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Immobilienmanager Wolfgang EggerMit Kraft in die Top 10

Mit 19 gründete Wolfgang Egger Patrizia. Inzwischen hat er die Firma mit aggressiven Übernahmen unter die führenden Immobilienmanager Europas katapultiert. Weitere Zukäufe könnten bald folgen.Reiner Reichel 19.12.2017 - 16:03 Uhr Artikel anhören

„Nach ein paar Monaten habe ich verstanden, dass hinter den schicken Fassaden auch nur mit Wasser gekocht wird“, sagt der Patrizia-Chef über die Branchengrößen in den USA.

Foto: Patrizia

Augsburg. Es war ein Wochenende, an dem Wolfgang Egger seine größten Erfolge in die Wege leitete. Kurz zuvor hatte der Augsburger Immobilien-Investmentmanager mit seiner Belegschaft in München noch ausgiebig gefeiert. Doch dann ging es in die heiße Phase. In einem Verhandlungssprint im Oktober dealte er binnen 48 Stunden mit seinen engsten Vertrauen die größte Übernahme in der Geschichte seines Unternehmens Patrizia aus: Für später kolportierte 200 Millionen Euro kaufte er das zehn Milliarden Euro schwere Emissionshaus für Spezialimmobilienfonds Triuva.

Aber der Kaufrausch geht weiter. Am Dienstag übernahm der Augsburger das Londoner Fondshaus Rockspring Investment Managers. Damit katapultierte sich Patrizia auf nun 40 Milliarden Euro verwaltetes Vermögen, das sich mit diesem Abschluss in nur einem Quartal verdoppelte. Egger rückt damit seinem Ziel näher, „ein globaler Anbieter von Immobilieninvestments in Europa zu werden“. Zumal Rockspring für China-Fan Egger einen großen Investorenkreis aus dem asiatisch-pazifischen Raum mitbringt.

Schon nach der Triuva-Akquisition war Patrizia in die Riege der zehn größten Immobilieninvestmentmanager in Europa aufgestiegen. Auf den jüngsten Coup haben die Analysten noch nicht reagiert. Doch schon nach dem Triuva-Deal zollten sie Beifall: Patrizia habe überzeugende Argumente für die jüngsten Zukäufe genannt und einen vielversprechenden Ausblick gegeben, schrieb Analyst Manuel Martin von der Investmentbank Oddo BHF in seiner jüngsten Studie.

Patrizia kann sich das aggressive Auftreten leisten. Die Firma schwimmt auch nach den beiden Übernahmen noch im Geld. Vor der Rockspring-Übernahme hatte das Unternehmen noch liquide Mittel von 741 Millionen Euro ausgewiesen. Und auch jetzt dürfte noch genug Geld da sein, um weitere spektakuläre Unternehmenskäufe durchziehen zu können.

Patrizia soll auch ohne Egger laufen

Während der heißen Phase der Triuva-Verhandlungen saß Egger, Vorstandschef und Mehrheitsaktionär der Patrizia, weder in Frankfurt noch in Augsburg am Verhandlungstisch. Er vertraut seinem Management. „Ich stelle das Team über den Einzelnen“, versichert er. Im Vorstand zählt jede Stimme nur einmal, auch die von Egger. Wird er bei einem Projekt überstimmt, lässt die Patrizia die Finger davon.

Eggers Ziel war es von Anfang an, Patrizia so zu führen, dass der Laden auch ohne ihn läuft. Getestet hat er das bereits vor vielen Jahren. 2004 verabschiedete er sich für ein Jahr aus dem Tagesgeschäft bei der Patrizia, um als Praktikant durch die New Yorker Hedgefonds- und Immobilieninvestmentmanager-Szene zu streifen. „Ich habe in den ersten Tagen gestaunt wie ein kleiner Junge, der sich die Nase an den großen Wolkenkratzern platt drückt. Nach ein paar Monaten habe ich verstanden, dass hinter den schicken Fassaden auch nur mit Wasser gekocht wird“, sagt Egger.

Wer heute in die Patrizia-Aktie investiert, investiert in Menschen und ihre Ideen von Immobilien-Investitionen, nicht in die Gebäude selbst. Der heute 52-jährige Egger gründete sein Unternehmen mit 19 Jahren selbst mit einer auf den ersten Blick wenig originellen Idee. Mietshäuser kaufen, die Wohnungen in Eigentumswohnungen umwandeln und verkaufen. „Aufteiler“ nennt man solche bei Mietervertretern verhassten Leute. Denn Aufteiler stehen in dem Ruf, Mieter aus den Wohnungen zu ekeln, um diese mehr oder minder modernisiert, teuer an kaufkräftige Kunden zu verkaufen. Doch Egger passte das Konzept an. Er verkaufte an die Mieter. Noch heute ist er überzeugt, dass es für Mieter besser ist, mit eigenem Geld und Bankkrediten den Kauf ihrer Mietwohnung zu finanzieren, als ein Leben lang Miete zu zahlen. Das machte Mietervertreter nicht weniger misstrauisch. Dennoch verlor der Münchener Mieterverein vor ein paar Jahren kein böses Wort über Patrizia: „Patrizia ist profitorientiert. Aber man kann sich mit der Firma arrangieren.“

Mit dem Geschäftsmodell, Mietwohnungen in Eigentumswohnungen zu wandeln, war Egger 2006 an die Börse gegangen. Aus 400 Millionen Euro Emissionserlös sind rund 1,8 Milliarden Euro Börsenwert geworden. Mit den Zwängen des Kapitalmarkts, Schaulaufen vor Investoren und Analysten, wollte Egger aber nichts zu tun haben. Quartalsberichterstattung und Prognosen zum Ergebnis am Jahresende waren und sind ihm ein Graus. Er denkt lieber Jahre voraus: „Mein Quartal misst fünf Jahre“, sagt er. „Inzwischen hat er seinen Frieden mit der Börse gemacht. „Wir haben gelernt, uns besser zu erklären, so dass der Kapitalmarkt uns nun besser versteht.“

Als im Jahr 2008 die Finanzkrise Patrizia wie auch andere Immobilienunternehmen schüttelte, wollte die Börse von Patrizia nichts wissen. Zumal das Aufteilen nur noch zäh gelang. Der Kurs schmierte zeitweise unter einen Euro ab. Egger überlegte, wie die Patrizia mit wenig eigenem Kapitaleinsatz groß investieren könnte. Es entstand das Immobilienfonds- und Co-Investoren-Modell, bei dem sich Patrizia nur noch mit geringen Anteilen an Milliardendeals beteiligt, die für andere gekauften Gebäude verwaltet und dafür Gebühren erhält.

Den Respekt der Branche verdient

Der Wechsel ins neue Geschäftsmodell gelang, als sich die HSH Nordbank 2010 von ihrem Immobilien-Spezialfondshaus LB Immo Invest trennte. Patrizia kaufte nicht nur verwaltetes Vermögen, sondern Expertise in für sie neuen Nutzungsarten. Der Wohnungsexperte gewann auf einen Schlag Spezialisten für Handel, Büro, Logistik und Hotels dazu. Darauf baute Egger fortan auf.

Ins Klischee des smarten Immobilienmanagers passt Egger heute so wenig wie als jugendlicher Unternehmensgründer. Aber der langhaarige Manager mit dem Pferdeschwanz hat sich inzwischen den Respekt der Branche und der rund 200 eher konservativen institutionellen Investoren im Patrizia-Kundenkreis verdient. Seine Meinung ist gefragt, auch bei denen, die keine Geschäfte mit ihm machen, wie Ulrich Höller, Vorstandschef der GEG German Real Estate: „Ich schätze den Gedankenaustausch mit Wolfgang Egger, weil er immer einer von denen ist, die über den Tellerrand der Branche hinausschauen.“

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Die Milliardendeals werden Wolfgang Egger nicht verändern. Aus Statussymbolen wie schnellen Autos, teuren Uhren, großen Jachten oder Luxuswohnungen in Weltmetropolen, mit denen andere Größen der Immobilienwelt schon mal kokettieren, wird er sich weiterhin nichts machen. Er wird auch fortan Gesprächspartner lieber beim Essen auf dem Stadtmarkt in Augsburg treffen als in feinen Restaurants.

Und auch bei den Verhandlungen zum nächsten großen Abschluss wird er sich auf sein Team verlassen und selbst im Hintergrund bleiben.V

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