorte in den USA und dem Mittleren Osten. Inzwischen sind 30 Prozent der Mitarbeitenden außerhalb Deutschlands tätig. Zudem wurden zum 1. April 2023 die Führungsriegen verstärkt. Die Partnerschaft ernannte acht neue Mitglieder.
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Für den Branchenexperten Jörg Hossenfelder vom Marktanalysten Lünendonk ist die Beratung Horvath bei ihrer Expansion Treiber und Getriebener zugleich: Horvath habe schon vor Jahren die Fokussierung auf Controlling verlassen und sich digitalen Transformationsprojekten verschrieben. Die Internationalisierung sei zudem sukzessive ausgebaut worden. Dieser Weg sei noch nicht zu Ende.
Geführt wird Horvath seit April vergangenen Jahres von Helmut Ahr. Er kam 2002 von der Landesbank Baden-Württemberg als Berater zu Horvath. Für ihn gibt es neben der Expansion noch eine besondere Herausforderung: Der Vorstand ist bisher ausschließlich männlich besetzt.
Im Aufsichtsrat ist seit Ende September mit Emese Weissenbacher, Finanzchefin beim Filtertechnologiekonzern Mann + Hummel, immerhin eine Frau vertreten.